Vor Gott sein Herz ausschütten 

 

Hallo Du,

manchmal fühle ich mich wie ein Dampfkochtopf unter Druck, in dem es brodelt. Dann kreiseln meine Gedanken, die Gefühle toben und ich könnte platzen! Früher platzte ich tatsächlich manchmal. Ich ließ Druck ab und war für andere unleidlich und unausstehlich, bis ich mich dann wieder beruhigt hatte, bis ich endlich wieder mit mir und der Welt im Reinen war.

 

Wie kam es zu dem Überdruck?

Oft durch Zwang, unter den andere mich setzten, den ich akzeptieren musste oder nur widerwillig akzeptierte, z.B. durch harte Auflagen, durch zu enge Fristen, durch zu starre Vorgaben oder gar durch unlautere Aufträge. Manchmal auch durch ungerechtfertigte Unterstellungen oder Verdächtigungen oder hochmoralische Ansprüche und Zwänge. Mein inneres HB-Männchen tobte, revoltierte, dagegen, weil es sich nicht dagegen wehren konnte.

Aber oft genug habe ich mir den Druck unbewusst auch selbst gemacht. Ich hielt dickköpfig an etwas fest, von dem ich fälschlicherweise überzeugt war. Oder, ich wollte unbedingt und schnell ein Ziel erreichen. Oder, ich habe mich über andere aufgeregt, weil sie meiner Meinung nach einen zu eigenen Kopf hatten oder zu bequeme Angewohnheiten. Oder, ich wollte etwas unbedingt erreichen, zu dem mir die Möglichkeit und/oder die Reife fehlte.

 

Was brodelte in mir?

Letztlich war es meine kleine, kindliche und verletzte Seele, waren es Unzufriedenheit und Unausgeglichenheit, innere Unruhe und äußerer Unfrieden, vielleicht auch fehlende Liebe und Zuwendung, vielleicht auch mangelndes Selbstvertrauen, vielleicht auch Bestätigungsdrang, bestimmt auch Ungeduld und naiver Leichtsinn (Wagemut bzw. Übermut).

 

Weshalb platzte ich?

Ich hatte noch kein Ventil für den Überdruck, noch kein Empfinden für den inneren Druckanstieg und dessen Regulierung. Ich hatte auch keinen vertrauenswürdigen Gesprächspartner, mit dem ich schwierige Situationen hätte beraten können. Und, ich hatte zu wenig Erfahrung, um zu erkennen, was richtig oder falsch ist, was und wer gerade Vorrang hat oder was wichtig ist. Auch, weil ich eine einseitige (und belastende) Ich-Perspektive hatte.

 

Wodurch ist das anders geworden?

Weil ich irgendwann die inneren Spannungen und Belastungen und Schmerzen nicht mehr aushalten konnte. Weil ich deswegen nach einem anderen, besseren Weg suchte, der Entlastung bringt. Den fand ich schließlich, als ich ein bewusster, veränderungsbereiter Christ wurde. Im Abgleich mit der Bibel, erkannte ich meine Einseitigkeit und Andersartigkeit, mein Verhaftet sein im weltlichen, im materiellen und fleischlichen Leben, meine geistliche Blindheit und meinen starken Ich-Bezug.

Mit Gottes Hilfe und durch die Lehren Jesu lernte ich nach und nach, mein wahres Ich zu erkennen, auch meine dunklen Seiten, auch meine Schwächen, meine Hilflosigkeit und Hilfsbedürftigkeit, aber auch meine Stärken und besonderen Gaben, unter anderem, mein friedliebendes, sanftmütiges Wesen, meine Sensibilität, mein Einfühlungsvermögen sowie die mir gebende Liebe. Auch, sie wachsen zu lassen, zu zeigen und mit Freude zu geben.

Dadurch habe ich eine neue Sichtweise auf Menschen und Dinge bekommen und mit ihr, andere soziale Werte wie Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung schätzen gelernt. Ja, ich bin ein anderer Mensch geworden, weil ich mich an Jesus und seinen Lehren ausgerichtet habe und jetzt auf Gottes Wort und Rat höre.

Gott ist zu meinem geliebten Vater geworden, dem ich vertraue; Jesus zu meinem ständigen Begleiter. Sein Wesen wurde mir zum Vorbild und sein Geist wurde zu meinem weitsichtigen Berater. Ihnen schütte regelmäßig mein Herz aus. Sie sind mein mäßigendes Ventil. Ihr Wille ist mir zum Maßstab geworden. Meine Druckanzeige ist mein geprüftes Gewissen.

Nach vielem Beten, Bitten und Betteln um Veränderung entdecke ich mittlerweile, dass ich mehr danke als bitte. Das gefällt mir, zeigt es mir doch, dass in mir Reife, Ruhe, Zufriedenheit und Ausgeglichenheit gewachsen sind und auch mein Gottvertrauen. Und dennoch, mein Glaube wird immer wieder auf die Probe gestellt, hinterfragt und geprüft. Und das lässt mich erkennen: Gott ist noch viel größer und weiser und geduldiger und liebevoller als ich es mir bisher vorstellen konnte. Es gibt noch viel Raum, in ihn und in seine Fülle hineinzuwachsen. Das erdet mich. Es vertieft aber auch die Beziehung mit ihm. Gott sei Dank.

 

Im Reinen sein

Vor Gott sein Herz auszuschütten, regelmäßig und dauerhaft mit Jesus und seinem Geist verbunden zu sein, das tut ‚unglaublich‘ gut, das hilft und es vereinfacht und ändert das Leben. Das möchte ich für immer beibehalten.

Heute kann ich mich mit dem Propheten Micha fragen und zu Gott sagen: ‚Wer ist ein (so wundervoller) Gott wie du?‘ Und ich kenne die Antwort: Es ist dein Sohn, Jesus Christus, mein Helfer, mein Retter aus Not, Kurzsichtigkeit und schlechten Bindungen, mein Vorbild und jetzt auch Herr über mein Leben. Er ist selbstlos und entschlossen; voller Liebe, Güte und Erbarmen; einfühlsam, geduldig und demütig, menschennah und hilfsbereit. Das ist er für alle, die neue Wege suchen und sich ihm anvertrauen. Bei ihm kann jeder sein Herz ausschütten, sowohl seinen Unmut loswerden, als auch seine Freude und Dankbarkeit zeigen. In ihm finden alle Halt und Orientierung, wenn sie es wollen.

 

Herr, schenke uns immer wieder Besinnung, damit wir aufmerken und wachsen. Lasse in uns Unzufriedenheit vergehen und Freude durch Beweglichkeit entstehen. Wecke in uns deine Liebeskraft, fröhlichen Lebensmut und grenzenloses Vertrauen in dich, in dein liebevolles Vorausgehen, Unterstützen und Helfen. Amen.

 

Mit David, dem von Gott geliebten, kann ich heute sagen:

Meine Rettung gründet sich auf Gott allein, auch meine Ehre verdanke ich nur ihm. Er ist der Fels, der mir Halt gibt, meine Zuflucht finde ich bei Gott. Vertraut auf ihn zu jeder Zeit, ihr alle! Schüttet ihm euer Herz aus! Gott ist unsere Zuflucht. (Ps 62,8-9; NGÜ)

 

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