Bin ich Christ?
Hallo Du,
als Christ habe ich eine etwas anderer Weltanschauungen als viele andere. Das wird mir in vielen Gesprächen immer wieder deutlich. Und wenn ich mich darin als Christ bekenne, höre ich oft die Antwort: „Ich bin auch Christ!“
An dem Punkt wird es spannend. Ich frage: „Woher weißt du, dass du Christ bist?“
Die Antwort kommt prompt. „Na, ich bin getauft und ich bezahle Kirchensteuer.“
Ist ‚Christ‘ ein Titel, den ich mit der Steuer mieten bzw. kaufen kann oder ein Zustand, in dem ich mich gerade befinde oder ein Lebensstil, den ich dauerhaft pflege?
Ist der Taufschein eine Versicherungspolice für ein angenehmes und gesegnetes Leben?
Reicht es, das zu glauben?
Vielen reicht es, ein Taufschein-Christ zu sein, eine Kirchen-Eintrittskarte zu haben und eine Glaubensberechtigung zu besitzen.
Das ist bequem, aber leider auch unfruchtbar.
Mit dieser Einstellung hat man kein geistliches Wachstum und erntet man nicht die zugesagte Frucht, die der Geist Gottes hervorbringt und die aus Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung besteht. (Gal 5, 22-23a)
Christ zu sein ist nicht nur eine Glaubensfrage, sondern auch eine Beziehungsfrage.
Welche Beziehung haben wir zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes?
Welche zu und mit unseren Mitmenschen?
Was tun wir für diese Beziehungen?
Bevor Be-Ziehungen zum gegenseitigen Tauziehen werden, sollten wir sie regelmäßig durch gegenseitigen Austausch und gemeinsames Erleben und Empfinden pflegen und im treuen Miteinander festigen.
Es ist leichter in die gleiche Richtung zu ziehen, als gegeneinander die Kräfte zu neutralisieren.
Es ist angenehmer, in Liebe zueinander zu stehen, als im Streit auseinanderzugehen.
Es ist einfacher, an der Glaubensverbindung mit Gott zu arbeiten, als auf sich selbst gestellt mühsam durchs Leben zu hinken.
Christ ist man nicht, sondern zum Christen wird man.
Jesus hat man nicht, sondern man folgt ihm und hört immer wieder auf ihn.
Geistiges und geistliches Wachstum geschehen in der ständigen Auseinandersetzung mit der christlichen Lehre, dem Wort und Willen Gottes, und dem eigenen, selbstbezogenen, manchmal ungezügelten, menschlichen Wollen.
Die Beziehung mit Gott wird lebendig und fruchtbar, gepflegt und vertieft, indem wir aktiv an unserem Glauben arbeiten.
Was beinhaltet das? Beispielsweise:
Regelmäßiges Gebet: Um mit Gott in Verbindung zu bleiben ist Gebet unabdingbar. Das Gebet ist die ständige Gelegenheit, eigene Sorgen, Freuden und Dankbarkeit mit Gott zu teilen, seine Führung und Hilfe zu suchen und die Bindung zu verstärken.
Anhaltendes Bibelstudium: Der Inhalt der Bibel ist Gottes Wort an uns und jahrtausendalte Erkenntnis. Durch das Studieren dieser Schrift lernen wir Gott und sein Wirken kennen, erfassen wir mehr von seinem Wesen, von seinem Charakter, von seinem Willen und seinen festen, wundervollen und verheißungsvollen Zusagen. Es hilft uns, an Güte, Weisheit und Erkenntnis zuzunehmen.
Lernen in Gemeinschaft: Die Gemeinschaft und der Austausch mit anderen Gläubigen sind wichtig, um voneinander zu lernen und das Gelernte zu erproben. In der Gemeinschaft können wir uns gegenseitig ermutigen, unterstützen und herausfordern. Der Besuch von Gottesdiensten, Bibelgruppen oder Hauskreisen kann zusätzliche Anregungen geben und die gedeihliche Gemeinschaft stärken.
Anderen dienen: Unser gedanklicher Glaube wird lebendig und fruchtbar, wenn wir ihn in der Praxis einsetzen, anderen liebevoll weiterhelfen, ihnen, ihrem Heil und Wohlergehen dienen. Das gilt alle Mitmenschen, denen wir begegnen. Durch selbstloses Dienen geben wir Gottes Liebe weiter und machen andere auf ihn aufmerksam.
Gebote befolgen: Unser Glaube und Gottvertrauen zeigen sich darin, dass wir Gottes Gebote befolgen und seinen Willen in die Tat umsetzen. Gehorsam, auf ihn hören, ist die Grundvoraussetzung für geistliches Wachsen und Reifen, für das ‚Jesus ähnlich werden‘, für das ‚Christ sein‘.
Selbstreflexion: Sich und seine Einstellungen, Erwartungen, Ziele, Werte und Verhaltensweisen regelmäßig zu überprüfen und am Beispiel Jesu zu spiegeln ist nötig, um zu erkennen, ob wir noch auf dem rechten Weg sind, wo wir noch wachsen können bzw. wo wir einhalten oder umkehren sollten. Wir leben noch in einer Welt, die voller Täuschung, Verwirrung, Abwege und Versuchungen ist. Der Geist Gottes hilft uns, unsere Fehler und unser Abweichen zu erkennen und Gott immer wieder um Vergebung zu bitten.
Sie alle, die Gott im Voraus ausgewählt hat, die hat er auch dazu bestimmt, seinem Sohn gleich zu werden. Nach dessen Bild sollen sie alle gestaltet werden, damit er der Erstgeborene unter vielen Brüdern und Schwestern ist. (Röm 8,29; GNB)

