Herr, was willst du, dass ich tun soll?
Hallo Du,
im Zeitalter der Selbstbestimmung und des Selbstbezugs, des Ego,
setzen sich viele Menschen eine Königskrone auf. Sie zeigen damit
ihre Welteinstellung: „Ich bin der Größte.“
„Ich bin die Größte.“ „Hauptsache ICH!“ „Ich zuerst!“
Es lebe Amerika. „Amerika first!“
Das bedeutet: Hauptsache mir geht es gut. Ich sorge dafür, dass es
mir besser geht als den anderen. Die anderen sind mir egal.
Ich bin clever genug, das zu erreichen. Entweder aus eigener Kraft
oder besser noch, indem ich andere für mich arbeiten lasse, mich
bedienen lasse, mir dienen lasse. So kröne ich mein Leben mit
Bequemlichkeit, Wohlstand und Sorglosigkeit.
Dieser so ganz und gar weltlichen Einstellung widerspricht Jesus,
indem er sagt:
Wer mir nachfolgen will, darf nicht mehr sich selbst in den Mittelpunkt
stellen (er muss er sich selbst verleugnen), sondern er muss sein
Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen. Wer sich an sein Leben
(sein altes ICH) klammert, der wird es verlieren.
Wer aber sein Leben (sich, seine Persönlichkeit) für mich einsetzt,
der wird es (ein Leben in der Gnade Gottes, ein neues Leben
und eine gereifte Persönlichkeit) für immer gewinnen.
Denn was gewinnt ein Mensch, wenn ihm die ganze Welt zufällt,
selbst aber dabei Schaden nimmt? (Mt 16,24-26; HfA)
Jesus sagt: Eine solche Einstellung bringt Schaden. Sie verhindert,
Gott zu hören und zu sehen. Sie verhindert, dass Gott etwas für
diese Menschen tun kann. Nicht die Selbstkrönung, sondern die
Gnade Gottes krönt das Leben, krönt die Persönlichkeit und
vervollkommnet sie.
Hochmut und Überheblichkeit und Gott sein wollen, sorgen für
Kampf, Unfriede und Ablehnung.
Demut aber, Hingabe und Ergebenheit, die Akzeptanz eines l
enkenden Übergeordneten, ermöglicht Gelassenheit, inneren
Frieden und Beziehungsfähigkeit.
Wer sich an sein ICH klammert, wird es verlieren. Wer aber sich,
sein Ich, für Jesus einsetzt, sich Gott und anderen zuwendet, der
wird erbaut, den bezieht Gott in seine Pläne ein und lässt sie gelingen.
Der überhebt sich nicht, sondern wird erhoben. Der erhält immer
wieder neue Kraft, Weisheit und Weitsicht, eine begeisterte
Persönlichkeit, ein Leben in Fülle, in großer Vielfalt und Erkenntnis.
Wer sich, sein ICH-Streben und sein selbstbezogenes Wollen,
aufgibt, der verleugnet sich selbst und übergibt sich der Güte und
Liebe und Gnade und Führung Gottes und, der nimmt sein Kreuz,
seine Gegebenheiten auf sich, folgt Jesus nach und macht mit
ihm das Beste aus sich. Er erfüllt seine Bestimmung.
Wer sich, sein ICH, seine eigene Person und Persönlichkeit, seine
Weisheit und Klugheit, aus eigener Kraft und in eigenem Ermessen
durchsetzen will, ist in Gefahr, seine Persönlichkeit zu verlieren und
auch seine Würde und Menschlichkeit und die Achtung anderer.
Er wird sich umso mehr anstrengen, seine Ziele zu erreichen.
Er wird noch selbstbewusster auftreten, um andere zu blenden und
zu verunsichern.
Weist nicht gerade das auf eine ausgehungerte und verkümmerte
Seele hin, die Schaden genommen hat?
Wodurch erhalten wir Kraft und Mut? Durch geistliche Inspiration.
Wodurch Sicherheit? Durch die zugesicherte Liebe Gottes.
Wodurch Anerkennung? Durch Gottes Treue. Wodurch Freiheit?
Durch Gehorsam. Wodurch Frieden? Durch Zufriedenheit.
Wodurch Weitsicht? Durch Nachsicht.
Das macht uns würdig, gibt uns Würde und verschafft uns
Bewunderung.
Da sprach Saulus mit Zittern und Schrecken:
Herr, was willst du, dass ich tun soll? Und der Herr antwortete ihm:
Steh auf und geh in die Stadt hinein, so wird man dir sagen, was
du tun sollst! (Apg 9,6; Schlachter)
Gott sagt, was zu tun ist, um aus Blindheit oder Verbohrtheit zu
genesen, um ein anderer, gottgefälliger Mensch zu werden.
Das sagt er mit seinem Wort, durch Jesu Beispiel, in Visionen
und Träumen, durch Engel, Menschen, Ereignisse oder Wunder.
Und der Blinde rief: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
Die aber vorne an gingen, fuhren ihn an, er sollte schweigen.
Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
Jesus aber blieb stehen und befahl, ihn zu sich zu führen. Als er
aber näher kam, fragte er ihn: Was willst du, dass ich für dich tun soll?
Er sprach: Herr, dass ich sehen kann. (Lk 18, 38-41)
Und das sagt Jesus immer wieder zu jedem von uns.
Was willst du, dass ich für dich tun soll?
Was würden wir antworten? Was liegt uns am Herzen?
Was bedrückt uns? Worauf hoffen wir?
Im Beten und Bitten werden wir erhört.
