Schmollen
Hallo Du,
Kinder tun es gerne, Jugendliche,
Erwachsene und sogar Alte auch.
Im Schmollen wird die Enttäuschung
darüber zum Ausdruck gebracht,
dass man etwas nicht bekommen hat,
was man unbedingt wollte.
Durch gekränktes, unwilliges Schweigen,
durch Beleidigt sein,
durch das Zurückziehen
in einen Schmollwinkel,
durch das Spielen
der gekränkten Leberwurst,
wird der eigene Unmut
deutlich gemacht.
Sie wollen ganz bewusst
unglücklich sein
oder es zumindest vorspielen.
Die Schollenden bauen darauf,
dass ihr Verhalten bei denen,
die sie für die Ablehnung
ihrer Wünsche verantwortlich machen,
Schuldgefühle geweckt werden
und sie sich ihren Willen
ertrotzen können.
Doch nicht alles, was man will,
ist gut und richtig.
Das wissen auch die Schmollenden.
Oft haben sie die Ablehnung
innerlich bereits akzeptiert
oder sogar eingesehen,
doch geht es ihnen auch
um das Ausloten von
Möglichkeiten und Grenzen.
Sie wollen ‚ihren Wert‘ erkunden
und das ‚Maß an Konsequenz‘
im Anderen.
Mit einem inneren Schmunzeln
spielen sie das Spiel des Grollens
und aus Schmunzeln und Grollen
wird dann das Schmollen.
Sie wollen vom anderen mit
der Zustimmung einen Beweis haben,
dass ihm etwas an ihnen liegt.
Sie wollen eine Sonderrolle
einnehmen und für sich
eine Spezialbehandlung.
Im Grunde genommen geht es ihnen
aber nicht um eine bestimmte Sache
oder um das Durchsetzen
des eigenen Willens,
sondern um ungeteilte Zuwendung
und herzliches Mitgefühl,
um Anteilnahme, Verstanden werden
und Angenommen sein.
Liebe, Zuwendung und Zustimmung
kann und darf man sich aber
nicht erzwingen,
schon gar nicht durch gespieltes
und amüsiertes Verhalten,
dass andere erpresst
und zum Buhmann macht.
Daher kann es darauf
nur eine Antwort geben:
Einerseits sollen sie wissen,
dass dem Entscheider viel an ihnen liegt,
andererseits aber auch,
dass es für sie im Rahmen
der Gemeinschaft keine Ausnahme
und Extrawurt gibt, die das Gelingen
der Gemeinschaft stören würde.
Sie haben sich mit ihrem Verhalten
selbst ins Abseits begeben
und nun müssen sie sich entscheiden,
ob sie wieder in die Gemeinschaft
zurückkehren wollen.
Dazu muss man
sie sich selbst überlassen,
sie in der Ecke in ihrem Dickkopf
schmoren lassen.
Mit Sicherheit gefällt ihnen
das auf Dauer nicht,
denn dann bekommen sie ja
gar keine Aufmerksamkeit.
Also werden sie aus ihrer Ecke
herauskommen und sich wieder
in die Gemeinschaft eingliedern.
Dabei haben sie gelernt,
dass man sich nichts erzwingen kann,
dass es Spielregeln gibt, die allen Nützen
und dass man Entscheidungen anderer,
besonders wenn sie langfristig weise
und wohl wollend sind,
auch vertrauensvoll akzeptieren
kann und muss.
Dennoch:
Schmollen ist
(wie jedes aggressive Verhalten)
ein wichtiges Signal, das andere
(z.B. die Eltern)
darauf hinweisen könnte,
dass in der Familie oder Gruppe
mit unterschiedlichem Maß
gemessen wird
und dass mit der liebevollen Zuwendung
doch vielleicht nicht alles im Lot ist.
Da wir also durch Gottes Geist ein
neues Leben haben, wollen wir uns
jetzt auch auf Schritt und Tritt von
diesem Geist bestimmen lassen.
(Gal 5,25; NGÜ)

