Abheben in die Ewigkeit

 

Die Handgriffe meines Rollators fest umklammert und den Sicherheitsgurt des Glaubens festgezurrt, schiebe ich mich auf die Startbahn in die Ewigkeit.

 

Noch hält mich das Übergewicht der Vergangenheit am Boden, doch mit jedem weiteren entschlossenen Glaubensschritt wird es mir leichter ums Herz.

 

Nun richte ich meinen Blick auf den Horizont, antizipiere den Startsprint, untermale ihn lautem Motorbrummen, löse die Bremsen, aktiviere die Zuversicht, schicke noch ein Stoßgebet gen Wolkenhimmel und beschleunige meine Schritte zum Abheben in die Ewigkeit.

 

Schon nach wenigen Schritten geht mir die Puste aus. Die Beine können nicht mehr. Doch darauf bin ich vorbereitet. Ich schalte um von körperlichem Rennen auf gedankliches Sprinten, beschleunige jetzt mit der Kraft des Heiligen Geistes starte den Nachbrenner im Vertrauen auf Gottes Zusagen.

 

Es funktioniert! Der Geist hebt ab vom Boden des bisherigen Daseins und gewinnt an Höhe. Im Blick zurück, werden die Gebrechen und Sorgen immer kleiner und verschwinden allmählich.

 

Fliegen ist schön. Befreit zu sein von Bindungen und Lasten, ist noch schöner.

 

Losgelöst zwischen Vergangenheit und Zukunft, fliege ich hinauf über die Wolken, der Sonne, dem Licht, Gott entgegen.

 

Entkörpert und beseelt, entlastet und befreit, voller Freude und Frieden schwebe ich dem Ursprung entgegen, hinein in den weiten Himmel, hinein in Gottes unendliche Gegenwart.

 

Innerlich nehme ich wahr: Meine bisherigen Gedanken gehen auf in seinen Gedanken. Mein Geist verschmilzt mit seinem Geist. Ich werde zu Energie, zum Lebensfunken im ewigen Werden und Vergehen.

 

Diese Reise ist grandios. Ich muss nichts mehr tun oder wollen. Ich werde gereist, gezogen, hinbewegt. Ich werde zeitlos verändert – immer mehr.

 

Angekommen in der unendlichen Liebe und Geborgenheit Gottes, dort wo alles seinen Anfang und sein Ende findet, dort wo die kosmische Ordnung zu Hause ist, dort im Zentrum alles Seins, bin ich nun zu Hause.

 

Was war, das war. Was kommt, das kommt. was wird, das wird. Ich war. Ich bin. Ich werde sein und bleiben – ein Teil von allem.

 

Amen.

 

 

P.S.:

Zurück auf dem Boden der Tatsachen, liege ich euphorisch und bequem in meinem warmen und kuscheligen Bett und hänge dem gerade Erlebten nach.

 

Schade, dass ich noch im Diesseits bin. Aber das hat auch sein Gutes!

 

Für den nächsten Höhenflug in die Ewigkeit lege ich mir den Personalausweis bereit. Dazu sicherheitshalber auch den Internationalen Führerschein, den Segelschein und den abgelaufenen Reisepass. Leider gibt es keinen Kirchenmitgliedsausweis. Aber vielleicht genügt ja auch mein Heiligenschein oder ersatzweise eine Kirchensteuerbescheinigung beim Grenzübertritt ins himmlische Reich der Gläubigen.

 

(Nicht, dass ich als illegaler Immigrant in die Gegenwart Gottes abgewiesen werde).

 

 

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