Für eine Aufgabe berufen? – Nehemia
Hallo Du,
gerne wüssten wir,
ob und für welche Aufgabe wir von Gott berufen sind.
Oft ist es so, dass wir es nicht – oder nicht genau – wissen,
vielmehr, dass unsere eigenen Interessen unsere Vorhaben prägen.
Von Nehemia können wir da viel lernen.
Weit entfernt in der Vertreibung erhält er die Information,
dass die Heilige Stadt Jerusalem immer noch ungeschützt ist,
weil der Aufbau der Stadtmauer von der Besatzungsmacht verboten
worden war.
Diese Nachricht hat ihn sehr beschäftigt.
Er ist um die Sicherheit Jerusalems besorgt.
Diese Nachricht hat ihn betroffen gemacht und mitten ins Herz getroffen.
Er empörte sich: ‚Da muss man doch etwas dagegen tun.‘
Und dieses ‚man‘ bezog er auf sich.
Indem er eine dringende Not erkannte, konnte Gott ihm die Vision
und den Wunsch geben, für ihn zu ‚bauen‘, sowie für und mit ihm
das Problem zu beseitigen. Hätte er sich nicht angesprochen gefühlt,
wäre es auch nicht seine Sache gewesen.
Wenn wir sagen: ‚Da muss man doch etwas dagegen tun‘,
dann meinen wir meistens, dass andere etwas tun sollten.
Damit ist der Fall dann für uns erledigt und wir können weiterhin
bequem die Hände falten.
Nicht so Nehemia.
Er sieht das Problem, ist betroffen und schreitet zur Tat.
Er ist ein Mann der Tat.
Er beginnt aber nicht mit wildem Aktionismus, also mit spontanem,
ungeplantem Tun, sondern er schreitet zur Tat, er geht Schritte,
um etwas tun und bewirken zu können.
1. Schritt: Nehemia betet.
Er hat ein Problem erkannt, aber er kennt auch seine Ohnmacht.
Er möchte helfen, weiß aber nicht wie und, er ist sich nicht ganz sicher.
Er ist im Zwiespalt, in einer Zwickmühle, aber deswegen nicht verzweifelt.
Da er eine innige Beziehung zu Gott hat, und da er Gott liebt und seinen
Geboten gehorcht, wendet er sich zuerst betend an Gott.
Er schüttet ihm sein Herz aus und sucht nach Möglichkeiten, mit seinen
Mitteln zu helfen. Sein Gebet kommt aus tiefstem Herzen und es soll ihm
helfen, Klarheit zu bekommen. Klarheit über das anstehende Problem;
Klarheit über Gottes Macht ihmbeizustehen und Klarheit über die Aufgabe,
die er dabei übernehmen kann. Er betet und fastet mehrere Tage, bis er
diese Klarheit hat.
Am Ende seines Gebetes weiß er, was er zu tun hat.
Als erstes sagt er Gott, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, ihm zu helfen.
Dann bittet er um Erfolg für seinen Dienst und um Kraft, die anstehenden
Probleme zu bewältigen.
Er betet nicht um persönliche Vorteile, um eine besondere Stellung oder ein
höheres Ansehen, sondern um Gelingen von Gottes Werk, für das Werk, das
er mit Gott zu tun bereit ist.
Beten rückt schwierige Entscheidungen in die richtige Perspektive,
sodass geeignete Handlungsschritte folgen können.
Deshalb sollte auch unser erster Schritt bei jeder Aufgabe das Gebet sein.
Nur unter Gottes Leitung können wir Probleme lösen und Aufgaben erledigen.
Nur im ‚mit Gott reden‘ und im ‚mit Gott gehen‘ können wir uns für ihn
nützlich machen.
Im ‚mit Gott reden‘ bitten wir ihn,
– in unsere Gedanken zu kommen und,
– wir sagen ihm alles, was uns bewegt,
alle unsere Sorgen, Empfindungen, Hoffnungen und Träume.
Im ‚mit Gott gehen‘
– lernen wir aus seinem Wort und,
– wir setzen das Gelernte in die Tat um.
Um Aufgaben zu erledigen, wirkt Gott durch Gläubige.
Im Gebet lenkt er uns in seinem Willen.
Im Gebet wirkt die mächtige Kraft Gottes, die Probleme löst.
Er weiß, dass Gott bei allem die Herrschaft behält, ständig gegenwärtig ist
und jedes Gebet hört und beantwortet.
Indem Nehemia mit Gott redet, erkennt er ihn als oberste Institution an.
Er lobt und dankt ihm.
Er bekennt seine eigenen Sünden und auch das Unrecht der anderen.
Im festen Glauben erinnert er Gott an sein Versprechen, die zu unterstützen,
die ihn lieben und seinen Gesetzen gehorchen.
Er bittet Gott um Gehör und bezieht ihn in seine Pläne ein.
Er bittet konkret um Unterstützung und Hilfe bei seinen Aktivitäten.
Er gibt sich dabei ganz in Gottes Hände.
Das Gebet bereitet sein Herz auf die Aufgabe vor und es gibt Gott Raum,
zu wirken. Im Gebet bittet er um Gottes Führung und um konkrete Hilfe
bei seinem nächsten Schritt.
Jeder Mensch ist fähig, Gott zu dienen, ganz gleich, welche Position er hat.
Denn im ‚Gott dienen‘, hilft und dient er uns.
Wen Gott in eine Aufgabe beruft, dem hilft er auch, sie zu erfüllen.
2. Schritt: Nehemia sucht Unterstützung.
Dann wendet er sich an die Menschen, die ihm am besten helfen können.
Er ist klug und sucht sich Unterstützung und Helfer, denn er weiß,
dass er sich überhebt, wenn er alles alleine machen würde.
Nehemia nutzt seine Kontakte und Beziehungen und trägt dem König,
dessen Mundschenk er war, aufrichtig und ehrlich seine Vision vor.
Trotz seiner Ängste, die er auch eingesteht, wagt er, sich beim König für
seinen Gott einzusetzen.
Er riskiert dabei nicht nur seine einflussreiche Stellung, sondern auch
sein Leben. Er bittet den König um Erlaubnis, die Stadtmauer wieder
aufbauen zu dürfen.
Erstaunlicherweise (mit Gottes Hilfe) unterstützt der König ihn,
wohl, weil er für sich darin Vorteile sieht, aber auch, weil er ihm vertraut
und ihn achtet. Nehemia hat dem König treu gedient und so beauftragt
und bevollmächtigt der König ihn. Damit öffnet er ihm Türen für die
nächsten Schritte.
Wenn Gott uns eine Idee eingibt, was wir für ihn tun können, sollten wir
diese Idee anderen mitteilen und darauf vertrauen, dass der Heilige Geist
in ihnen ähnliche Gedanken weckt.
Gott wirkt nicht nur durch uns. Oft benutzt Gott eine Person, um die
Vision zu erhalten und mitzuteilen, und andere, um sie zu verwirklichen.
Indem wir andere zur Teilnahme ermutigen und inspirieren, ermöglichen
wir Teamarbeit, um gemeinsam Gottes Ziele zu erreichen.
Weitere Schritte: Nehemia geht an die Arbeit
– Mit vielen Rückwanderern reist er nach Jerusalem, um seine Vision zu
verwirklichen. Erst nach sorgfältiger Recherche und Planung gibt er seine
göttliche Mission bekannt.
Doch die Bevölkerung leistet Widerstand. Ablehnung und Ängstlichkeit,
Faulheit, Bequemlichkeit und Uneinigkeit schlagen ihm entgegen.
Deshalb spricht er mit den führenden Männern Jerusalems, erzählt ihnen
voller Begeisterung seine Vision und bindet sie in das Vorhaben mit ein.
Dabei baut er auf Gottes Geist, der sie inspirieren möge, mit ihm die Stadt-
mauer zum Vorteil aller wieder aufzubauen.
– Nehemia setzt seine besonderen Eigenschaften als Planer, Organisator
und Motivator sowie seine Tatkraft und Geschicklichkeit zum Gelingen ein.
Er erreicht, dass der Wiederaufbau der Mauer als nationale Dringlichkeit
gesehen wird, von der jeder seinen Vorteil hat.
– Nehemia und führende Persönlichkeiten legen beim Bau selbst Hand an
und geben damit Führungsbeispiel. Es gelingt ihnen, die Eigeninteressen
der Einzelnen mit den Zielen der Gruppe zu verbinden. So hat jeder
das Gefühl, dass der Mauerbau sein eigenes Projekt ist.
Indem jeder die Wichtigkeit und den Sinn des eigenen Tuns im
Gesamtvorhaben erkennt, wird der Gemeinschaftsgeist, die Arbeitsqualität
und die persönliche Befriedigung gefördert.
Durch geschicktes Einbinden gelingt es, alle Einwohner am Bau zu beteiligen.
In der unglaublichen Rekordzeit von nur 52 Tagen, wird die Mauer als
Gemeinschaftswerk vollendet. Eine grandiose Demonstration von göttlicher
Führung und Unterstützung.
Sind wir für eine Aufgabe berufen?
Nachdem wir von einer Nachricht stark angesprochen sind, sollten wir
nicht lange analysieren, interpretieren und darüber reden, sondern aktiv
werden und etwas dagegen zu tun.
Als erstes gehen wir ins Gebet.
Vertrauensvoll sagen wir Gott alles, was uns bewegt und bedrückt,
und wir bitten ihn, in unsere Gedanken zu kommen.
Dann prüfen wir unser Vorhaben an Gottes Wort und Willen und daran,
ob es für viele liebevoll, hilfreich und sinngebend ist.
Wenn unser Vorhaben diese Prüfung besteht, dann können wir beginnen,
das aus dem Wort Gottes Erkannte, in die Tat umsetzen.
Dann kommt der Planungsschritt.
Wir nutzen unsere Kontakte und Beziehungen und beziehen andere
zur Hilfe in das Vorhaben ein. Wir ehren sie durch ihre Teilnahme.
Wir machen unser Vorhaben zum gemeinsamen Vorhaben.
Wenn es dem großen Ganzen dient, wird Hilfe nicht ausbleiben.
Danach beginnt das aktive und zielgerichtete Tun.
Wir setzen, wie jeder und jede andere auch,
unsere besonderen Eigenschaften und Fähigkeiten im Team ein,
überwinden gemeinsam, mit Verständnis, Geschick und Gottes Hilfe,
Widerstände, und lassen jeden Mitwirkenden seine Wichtigkeit und den
Sinn seines Tuns erkennen.
Und wenn das Werk vollbracht ist, danken wir Gott für das Gelingen,
dafür, dass wir daran teilhaben duften und geben ihm die Ehre.
So erhält jede und jeder Anteil am Erfolg.

