Grübeln oder gestalten? 

 

Hallo Du,

schwere Zeiten im Leben können uns zerrütten oder motivieren. Sie können uns lähmen oder anregen. Sie können uns niederhalten oder wachsen lassen.

Ich weiß, wovon ich rede. 10 Jahre voller übelster körperlicher und seelischer Schmerzen haben mich zum Fachmann für versinkendes Verhalten in Tiefpunkten gemacht, aber auch den Weg zurück zur Hoffnung und zum Auftauchen gelehrt.

Nach langem, ängstlichem Verharren, selbstmitleidigem Aufbäumen und beharrlichem ‚Auswege suchen‘, wurde mir in einem Traum deutlich:

Wer sein Versinken ängstlich, hoffnungslos und passiv beobachtet, lässt es schlimmer werden.

Das Leben wird erträglicher, freudiger, lebenswerter, wenn wir es gestalten. Wer sich ständig nur mit sich selbst und seinen Ängsten und Nöten beschäftigt oder wer sich antriebslos langweilt, der macht das Schlimme noch schlimmer!

Wenn wir das Leben nicht gestalten, gestaltet es uns – oft so, dass es uns einengt, schwermütig macht und verdunkelt.

Langeweile, Grübeln, Angst – das sind Zustände, die sich selbst verstärken. Sie lenken die Aufmerksamkeit nach innen, leider nicht in guter, nährender und aufbauender Weise, sondern wie ein Strudel ins immer tiefere Abwärts. Je länger man darin bleibt, desto enger wird der Blick, desto lauter werden die inneren Stimmen und desto bedrohlicher wirkt das, was eigentlich nur ein Gefühl ist.

 

Nicht-zu gestalten, macht alles schlimmer.

Wenn jemand nur mit sich selbst, seinen Ängsten oder Nöten beschäftigt ist, dann schrumpft seine Welt und sein Blickwinkel. Das eigene ‚Unglück‘ wird übergroß und das erfrischende Außen schwindet, verliert sich, wird bedeutungslos. Dadurch wirkt das Schwere wie ein Echo, das sich verstärkt. Das Innere wird zu einem großen leeren Raum, in dem jeder Ton zurückhallt und stärker wirkt, als er tatsächlich ist.

 

Gestalten dagegen, öffnet Räume und Horizonte.

Gestalten befreit, durchbricht die Lethargie, den Rückzug, die Enge.

Gestalten heißt: Wieder Einfluss nehmen. Wieder am Leben teilnehmen. Wieder mutig werden. Wieder aktiv werden – selbst wenn es nur winzige und zögerliche Schritte sind. Sie brechen die lähmende Passivität.

Wer gestaltet, tritt wiederin Kontakt und in Beziehung– mit seinem eigentlichen Wesen, mit Menschen, Dingen, Orten und Möglichkeiten, mit der Welt und dem Leben!

Gestalten unterbricht das irrationale Kreisen um sich selbst und lenkt die Aufmerksamkeit und das Denken wieder auf die Realität und aufs eigene Können.

Gestalten gibt wieder Lebenssinn. Nicht für das sowieso nicht Beeinflussbare, sondern für das Schlichte und Einfache: Ich wirke. Ich kann es noch. Ich bin dem Schicksal nicht ausgeliefert.

 

Wieder zu gestalten meint nicht, gleich das ganze Leben umkrempeln. Kleine Schritte reichen schon. Beispielsweise: Einen Spaziergang zu machen, etwas aufzuräumen, jemandem zu schreiben, einen Freund anzurufen, wieder zu lachen, etwas zu kochen oder zu backen, einer Idee nachzugehen, eine Hoffnung zu formulieren, einen Gedanken zu Ende zu denken, wieder zu beten oder, einen Plan für morgen zu machen. Das sind Ankerpunkte, die das Innere wieder mit der Welt verbinden und versöhnen.

 

Gestalten heißt:

Das verschlossene Fenster zu öffnen. Wieder Licht und frische Luft hereinzulassen. Wieder am Leben teilzunehmen und das eigene Werden, wieder zu beeinflussen.

Das Leben wird erträglicher, wenn wir es aktiv gestalten und das Leben hellt sich auf, sobald wir beginnen, es zu formen.Nun nicht mehr alleine und nur auf sich selbst gestellt, sondern mit einem festen Halt, mit einer angemessenen Aufgabe und mit zuverlässiger Unterstützung. Ich habe dieses im Glauben gefunden.

 

Jesus ruft allen Menschen zu:

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken! Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ (Mt 11,28-30)

Sein „Joch“, also unsere Nachfolge, unser Christsein, ist leicht, weil er unsere Last mitträgt und weil er uns befähigt.

Das Joch ist leicht, weil es uns Ruhe bringt, vor Erschöpfung schützt und keinen Leistungsdruck erzeugt. Sein Joch ist uns individuell angepasst. Es drückt nicht. Es ist hilfreich. Bei Jesus und mit ihm – finden wir Ruhe für unsere Seele.

Seine „Last“ ist, sich von ihm führen zu lassen, ihm zu gehorchen und von ihm zu lernen: Von seinem Charakter, seiner Liebe, seiner Sichtweise und seinen Wegen. Auch, mit ihm an seinem Reich mitzuarbeiten. Dabei werden wir aber unterstützt von seinem Geist, einem Geist voller Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung.

Jesus hat für jeden eine Aufgabe, die persönlich angepasst ist. „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.“ (Eph 2,10)

In dieser Aufgabe sind wir unterstützt vom seinem Heiligen Geist. Jesus lässt uns dabei nicht alleine. Sein Geist führt, trägt, erinnert, stärkt, korrigiert, tröstet und begleitet uns. Er hält uns dynamisch, erfrischt unser Denken und aktiviert immer wieder neue Kräfte. Wir stellen erstaunt und erfreut fest:

„Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus.“ (Phil 4,13)

 

 

 

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