Ständig woanders
Too many datas open!
Hallo Du,
es gibt Menschen,
die sind ständig woanders,
ständig auf den Beinen,
ständig am Machen und Tun,
mal hier und mal da,
auch in ihren Gedanken.
Irgendwie sind sie immer
unruhig und unterwegs,
fast wie gehetzt.
Nie sind ganz da,
wo sie gerade sind.
Was treibt sie so um und an?
Was beunruhigt sie so sehr?
Und was haben sie von
ihrer unruhigen Umtriebigkeit?
Werden sie von außen überlastet
oder überlasten sie sich selbst?
Wird ihnen zu viel aufgehalst
oder wollen sie so belastet sein?
Es kommt mir vor, als würden
sie etwas suchen, aber nicht finden;
als hätten sie eine Leere in sich,
die sie mit Geschäftigkeit und
Ablenkung füllen.
Können sie denn nichts
mit sich selbst anfangen?
Kennen sie ihre Bestimmung nicht?
Können sie nicht einfach einmal
nur dasitzen, entspannen
und den Augenblick genießen?
Da sie nicht zur Ruhe kommen,
finden sie wohl nicht, was sie suchen.
Vielleicht suchen sie ja gerade
diese Ruhe und den inneren Frieden,
und damit verbunden Gelassenheit,
Zufriedenheit und Lebensglück,
nur, sie wissen nicht,
wie sie das erreichen.
Ist ihre jagt nach Neuem,
vielleicht auch ein Zeichen
für eine Suche nach sich selbst,
für eine Suche nach dem
eigenen Wert und der
eigenen Bedeutung?
Oft erscheinen gejagte
Menschen pflichtbewusst,
doch ist ihnen ihre
eigentliche Pflicht wirklich bewusst,
nämlich die,
zu lieben,
Freude am Leben zu haben
und Gott dafür dankbar zu sein?
Suchen sie in ihren Aktivitäten
Bewährung und Vervollkommnung
ihrer gottgegeben Gaben
oder vorwiegend nach
Angenommen werden, Anerkennung,
Aufwertung und Geltung?
Welche Motivation und Einstellung
haben sie in ihrem Denken und Tun?
Natürlich brauchen wir alle Ermutigung
und Lob als Bestätigung
und zur Bestärkung
bei der Ausformung unserer Gaben,
aber unsere Gaben haben
etwas mit Geben zu tun,
mit Geben aus Freude zur Freude,
nicht mit gierigem Haschen nach Geltung.
Wer gibt, ist dadurch anerkannt
und sein Entgelt ist die Freude
und der Dank der Anderen.
Was passiert bei dem, der im Kopf
und im Herzen so unruhig sucht?
Äußere Unruhe ist wahrscheinlich
ein Zeichen von innerer Unruhe,
von ständig kreisenden Gedanken,
von ständigem Denken an
Vergangenes oder Zukünftiges.
Vielleicht denken sie an
vergangenes Schönes
oder sie
hadern mit zurückliegendem Unheil
und wollen es nachträglich rechtfertigen
und gedanklich geradebiegen;
oder, sie wollen Vergangenes
verändern oder ungeschehen machen,
was ja nicht geht;
oder, sie planen und gestalten
das Morgen, die Zukunft,
vielleicht denken sie daran,
was noch zu erledigen ist
und wie sie es tun könnten,
oder was sie (oder der andere)
wo, wann und wie zu sagen
oder wie sich zu verhalten haben,
oder aber sie denken an das,
was sie gerne noch Schönes tun
und erleben möchten und planen es.
Das ist nicht nur ein Geschehen
in den Gedanken, sondern auch
in den Gefühlen.
Unsere Gedanken
beeinflussen unsere Gefühle
und richten sie in ihrem Sinne aus.
Sie sind deren Vorreiter und Verstärker.
Tobende Gefühle rauben uns
zusätzlich die Fassung und bringen
uns aus dem Gleichgewicht.
Zu viele Gedanken verbunden
mit starken Emotionen bewirken,
dass Zusammenhänge immer
unübersichtlicher und komplexer werden.
Ein ziel- und lösungsorientiertes Denken
ist dann kaum noch möglich.
Wenn wir unsere unguten und
belastenden Gefühle unter Kontrolle
bringen wollen, müssen wir zunächst
unsere Gedanken unter Kontrolle bringen.
Wir müssen einen Wächter an den
Denkanfang stellen, der darüber wacht,
welche Gedanken wir zulassen.
Damit entscheiden wir auch darüber,
was und wie wir fühlen und empfinden
und was uns vielleicht belastet.
Wenn das Denken sich verselbständigt
hat, dann denkt und denkt und denkt es,
unkontrolliert, unbeherrscht, sprunghaft
und kräftezehrend.
Die Gedanken kreiseln und springen
planlos umher,
sie bauen auf und um und,
sie reißen wieder ein.
Sie verirren sich leicht
in den Widersprüchen
zwischen Wissen und Erfahrung,
zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
In diesem Stadium beschäftigen
sich die Gedanken mit sich selbst.
Sie wollen sich verwirklichen.
Dafür nehmen sie uns für sich
gefangen und richten uns
nach ihrem Willen aus.
Sie machen uns taub und blind
für die Wirklichkeit und Gegenwart.
Sie lassen Eltern ihre Kinder auf
Autobahnparkplätzen vergessen.
In Gedanken fahren Menschen
bei Rot über die Ampel und merken
es nicht.
Sie bauen Unfälle und werden erst
dann aus ihren Gedanken gerissen,
wenn es kracht.
Gedankenverloren, verpassen sie
zu leben und ihr Dasein zu genießen.
Unbewältigte, kreisende Gedanken
wecken uns nachts auf.
Sie suchen nach einer Lösung.
Ruhelose Gedanken machen aber
unglücklich. Sie entfernen uns
von unserem eigentlichen Ich,
von unserer ruhenden Mitte,
von Gott, seinen Schönheiten
und von seinem Segen.
Mit Vergangenem zu hadern bringt nichts.
Es führt nur in einen unlösbaren Kreislauf
von Ohnmacht, Schuld und Versagen,
denn an Vergangenem lässt sich nichts
mehr ändern.
Die einzig sinnvolle Konsequenz
daraus ist, zu lernen und es in
der Gegenwart besser zu machen.
Kommendes zu planen ist notwendig,
doch es bereits im Detail mit konkreten
Vorstellungen und Erwartungen
auszugestalten ist sinnlos.
Es kommt doch meist anders.
In Gedanken träumen wir gerne von
einem anderen, einem besseren Sein
und erkennen dabei nicht, dass unser
tatsächliches Sein gar nicht so schlecht ist,
wenn wir es denn auch annehmen und
leben würden;
wenn wir nicht nur große Dinge vom
Leben erwarten würden, sondern auch mit
den vielen kleinen Gegebenheiten und
Situationen glücklich wären.
In Luftschlössern lässt sich gut träumen,
aber nicht dauerhaft leben.
Die ernüchternde Realität holt uns schnell
wieder auf den harten Boden der
Tatsachen zurück.
Eifernde Gedanken wollen
gelten und bewirken.
Dafür kämpfen sie – aber gegen wen?
Doch gegen den,
der sie hat und nicht umsetzt,
also gegen den Denker der Gedanken.
Und dieser Kampf ist ein Kampf
zwischen Wollen und ‚Nicht dürfen‘
bzw. ‚Nicht können‘.
Er erzeugt eine Spannung zwischen
Hoffen und Befürchten,
eine seelische Verspannung,
er schlägt uns aufs Gemüt und bringt
uns aus dem Gleichgewicht.
Ursachen für inneren Spannungen und
innere Unruhe und Unausgeglichenheit
sind oft Ängste vor Verlust oder Versagen.
Zu hoch gesteckte Absichten und Ziele
und unsere eigene Beschränktheit,
sie zu erreichen, verstärken diese Ängste.
Wir selbst sind durch unser
übertriebenes Wollen und Streben
unser größter Feind.
Diese Erkenntnis ist bitter,
denn wir kommen dabei schlecht weg.
Wir denken, wir hätten ein Anrecht darauf,
etwas Gewünschtes zu bekommen.
Und wenn wir es uns nicht selbst nehmen
oder geben können, dann erwarten wir
es von anderen, besonders von denen,
die uns nahe sind, die es uns zu geben
haben, weil sie uns ja angeblich lieben.
Und weil das, was wir wollen
und verlangen oft übertrieben
und tatsächlich auch unwichtig
oder gar nicht gut für uns ist,
bekommen wir es natürlich auch nicht.
Aber dann toben unsere
Gedanken und Gefühle erst recht.
Unruhige Gedanken genießen
nicht den Augenblick.
Sie haben keine Freude
in der Gegenwart.
Sie gönnen sich keine
Ruhe und Entspannung.
Wird durch das ruhelose Denken und
‚Beschäftigt sein‘ etwas verändert?
Wird durch kreiselndes Denken
etwas klarer?
Erkennt man sich dabei selbst ?
Zu viele Gedanken blockieren leicht
das Fassungsvermögen des Gehirns.
Mein erster Computer hat dann gestreikt
und die Fehlermeldung angezeigt:
Too many datas open!
Zu viele Gedanken!
Multitasking bedeutet,
vieles gleichzeitig zu erledigen
und das dauerhaft.
Das ist Gift für die innere Ruhe.
Es ist eine Tür zur
Verselbständigung der Gedanken.
Solange die Gedanken im Kopf kreisen
und die starken Gefühle das Herz
verwirren, wird nichts verändert.
Solange man seine Suche und sein
‚Unglücklich sein‘ nicht hinterfragt und
die Ursachen dafür bei sich selbst sucht,
solange bleibt man blind und taub für
hilfreiche Anregungen und äußere
Veränderungsimpulse.
Man empfindet sie eher als Angriffe,
die es abzuwehren gilt.
Solange man sich nicht dem
einstürmenden Äußeren in die
abgeschiedene Stille entzieht,
ist Besinnung, also eine innere Inventur
mit Neuordnung und Reinigung,
für eine Heilung nicht möglich.
Erkennt man in der Stille die eigene
Hilflosigkeit und Ohnmacht im Tun
und bei der Loslösung der Gedanken,
also beim Abschalten, dann ist es Zeit
für ein Gebet.
In Mt 6, 6-7 steht:
Wenn du betest, dann geh in dein stilles
Kämmerlein und schließe die Tür hinter
dir zu und bete zu deinem Vater, der im
Verborgenen ist; und dein Vater, der in
das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.
Und wenn du betest, dann sollst du nicht
viel plappern.
Im stillen Kämmerlein,
dem inneren Raum
der Stille und Besinnung,
öffne ich mich für Gott
und begegne ihm.
Getrennt von äußerer
Unruhe und Hektik,
eingeschlossen im Raum der Ruhe,
bin ich ganz da und ich will auch
nicht mehr vor den Problemen
oder vor mir weglaufen.
Im Gebet,
im Jetzt bekenne ich mich vor Gott.
Im Gebet stelle ich mich meinem Übel und
nenne es mit klaren Worten beim Namen.
Ich verantworte es und möchte es aktiv
bewältigen, mit Gottes Hilfe.
Und indem ich es vor Gott formuliere
und ausspreche, kommt Ordnung
in mein Denken und Fühlen
und mein Anliegen relativiert sich.
Indem ich es Gott erkläre,
werde ich unbefangener
und betrachte es wie von außen,
irgendwie aus einer erhöhten Perspektive.
Und, im Gebet betrachte ich
das Geschehene aus dem Blickwinkel
der Liebe.
Auch das klärt und es trennt Wichtiges
von Unwichtigem.
Im Gebet bin ich ganz in der Gegenwart,
konzentriert auf Gott und mein Sein,
ganz bei mir.
Und wenn ich ihm alles gesagt habe,
wenn ich mich völlig ausgesprochen habe,
dann ist an höchster Stelle alles gesagt.
Dann bleibt nichts mehr zu sagen.
Dann kehrt Ruhe ein.
Dann gibt es nichts mehr zu denken,
zu planen und zu bewältigen,
denn dann liegt alles bei Gott.
Was sagt er dazu?
So folgt meinem Sprechen
ein aufmerksames Hören,
ein Hinhören auf das,
was er mir dazu sagt.
Und Gott hat viele Möglichkeiten
sich mitzuteilen.
Er macht das ganz individuell.
Er spricht im ‚Glücklich sein‘
oder im ‚Unglücklich sein‘.
Allein das es so ist, wie es ist,
ist schon eine Antwort.
Er spricht mit mir
in meinen Ängsten und Träumen.
Darin zeigen sich meine
Befürchtungen und Sehnsüchte.
Sie zeigen mir meine wahre Situation.
Nicht ‚wovor ich mich fürchte‘ ist wichtig,
sondern, dass ich Ängste habe.
Fürchte ich mich vielleicht deswegen,
weil ich ein Pessimist bin und keine
Zuversicht habe, kein Vertrauen in Gottes
liebende Führung und Fürsorge?
Er spricht in der Mühe, alles selbst
zu machen und in der Unruhe, die
darauf hinweist, dass in meinen Absichten,
Vorstellungen, Erwartungen, Zielen,
Einstellungen oder Werten
etwas nicht stimmt.
Er spricht auch in meiner Hoffnung
auf Besserung und Besseres.
Jesus sagt: Ich bin der Weg,
die Wahrheit und das Leben.
Bin ich bereit, diesen Weg zu gehen
und Gottes Hinweise und Gebote
zu beachten, sie auszuprobieren
und anzunehmen?
Er spricht mir
mit seinem biblischen Wort
und mit seinem reinen Geist,
liebevoll ins Gewissen.
Auch durch Inspiration,
durch seine Natur,
durch meine Fähigkeiten und Gaben
und durch meine Nächsten.
Indem ich auf Gott höre,
im Kopf und im Herzen,
finde ich zu mir.
Er zeigt mir,
wer ich in seinen Augen bin,
nämlich sein geliebtes Kind,
dem er das Leben in Fülle geschenkt.
Er zeigt mir zwar immer wieder meine
irdischen Grenzen, aber auch
seine und meine geistlichen Möglichkeiten,
die zu erkunden er mir in der Gegenwart
immer wieder neue Gelegenheiten gibt.
Aus achtsamem Hinhören wird so
ein ‚Bewusst werden‘
ein ‚Erhört werden‘,
ein ‚Auf ihn hören‘,
ein Gehorchen und Befolgen,
ein vertrauendes ‚Jesus nachfolgen‘.
Geborgen in der Liebe Gottes,
vertrauend auf seine liebevolle Führung,
kann ich das ruhelose, zermürbende
Denken aufgeben.
Geführt und behütet in barmherziger,
unverdienter Gnade wird unruhiges
und überdrehtes Denken überflüssig
und sinnlos. Ich kann mich ganz der
Gegenwart zuwenden.
Im Hören ist kein Denken,
sondern nur aufnehmen,
denn im vertrauenden Befolgen
wurde schon von ihm vorhergedacht.
Nicht ich muss etwas tun,
sondern Gott tut etwas für mich
und ich nehme es an.
Das ist die heilende Wendung
der Gedanken und des Sinnes.
In der Änderung der Einstellung
geschieht anhaltende Veränderung;
Veränderung im inneren und äußeren,
Veränderung im Denken, Fühlen,
Sprechen und Verhalten und dann auch
in den Umständen.
Die Welt verändert sich,
indem ich mich selbst ändere.
Das Glück muss mich nicht mehr suchen;
es hat mich bereits gefunden.
Das Glück liegt in mir.
Aus der Ruhe und dem gefundenen
inneren Frieden erwächst mir Kraft.
Aus Gebetserhörung, wächst
erfülltes Vertrauen in Gott,
Gewissheit und Zuversicht,
Dankbarkeit und Freude.
Aus blindem Suchen ist
erkennendes Finden geworden.
Es geht nicht darum, was ich haben will,
sondern darum, was aus höherer Sicht
gut für mich ist und was ich in jedem
Augenblick bekomme.
Genießen kann ich die Schönheit und
Erhabenheit nur im momentanen Erleben.
Und wenn ich mir dafür keine Zeit nehme,
dann lebe ich an Gott vorbei.
Denn wie kann ich ihm für seine Gaben
dankbar sein und mich darüber freuen,
wenn ich sie nicht annehme und ihn
darin erkenne?
Und weil das mit dem vielen Denken so
wichtig ist, erzähle ich zum Abschluss
die Geschichte von einem weisen Mann:
Dieser Mann wurde einmal gefragt, warum
er trotz seiner vielen Beschäftigungen
immer so ruhig und gesammelt sein könne.
Er antwortete:
Wenn ich stehe, dann stehe ich,
wenn ich gehe, dann gehe ich,
wenn ich sitze, dann sitze ich,
wenn ich esse, dann esse ich
und wenn ich spreche, dann spreche ich.
Da fielen ihm die Frager ins Wort
und sagten: Das tun wir auch, aber was
machst du noch darüber hinaus?
Er jedoch sagte wiederum:
Wenn ich stehe, dann stehe ich,
wenn ich gehe, dann gehe ich,
wenn ich sitze, dann sitze ich,
wenn ich esse, dann esse ich,
wenn ich spreche, dann spreche ich.
Wieder sagten die Leute:
Das tun wir doch auch.
Er aber sagte zu ihnen:
Nein, wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon,
wenn ihr steht, dann lauft ihr schon,
und wenn ihr lauft, dann seid ihr schon
am Ziel.

