Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: »Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als irgendein anderer hier?« Petrus gab ihm zur Antwort: »Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.« Darauf sagte Jesus zu ihm: »Sorge für meine Lämmer!«
Jesus fragte ihn ein zweites Mal: »Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?« Petrus antwortete: »Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.« Da sagte Jesus zu ihm: »Hüte meine Schafe!«
Jesus fragte ihn ein drittes Mal: »Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?« Petrus wurde traurig, weil Jesus ihn nun schon zum dritten Mal fragte: »Hast du mich lieb?« – »Herr, du weißt alles«, erwiderte er. »Du weißt, dass ich dich lieb habe.« Darauf sagte Jesus zu ihm: »Sorge für meine Schafe! (Joh 21,15-17; NGÜ)
Hallo Du,
der Text aus Johannes 21 gehört für mich zu den zärtlichsten, verständnisvollsten und zugleich tiefsten Begegnungen zwischen Jesus und einem Menschen. Viele kluge Auslegungen gibt es dazu – und sie sind alle nachvollziehbar. Doch ich sehe ihn zunächst mit dem Herzen. Es geht um die Beziehung zwischen Jesus und Petrus, seinem Jünger – und ebenso um die Beziehung zwischen Jesus und mir oder dir.
Es geht nicht um unsere Leistung, Moral, Wissen oder Glaubenstiefe, sondern allein um Liebe und Bindung. Von dieser Verbindung hängt alles weitere ab: Identität, Berufung, Heilung, Auftrag und Zukunft.
Johannes stellt diese Szene bewusst ans Ende seines Evangeliums. Darin fasst er zusammen, worum es im Glauben wirklich geht:
Nämlich der Frage Jesu: „Liebst du mich?“ (Joh 21,16)
Und unserer Antwort: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.“ (Joh 21,17)
Es geht um Liebe und Bindung – schlicht und umfassend.
Die Kernfrage des Glaubens
Für mich ist die Frage Jesu: „Liebst du mich?“ die Kernfrage des Glaubens. Wenn wir diese Frage immer wieder von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit ganzem Verstand und mit all unserer Kraft mit „Ja!“ beantworten können, dann hat die Liebe Jesu in uns gefruchtet.
Dann hat der Geist Gottes Frucht hervorgebracht:
„Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt, besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung.“ (Gal 5,22–23; NGÜ)
Und dann gilt:
„Da wir also durch Gottes Geist ein neues Leben haben, wollen wir uns jetzt auch auf Schritt und Tritt von diesem Geist bestimmen lassen.“ (Gal 5,25; NGÜ)
Aus dieser Liebe heraus werden wir befähigt, seine Aufgabe zu erfüllen: „Liebt, wie ich euch geliebt habe.“ Daraus erwächst die Kraft, die Schafe zu weiden, die er uns anvertraut – ihnen die Liebe Jesu weiterzugeben.
Jesus fragt nicht: „Glaubst du richtig?“ – „Verstehst du alles?“ – „Bist du würdig?“
Er fragt: „Liebst du mich?“ Damit zeigt er: Glaube ist Bindung an eine Person, nicht Zustimmung zu einem System oder einer Institution.
Gottes Liebe als Ursprung unserer Liebe
„Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“ (1Joh 4,19; NGÜ)
„Gott ist Liebe, und wer sich von der Liebe bestimmen lässt, lebt in Gott, und Gott lebt in ihm.“ (1Joh 4,16c; NGÜ)
Jesus prüft nicht, ob wir genug Liebe haben, sondern ob wir uns von seiner Liebe bestimmen lassen.
Er macht Petrus keine Vorwürfe, obwohl dieser ihn dreimal verleugnet hat. Seine Liebe ist größer und verbindender. Im „Hüte meine Schafe!“ liegen Vergebung, Vertrauen, Zutrauen, Berufung, ewige Verbindung – und auch Heilung.
Die Liebe, die trägt
Paulus beschreibt diese Liebe so:
„Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist nicht eingebildet. Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen Vorteil, sie verliert nicht die Beherrschung, sie trägt keinem etwas nach. Sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit. Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie, allem hält sie stand.“ (1Kor 13,4–7; NGÜ)
Von dieser Liebe und unserem „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe“, hängt vieles ab:
Unser Selbstverständnis: Ich bin der, der geliebt wird – und der liebt.
Unser Auftrag: Allein Liebe ist die Voraussetzung dafür – nicht eigene Kompetenz oder Stärke.
Unsere Entlastung: Wer liebt, muss sich nicht beweisen. Vertrauen ersetzt Zweifel.
Unsere Zukunft: Nicht das, was war, bestimmt uns, sondern das, was wird.
Von der einfachen Frage Jesu hängt die Dynamik unseres Glaubenslebens ab: Vertrauen, Nachfolge, Gehorsam, Hingabe, Hoffnung, Standhaftigkeit, Freude und Dankbarkeit.
Und diese Frage prüft auch unsere tiefsten Einstellungen: Woran hängt unser Herz? Wem vertrauen wir wirklich? Was trägt uns, wenn alles zusammenbricht? Wer oder was bestimmt unser Leben?
Für mich gibt es darauf – nach langer Lebenserfahrung – nur eine Antwort: Die Liebe Jesu Christi.
Mein persönliches „Ja“
Die Frage Jesu und die Antwort von Petrus sind für mich tiefgreifend und persönlich. Mein „Jesus, ich hab dich lieb!“ ist ein tiefes, ehrliches und dankbares Bekenntnis.
Es gründet auf zwei Pfeilern: Zum einen, dass ich erkenne, wie mein Verhalten und Tun immer mehr von der Liebe bestimmt wird. Und zum anderen, dass ich Jesus liebe, ihm vertraue, ihm gehorche, seine Liebe erwidere und weitergebe. Ich weide seine Schafe auf meine Weise – von ganzem Herzen und ganzer Hingabe.
