Freigeist!?!


Hallo Du,

kürzlich schrieb mir eine unglückliche Bekannte,

sie sei ein Freigeist und könne nur glücklich sein

bzw. werden, wenn sie (endlich) frei entscheiden kann,

was sie tun oder lassen will.

Das machte mich stutzig, denn dieser Begriff,

die Wortverbindung, sagt mir etwas Anderes:

Ein Freigeist kann wohl nur im Geist frei sein,

d.h. frei, unabhängig und unbeschränkt im

eigenen Denken.

 

Aber ist überhaupt das möglich?

1. Jedes Denken hat ein Denkergebnis das bindet,

    zumindest vorübergehend.

2. Jeder Mensch braucht die Anbindung an eine

    Gemeinschaft, in der er geborgen ist und

    mit der er sein Denken teilen kann.

 

Ich schlage nun nach, was der Begriff ‚Freigeist‘

tatsächlich bedeutet und finde:

a) Ein Freigeist ist jemand, der sein Denken nicht von

traditionellen Sitten oder von, durch Religion begründete

Moralnormen und Denkverbote, beschränkt lässt.

b) Ein Freigeist ist jemand, der jeden religiösen Glauben

verwirft. Er ist ein rebellischer Atheist.

 

Und hier wird ein Irrtum deutlich!

Das Sehnen der Bekannten bezieht sich möglicherweise

auf viel mehr, nämlich auf Freiheit, Unabhängigkeit und

Unbeschränktheit in allem.

Vor allem auf die Ablehnung von Gott, denn gerade

seine Gebote sind Regeln die dafür sorgen, dass

Gemeinschaften nicht in Chaos münden.

Und die Anerkennung von Autorität, seiner Autorität,

ist der Ursprung korrekten mitmenschlichen Verhaltens.

 

Der hier gewollte ‚Freigeist‘ enttarnt sich so als

Widerstands- und als Widerspruchsgeist.

Er wendet sich nicht nur gegen Gott, sondern auch

gegen jede andere Person, die in irgendeiner Form

begrenzt oder Bindung sucht, denn Verbindung und

Einbindung beinhalten Selbstbeschränkung,

Mitverantwortung und zwischenmenschliche

Verpflichtung.

Diese Freigeist-Einstellung wird in der Bibel als Egoismus

und Hochmut gesehen. Schon im Paradies wollte Eva

durch essen der verbotenen Frucht gottgleich werden.

Gott wurde zornig über ihren Ungehorsam, über ihr

Verhalten und ihre Einstellung. Er hat sie aus dem

Paradies geworfen und ihr ein schweres Leben auferlegt.

Vielleicht hat sie damals schon erkannt, dass es die

Hölle ist, wenn man dem eigenen Wollen ausgeliefert ist

und wenn man auch noch andere, z.B. den willigen Adam

oder ihre noch ungeborenen Kinder, in dieses Unglück

mit hineinzieht.

 

Denn Hochmut kommt aus der Sünde, und wer an ihr

festhält, der richtet viel Gräuel an. Darum hat der Herr

den Hochmütigen furchtbare Plagen geschickt und sie

am Ende gestürzt. (Sir 10,13; L)

 

 

 

 

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