„Ich kann nicht beten!“ (Röm 8,26)
Hallo Du,
immer mal wieder höre ich die Aussage: „Ich kann nicht beten!“ und ich frage mich, was die Gründe dafür sein mögen. Sind die Ursachen dafür Gefühle von Unsicherheit, Unwissenheit oder Unwürdigkeit oder sind es blockierende Zweifel, Enttäuschungen oder Überzeugungen.
Folgende Gründe kann ich mir bspw. vorstellen:
Der Gedanke, dass Gebete eine besondere Form haben müssen, um gehört und erhört zu werden. Das kann dazu führen, dass man sich selbst hemmt und erst gar nicht anfängt zu beten.
Es könnte auch sein, dass jemanden ohne Gebet aufgewachsen oder noch neu im Glauben ist und deswegen nicht weiß, wer dieser Gott ist und wie man mit ihm spricht.
Einige Menschen fühlen sich unwürdig oder nicht gut genug, um vor den allmächtigen und allwissenden Gott zu treten. Sie denken vielleicht, dass Sünden oder Fehler sie von Gott trennen.
Oder, jemand ist über seinen Glauben oder in seiner Beziehung zu Gott unsicher. Ihm/ihr fehlen die klare Entscheidung für und das Vertrauen in Gott und damit auch die Grundlage für das Gebet.
In Zeiten großer Trauer oder emotionaler Belastung kann es Menschen schwerfallen, ihre Gefühle und Gedanken zu fassen und dafür Worte im Gebet zu finden.
Oder wenn man sich von der Gemeinschaft oder von Gott isoliert fühlt, kann Beten als sinnlos erscheinen.
Manchmal hadern Menschen intellektuell mit Gott, fühlen sich nicht recht gewürdigt oder sind enttäuscht von ihm. Sie haben das Gefühl in der Vergangenheit nicht erhört worden zu sein, sind zu sehr in Rage und/oder sie zweifeln an Gottes Liebe.
Es könnte auch sein, dass Aufgaben, Hektik, Zeitmangel, Sorgen und andere Prioritäten im Vordergrund stehen und ihr Handeln beherrschen. Dann rückt das Gebet zwangsläufig in den Hintergrund.
Manchmal haben Menschen auch Angst, dass ihr Gebet tatsächlich etwas in ihrem Leben verändert und sie dafür noch nicht bereit sind.
Hier kommt eine gute Botschaft für alle die glauben, nicht beten zu können:
Weder Redegewandtheit noch Formulierungskunst, weder Bedenken oder Zweifel beeinflussen Gott, sondern einfach nur umfassende Ehrlichkeit und echte Aufrichtigkeit sowie ein kindlich naives und grenzenloses Vertrauen in seine fürsorgende Liebe. Unser Herz und die Seele sind ihm wichtiger als der Kopf und Verstand, als unser Können oder Versagen.
Wer nicht glaubt, dass es Gott gibt und deswegen nicht betet, den kann er auch nicht vom Gegenteil durch Gebetserhörung überzeugen.
Wer im Gebet nicht um Hilfe bittet, der hat keine Hoffnung auf Beistand.
Wer glaubt ‚richtige‘ beten zu müssen, um erhört zu werden, der weiß nicht, was Gottes Liebe vermag.
Gott versteht unsere inneren Kämpfe und begegnet uns gerade in unseren Schwächen. Er hört uns zu, egal wie wir uns ausdrücken und er antwortet oft anders als gedacht, jedoch immer wohlwollend und weitsichtig.
Von mir kann ich sagen, dass ich von größter Not und Verzweiflung gebetet wurde. Es war der unbeholfene, ehrliche und aufrichtige Aufschrei eines Ertrinkenden.
„Gott, wenn es dich wirklich gibt, dann helfe mir. Ich kann nicht mehr!“
Dieses unbeholfene Eingeständnis, diese letztlich vertrauende Bitte haben mein Leben verändert. Aller weiteren Gebete habe sich daraus wie von selbst ergeben.
„Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die zerschlagenen Geistes sind.“ (Ps 34,18;L)
„Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“ (Ps 50,15; L)
„Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.“ (Röm 8,26)
„Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Kor 12,9;L)
