Sich lösen
Hallo Du,
irgendetwas in uns hält sich fest
an Vertrautem, Bekanntem, Sicherem.
Irgendetwas in uns hindert uns daran,
uns Neuem und Unbekannten zuzuwenden,
etwas anderes auszuprobieren,
Risiken auf uns zu nehmen,
mit Neugier zu experimentieren,
Fremdes zu erforschen,
den scheinbar unbequemen
Weg zu wählen,
dorthin zu gehen,
wo wir noch nicht waren,
aus unserer Dunkelheit
ins Licht zu treten,
wo wir erkannt und durchleuchtet
werden könnten,
wo wir ohne Bedenken sein könnten,
wer wir sind und wie wir sind,
mit allen Mängeln, Fehlern, Schwächen,
wo nicht die Schwächen zählen,
sondern nur das Wesen,
wo sich Seelen und Herzen treffen
in liebevollem Verständnis
und in gegenseitiger Achtung.
Was ist es, das uns hindert,
behindert und festhält im Dunkeln?
Es ist unsere Angst.
Auch wenn wir es nicht zugeben wollen,
auch wenn wir glauben
ohne Angst zu sein,
auch wenn wir uns einreden
groß, stark und mutig zu sein:
Wir haben Angst davor,
nicht bestehen zu können,
nicht vor uns selbst und unseren
überhöhten Erwartungen
und nicht vor den anderen
und deren vermuteten Erwartungen.
Es ist unsere Angst,
nicht angenommen
und geliebt zu werden,
zurückgewiesen
und ausgegrenzt zu werden,
falsch erkannt und als
minderwertig gehalten zu werden.
Wir wissen, dass es diese Angst ist,
die uns hemmt, denn wir benutzen
sie als Vorwand und Alibi dafür,
nicht mutig sein zu müssen,
nicht perfekt sein zu können,
bescheiden zu sein,
uns nicht zu engagieren,
uns zurückziehen zu können,
uns angeblich nicht
von der Angst lösen zu können.
Dabei haben wir dafür gar keinen Grund,
wir wurden geboren und leben,
alleine deswegen
sind wir schon gleichwertig.
Darüber hinaus haben wir
Fähigkeiten und Begabungen
in einer Kombination,
wie wohl sonst kein anderer Mensch,
und,
wir haben mit absoluter Sicherheit
Lebenserfahrungen, die kein
anderer Mensch haben kann,
die uns einmalig machen.
Wir haben auch gar keinen Grund dazu,
uns mit anderen zu vergleichen,
denn:
Jeder Mensch ist anders.
Jeder Mensch hat seine Stärken und
Schwächen in unterschiedlichem Maß.
Jeder Mensch ist in seinem Wesen
einmalig und unvergleichlich.
Jeder Mensch verdient besondere
Beachtung, Achtung und Würdigung.
Jeder Mensch hat seine ureigenste
Aufgabe und Rolle im Leben.
Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg
in der Gemeinschaft finden und gehen.
Und:
Jeder Mensch ist nur dann
seinen Wert wert, wenn er sich
mit seinen individuellen Fähigkeiten
in eine Gemeinschaft einbringt
und sie dadurch bereichert.
Das haben uns unsere Eltern nicht mit
auf unseren Lebensweg gegeben.
Das haben uns unsere Lehrerinnen
und Lehrer nicht beigebracht.
Das hat uns weder Lehre,
noch Studium, noch Beruf vermittelt.
Das mussten und müssen wir
mühsam selbst herausfinden.
Im Vertrauen darauf,
dass wir als Mitglieder einer Gemeinschaft
anderen Achtung entgegenbringen,
dass wir so gebraucht werden,
wie wir jeweils sind,
dass wir aus unserem Wesen heraus
uns richtig fühlen, denken und handeln,
dass wir deshalb so oder so
nichts falsch machen können,
dass wir deshalb auch
im hellsten Licht bestehen können.
Im Vertrauen darauf,
können wir uns von allen Bedenken
und aller Sorge, Furcht und Angst lösen,
können wir uns von all dem lösen,
was uns noch Sicherheit und Halt gibt,
können wir uns von all dem loslösen,
was uns hindert mutig vorzutreten
und unseren
zugedachten und zustehenden Platz
im Leben einzunehmen.
Natürlich müssen andere
uns dafür Platz machen, aber wir
wollen sie ja nicht verdrängen
und sie werden es gerne tun,
wenn sie mit uns vertraut sind
und uns vertrauen,
wenn sie unser Potenzial erkennen,
wenn sie sich dadurch auf
ihrem neuen Platz weiterentwickeln,
wenn sie in ihrer Einmaligkeit
und Würde unangetastet bleiben.
