
Seinen Platz im Leben finden
Er kam in seine Welt, aber die Menschen wiesen ihn ab. Die ihn aber aufnahmen und an ihn glaubten, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden. (Joh 1,11-12; HfA)
Jesus antwortete ihm: »Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihre Nester; aber der Menschensohn hat keinen Platz, an dem er sich ausruhen kann.« (Lk 9,58; HfA)
Jesus gab ihm zur Antwort: »Wenn jemand mich liebt, wird er sich nach meinem Wort richten. Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. (Joh 14,23; NGÜ)
Hallo Du,
immer wieder treffe ich Menschen, die aus dem Häuschen sind. Sie wirken orientierungslos und getrieben, haltlos und verloren. Sie suchen nach Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung und sind doch unzufrieden damit. Sie suchen ein Umfeld, in dem sie Anerkennung und Würdigung finden und auch Sicherheit und Geborgenheit. Eigentlich aber suchen sie eine wohlwollende Führung und ihren Platz im Leben und in der Gesellschaft. Das greife ich auf und frage für sie:
Wo ist mein Platz im Leben?
Wo bin ich Zuhause?
Wer und wie bin ich?
Wo kann und darf ich sein, wie ich bin?
Wo bin ich willkommen?
Wann warst du das letzte Mal so richtig glücklich?
Wo und bei wem blühst du auf?
Welche Tätigkeiten machen dir so richtig Freude?
Menschsein bedeutet, seinen Platz zu finden – immer wieder neu.
Seinen Platz findet man an einem Ort, bei einer Person, in einer Gruppe, in einer Aufgabe, im Glauben bei Gott; überall da, wo man glücklich, angenommen, zufrieden und erfolgreich ist.
Dazu eine eigene Erfahrung aus der Schule:
Als junger und neuer Lehrer nahm ich erstmals an einer Gesamtkonferenz teil und suchte vorher einen freien Sitzplatz im Lehrerzimmer. Mehrfach wurde ich darauf hingewiesen, dass dieser oder jener unbesetzte Platz bereits ‚besetzt‘ sei. Schließlich fragte ich, welche Plätze denn noch frei seien, aber das konnte mir auch niemand sagen. Ein Lehrer verwies mich auf einen Platz irgendwo ganz hinten im Raum hin, auf dem ein Kollege sitzen würde, der oft nicht da sei. Es gab für mich keinen eigenen Platz!
Beispiel Familie:
Wenn ein Kind zur Welt kommt, ist es normalerweise erhofft, ersehnt, gewollt und willkommen. Es wird geliebt wie es ist. Es entwickelt sich in die Familie hinein und findet dort seinen Platz. Es lernt, sich in das bestehende soziale Gefüge einzureihen und ein Teil davon zu sein.
- ‚Sich einfügen‘ bedeutet, dazuzugehören.
- Seine ‚Rolle‘, anzunehmen und auszufüllen.
- Seine Aufgabe, für das Leben zu lernen und zu erfüllen.
- ‚Lernen‘ bedeutet, Führung zu akzeptieren, gehorchen, Rat und Hilfe anzunehmen, sich im Miteinander zu bewähren.
Das Kind lernt die Vorzüge und Nachteile der Familiengemeinschaft kennen und findet in ihr erstmals einen eigenen Platz.
Auch ein Arbeitsteam ist ein gutes Beispiel. Darin geht es um erfolgreiche Zusammenarbeit und persönliche Ergänzung von Wissen, Können und Erfahrung aber auch um gegenseitiges Wohlwollen, um Geduld und Aufeinander eingehen und um Kompromiss-bereitschaft zum Nutzen der Aufgabe und des Ergebnisses. Nur gemeinsam erreicht das Team dieses Ziel.
In ein Arbeitsteam gehören der geniale Denker genauso, wie der Bedenkenträger, der strukturierte Planer genauso, wie der genaue Protokollant, der einfühlsame und warmherzige Mitmensch genauso, wie der fachliche Laie, der für die Akzeptanz der Arbeitsergebnisse bei den späteren Nutzern sorgt. Nur gemeinsam erreicht das Team ein für alle gutes Ergebnis.
Wie die Familie, ist auch jede andere soziale Gemeinschaft strukturiert. Struktur sorgt für Klarheit und gibt auch Sicherheit und Halt. Struktur und der Grad des Zusammenhalts ergeben sich einerseits, aus den Zielen und Aufgaben und andererseits, aus der gegenseitigen, wohlwollenden Wertschätzung, Würdigung und Anerkennung sowie Möglichkeiten für jeden, sich persönlich mit eigenen Gedanken, Ideen und Fähigkeiten einzubringen und dadurch die Gemeinschaft mitzugestalten.
Dabei gibt es immer wieder Menschen, die sich gut artikulieren können und andere, denen das schwerfällt. Jeder Viel-Redner braucht einen Bremser und jeder Wenig-Redner braucht einen aufmerksamen Unterstützer. Je kleiner eine Gruppe ist, desto leichter ist es, sich zu zeigen.
Je offener, entgegenkommender und freundlicher ein ‚Neuer‘ ist und die alten Mitglieder in der Gruppe sind, desto leichter und schneller wird man akzeptiert und integriert und findet in ihr seinen Platz und seine Aufgabe; vielleicht auch Anerkennung und seine Lebensbestimmung.
Dagegenstehen kleinkarierte urmenschliche Bedürfnisse wie: Eigene Geltung, Selbstbezug, Gewohnheit, Neid oder Eifersucht. Jeder möchte ‚seinen‘ Platz behalten, weil er denkt, es sei sein angestammter Platz.
Sein Platz, bedeutet für ihn z.B. Dazugehörigkeit und Sicherheit, vielleicht auch Achtung und Rangigkeit. Alle entscheiden mit über die eigene Würdigung und das individuelle Wohlfühlen.
Manche glauben ‚ihren‘ Platz verteidigen zu müssen, um ihn nicht an andere zu verlieren. Aber das ist falsch und kurzsichtig. Konkurrenzdenken ist falsch, ist Misstrauen und Ablehnung.
Ursache dafür kann sein, dass sie als Kinder die Funktionsweise und die Vorzüge in der eigenen Familie nicht kennengelernt haben. Deswegen wissen sie wahrscheinlich nicht, dass es da vorrangig ums Geben geht und nicht nur ums Nehmen und Bekommen. Es geht vor allem darum, sich selbst für andere einzubringen, füreinander da zu sein, Anregungen aufzunehmen und bei Hilfsbedürftigkeit, Hilfe anzunehmen.
Viele dieser Kinder suchen dann auch später nur den eigenen Vorteil. Sie verlangen und erwarten. Die Gemeinschaft ist ihnen egal.
Funktionierende Familien, in denen man viel gemeinsame Zeit hat, in denen man das lernt und einübt, gibt es leider immer weniger. Alleinerziehende haben es schwer, beide Elternrollen auszufüllen. Einzelkindern entgeht das Rangeln und ‚Sich wieder vertragen‘ mit Geschwistern. Vielen Eltern fehlen Muße, Gelegenheit und Zeit durch Berufstätigkeit, Mehrfachbelastung, Zeitstress, Überforderung, Unzufriedenheit, Unausgeglichenheit und innere Unruhe.
Die überlagern die Grundbedürfnisse nach Liebe, Geduld, Fürsorge und entlastender Geborgenheit. Immer häufiger wird die Familie zum Kampffeld um persönliche Vorteile. In den Kampfpausen lebt man nebeneinander her.
Muss das so sein und bleiben?
Diese Einstellung und dieses Verhalten beruhen auf einem falschen Denken und Fühlen in einem schiefen, leistungsorientierten Gesellschaftssystem.
Alle Menschen sind unterschiedlich und haben ganz eigene Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen und deswegen wird jeder wegen seiner Unterschiedlichkeit gebraucht. Deswegen ist jeder Konkurrenzgedanke falsch. Menschen ergänzen sich! Der Konkurrenzgedanke falsch. Durch Offenheit, Akzeptanz, Achtsamkeit, Wohlwollen, Rücksichtnahme, sowie Können, Wissen, Fähigkeiten und Anerkennung fügt sich die Struktur von alleine. Leichter aber durch Lenkung und Leitung. In jedem Fall benötigen Menschen genügend Zeit, um sich gegenseitig kennen- und schätzen zu lernen.
Die Kunst des ‚Chefs‘ liegt in der Personenauswahl für eine Aufgabe und darin, jeden Einzelnen in seine spezielle Aufgabe hineinwachsen zu lassen.
Wer ‚Neuen‘ keinen eigenen Platz zugesteht, der nimmt der Gemeinschaft und auch sich selbst die Chance zur Weiterentwicklung und zur Reifung.
Eine verkrustende Gemeinschaft ist eine sterbende Gemeinschaft. Weiterentwicklung bedeutet, ständige Erneuerung, Auffrischung und Anpassung an die jeweiligen Erfordernisse und Reifung darin ist individuelle Vervollkommnung.
Weil Menschen diese Erkenntnis nicht haben oder weil sie ihnen schwerfällt, benötigen sie Zeit, um sich gegenseitig kennen- und schätzen zu lernen. Sie brauchen auch eine starke Führung, die sie zusammenbringt und zusammenhält. Sie brauchen jemanden mit Überblick und Weitsicht. Jemanden, der anerkannt, offen und unvoreingenommen ist. Einem solchen Chef schenkt man gerne Vertrauen. Von dem lässt man sich führen und etwas sagen.
Eine Pflanze gedeiht nur da, wo sie regelmäßig und angemessen gegossen und gedüngt wird und wo sie genügend Raum, Luft und Licht hat. So geht es auch den Menschen.
Genau das ist das große Anliegen der Bibel.
Gott möchte mit uns in Gemeinschaft leben, in einem gegenseitigen Bund.
Jesus sagt in Joh 17,21: Sie alle sollen eins sein, genauso wie du, Vater, mit mir eins bist. So wie du in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns fest miteinander verbunden sein.
‚Liebt einander. Sorgt füreinander. Helft einander. ‚Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Vergebe und verzeihe, damit auch dir vergeben und verziehen wird. Denn: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.‘
Wir sollen eine Vertrauensgemeinschaft werden, eine Großfamilie in der Verbindung mit Gott.
‚Liebt einander. Sorgt füreinander. Helft einander. ‚Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Vergebe und verzeihe, damit auch dir vergeben und verziehen wird. Denn: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.‘
Dazu brauchen wir Gott, der uns trotz unserer Widerspenstigkeit, umsichtig, liebevoll, geduldig und verständnisvoll zu Einsicht und gegenseitiger Rücksicht führt.
Jesus gibt uns dafür Beispiel. Er, verbindet uns im Fühlen, Denken, Erkennen und Verstehen liebevoll miteinander und mit sich.
Mit ihm hören das ‚Getrieben sein‘, die innere Unruhe, das Gefühl von Heimatlosigkeit und Leere auf. Auch die Gefühle der Verlorenheit, ‚Auf dem falschen Weg zu sein‘ und ‚Ständig etwas zu verpassen‘ vergehen.
Denn mit ihm und in ihm finden wir eine tiefgehende Verbundenheit, Vertrautheit und Geborgenheit, einen festen Halt, eine beschützende Sicherheit, die eigene Identität, dazu noch Beziehung, Zugehörigkeit, Sinnlichkeit, Ruhe und Buntheit im Leben, all das, was wir vorher vergeblich gesucht haben. In der Verbindung mit Gott wird unsere Ganzheit wiederhergestellt.
Durch ihn erkennen wir uns selbst, unsere Stärken und Schwächen, unsere Begabungen, Einstellungen und Vorstellungen, unsere Hemmnisse, Erfolge und Niederlagen. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung!
Durch ihn erkennen wir unser bisheriges Verhältnis mit Gott und damit auch das zu uns selbst.
Und durch ihn erkennen wir auch unser Verhältnis untereinander.
Gott/Jesus wird unser neuer Mittelpunkt. Wir genießen seine Führung und Fügungen und sind dankbar dafür. Wir lieben ihn und sind bereit, gerne auf ihn zu hören, mit ihm verbunden zu bleiben und von ihm zu lernen.
Wir führen nun ein neues Leben, das uns gefällt und erfüllt. Im Glauben haben wir den für uns vorgesehenen Platz an seiner Seite und in seiner Familie gefunden und eingenommen. Das wird für uns ganz real.
Jesus sagt: Es soll euch zuerst um Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit gehen, dann wird euch das Übrige alles dazugegeben. (Mt 6,33)
Im Lernen, Kennenlernen und Verstehen werden wir verändert und wachsen so in den Geist und in das Wesen Gottes hinein. Es wird uns zu eigen. Gott wird unser Mittelpunkt. Wir genießen seine Führung und Fügungen und sind dankbar dafür. Wir lieben ihn und sind bereit, weiterhin auf ihn zu hören, mit ihm verbunden zu bleiben und weiterhin von ihm zu lernen.
Die unablässige Suche nach dem eigenen Platz im Leben hat dazu geführt, unseren Platz im Reich Gottes zu finden und dort auch seine Vergebung.
Das ganze Übrige, wie beispielweise: Liebe, Erfüllung, Zufriedenheit, Freude, Friede, Lebenssinn, Ausdauer, Freundlichkeit, Güte, Vertrauen, Bescheidenheit, Rücksichtnahme, Selbstbeherrschung, Wohlbefinden, Mut, Kraft, Lebensunterhalt, Sicherheit, Weisheit und noch vieles andere, werden uns für die Gemeinschaft dazugegeben. Und die bestätigen uns darin, unseren Platz bei Gott und im Leben gefunden zu haben.
Jesus gibt allen die Antwort:
‚Wenn du mich liebst, wirst du dich nach meinem Wort richten. Mein Vater wird dich lieben, und wir werden zu dir kommen und bei dir wohnen.‘
Wo hatte Jesus seinen Platz?
Auf der Erde.
In der Verbindung mit Gott.
In seiner Aufgabe und Bestimmung.
Bei seinen Jüngern.
Bei den Sündern.
Bei allen, die ihn suchen und bitten.
‚Seinen Platz finden‘, bedeutet dreierlei:
– Selbst, den richtigen Platz im Leben zu finden.
– Gottes Platz für mich, im eigenen Leben zu finden.
– Gott, Jesus, in mir zu finden und Ihm, Raum zu geben.
Jesus und Gott haben ihren Platz in uns gefunden und wir unseren bei ihnen. Und wer seinen Platz bei ihnen gefunden hat, der hat ihn auch im Leben gefunden, denn dann hat ihre Liebe sie durchdrungen.
Diese Liebe, ist wie Regen, der unseren Acker fruchtbar macht und wie Wärme und Sonne im Herzen, die unsere Liebe und Freude zu Gott ausdrücken.
