Ver-sprechen
Hallo Du,
es hat sehr lange gedauert
und es war sehr schmerzlich,
bis ich verstanden habe,
dass ein menschliches Versprechen
nichts wert ist und dass ich mich darauf
nicht verlassen kann und darf,
denn ansonsten bin ich verlassen.
Etwas zu versprechen bedeutet,
jemandem fest und verbindlich zu erklären,
dass etwas für ihn getan wird.
Ein Versprechen ist eine Selbstauflage,
eine Bindung, für die ich mit meinem Wort,
mit meiner ganzen Person
und mit meiner Zuverlässigkeit einstehe;
sie ist sozusagen eine Selbstverpflichtung.
Doch jetzt habe ich verstanden, dass eine
solche Zusage, ein solches Ehrenwort,
vom Charakter des/der Versprechenden
abhängig ist.
Wenn es hart auf hart geht und eigene
Interessen im Vordergrund stehen,
vergessen viele Menschen gerne
ihre Zusicherungen und legen sie als
Versprecher, als ein ver-sprechen,
als eine falsche Wortwahl aus:
„Ich habe damit nur
eine Möglichkeit genannt.“
„Ich habe mich wohl
nicht ganz klar ausgedrückt.“
„Ich habe es zwar so ähnlich gesagt,
aber nicht so gemeint.“
„Das habe ich nicht so ernst genommen.“
„Auf Versprechen darf man eben
nichts geben, das weiß doch jeder.“
Wo keine Ehre ist, da ist auch
keine Ehrlichkeit und Verbindlichkeit,
da sind Versprechen Schall und Rauch.
Sie sind dummes, einschläferndes,
hinhaltendes Gerede, das Hoffnung weckt,
das etwas erwarten lässt, was nie eintrifft!
Wo keine Ehre ist,
da wird mit Ehre gegeizt,
da beherrscht ein stark ausgeprägtes,
egoistisches Streben nach Erfolg, Geltung
oder Anerkennung den Menschen,
da sind Versprechen nur Mittel zum
eigenen Zweck,
da werden Versprechen benutzt,
um eigene Ziele auf krummen Wegen
verborgen zu erreichen.
Ein Mensch mit Ehre und Charakter
gibt keine Versprechen, sondern er handelt
und beweist damit seine Ehrlichkeit
und Ernsthaftigkeit.
Er beschwichtigt und beschönigt nicht,
sondern er vollzieht und beweist damit
seinen Wert, seine Zuverlässigkeit und
Verantwortlichkeit.
Er verliert keine großen Worte über sein
verlässliches Tun, sondern er zeigt,
er beweist damit ungehend
seine Zuneigung und Liebe.
Doch das ist nur die eine Seite.
Auf der anderen Seite ist der Mensch,
der auf ein Versprechen vertraut
und vertrauen möchte,
der es gerne hört und es gerne so hätte,
der sich darauf einlässt und verlässt,
der sich davon abhängig macht,
der immer wieder Enttäuschung,
Ernüchterung und Desillusionierung
erleben wird.
Es gibt nur einen Weg, um aus dem
Dilemma zwischen ‚Versprechung’ und
‚darauf vertrauen’ herauszukommen:
Lasse Dich nicht auf Versprechungen ein,
vertraue ihnen nicht und mache Dich,
Deine Hoffnungen und Dein Handeln
nicht von ihnen abhängig,
sondern gehe besser Deinen eigenen,
unabhängigen Weg.
Beachte immer:
Nicht Worte zählen,
sondern alleine die Taten,
auch bei Dir.
Jeremia schreibt dazu:
So spricht der Herr:
„Verflucht ist der Mensch, der sich auf
Menschen verlässt und sich von mir
abwendet.
Der wird sein wie ein Dornenstrauch
in der Wüste und wird nicht sehen das
Gute, das kommt, sondern er wird bleiben
in der Dürre der Wüste, im unfruchtbaren
Land, wo niemand wohnt.
Gesegnet aber ist der Mensch, der sich
auf den Herrn verlässt und dessen
Zuversicht der Herr ist.
Der ist wie ein Baum am Wasser gepflanzt,
der seine Wurzeln zum Bach hin streckt.
Denn obgleich Hitze kommt, fürchtet er
sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt,
sondern bringt ohne Aufhören Früchte.“
(Jeremia 17, 5 – 8)
