Es ist vollbracht!   

 

Hallo Du,

ist es nicht sehr schön sagen zu können: Es ist vollbracht!

Dann hat man nämlich etwas geschafft, etwas Besonderes,

eine große Tat, ausgeführt und zustande gebracht.

Dann hat man ein wichtiges Lebenswerk bewältigt

und vollendet.

 

Dazu einige Beispiele:

 

Eva

Seit mehreren Monaten nimmt Eva immer mehr zu.

Gehen, arbeiten und liegen fallen ihr immer schwerer.

Sogar das Denken ist anders. Sie fühlt sich ungewohnt.

Ihre anfängliche Freude hat sich verändert. Nun wächst

sie eine neue Aufgabe und trägt damit auch neue

Verantwortung. Sie empfindet es als schön und erfüllend

eine Aufgabe zu haben und gebraucht zu werden.

Das gibt ihrem Leben Sinn. Was geschieht mit ihr?

In ihr erfüllt sich Leben. Leben weiterzugeben, ist

ihre Bestimmung.

 

Sie trägt eine Last; die täglich größer wird und die sie

lange binden wird. Da tauchen auch Fragen und Zweifel

auf. Wird alles gut gehen? Werde ich das schaffen?

Bleibt mir noch genügend Freiraum? Irgendwie schwebt sie.

Zwischen Gegenwart und Zukunft, zwischen Erfüllung

und Zweifel, zwischen Hoffen und Befürchten, zwischen

Stolz und Sorge, zwischen eigenem und fremdem Leben.

Da tut Bestätigung gut, selbst getragen zu werden.

Ebenso Zuwendung und Geborgen sein. Auch Aktivität,

die zeigt sichtbares Vollenden. Und auch das Schauen

auf andere Frauen und Mütter. Sie ist nicht die Erste.

Alles wird gut.

 

Was ist, das ist. Für sie beginnt ein Neuanfang:

Neue Erfahrungen, neue Gefühle und neues Verhalten,

neues Wissen. Es beginnt eine neue Dimension von Leben,

ein anderes Leben.

Schwanger sein, ist eine Erweiterung von Persönlichkeit

und Bewusstsein, ist der Beginn der Metamorphose

zur Mutter.

In dieser Aufgabe wächst man – auch durch Vorbilder.

 

Eva tut sich schwer.

Die Zeit dehnt sich; sie vergeht kaum noch.

Der Alltag wird kleiner und enger.

Sie kann ihre Füße kaum noch sehen.

Sich beim Schlafen kaum noch drehen.

Sie sehnt sich nach den Wehen.

Wie lange noch wird sie das durchstehen?

 

Und dann sind sie da. Endlich!

Zunächst nur leicht, dann immer stärker und auch öfter.

Das Ende der schweren Zeit naht. Das Finale beginnt.

Die Zeit ist reif. Etwas will und muss raus.

Erhoffte Befreiung und Erlösung.

 

In der Klinik warten Kompetenz, Beistand und Hilfe.

Bald ist es überstanden – hoffentlich.

Jetzt wird es körperlich schmerzhaft.

Es drückt und zieht, anstrengend und unangenehm.

Es ist so, als würde man innerlich zerrissen.

Wer hätte gedacht, dass Wehen so weh tun?

 

Drücken und Pressen verstärken den Schmerz:

Schwerstarbeit. Hecheln, Kraft schöpfen, Pressen,

Schwitzen, Erschöpft sein.

 

In der Bibel heißt es:

Mit großer Mühe und unter Schmerzen wirst

du Kinder zur Welt bringen. (1.Mo 3,16a)

Jetzt weiß Eva, was das bedeutet.

Doch zum Glück: Die Schmerzen sind bald vergessen.

 

Innerlich wird Verbindung zerrissen,

doch neue Bindung wächst.

Mit der Erschöpfung geschieht Befreiung;

im Loslassen, Entspannung.

Dann, überraschende Ruhe

und ein erstes, befreites Schreien.

Endlich: Es ist vollbracht!

Sie wird durchflutet von Dank und glücklicher Freude.

 

Die Last fällt ab. Durch Trennung – neues Leben.

Leben aus ihr.

Sie kommt in ein anderes, noch unbekanntes Leben

mit einem kleinen, noch fremden und ganz eigenen Wesen.

 

Daraus erwächst auch Selbsterkenntnis:

Liebe ist weitergehend, erkennend,

geduldig und einfühlsam.

Sie stärkt und ermutigt und baut auf.

Sie gibt Raum und beschützt dennoch.

Mutter zu werden, ist schon schwer;

Mutter zu sein, noch viel mehr.

 

Adam

Adam ist ein echter Kopfmensch, ein Problemlöser.

Wenn ihn eine Aufgabe packt, beackert er sie.

Es arbeitet in ihm.

Mühsam reift und wächst die Lösung in der Konzentration;

zunächst als Idee, dann wird sie nach und nach zu einem

schärferen inneren Bild.

 

Sich etwas vorstellen, es planen, ausprobieren

und gestalten und dann das Ziel erreichen, das kann er,

das fordert ihn,

das befriedigt ihn, das ist seine Aufgabe.

Er geht dabei durch Höhen und Tiefen.

Er geht dabei Abwege, Irrwege, Umwege, Holzwege,

Fluchtwege  und Schleichwege und wenn es sein muss,

umgeht er auch Dienstwege.

Mühsam und hartnäckig findet er Auswege, Nebenwege,

Mittelwege und Verhandlungswege.

 

Er ist zielorientiert. Er bestellt sorgfältig seinen Acker.

Dabei erlebt er Niederlagen und Misserfolge.

Ungern fragt er, lieber beißt er sich fest und erschöpft sich.

Selbst ist der Mann.

So erkennt er sich und durchdringt seine Aufgabe.

Er erkundet alle Lösungswinkel durchspielt jede Möglichkeit.

Er verausgabt sich und vergisst alles um sich herum.

Er vergisst sogar Hunger und Durst. Es wird ihm gelingen.

Er wird es erzwingen; aus eigener Kraft erreichen,

sich bestätigen.

Dann, erschöpft und ausgelaugt, fügt sich plötzlich im Traum,

was er so lange suchte oder, noch besser, Schwäche und Zufall

schenken ihm die Lösung.

 

Endlich, Heureka, sein Plan gelingt. Es ist vollbracht!

Wo ist die nächste Aufgabe, die nächste Herausforderung,

die nächste Bewährung, der nächste Sieg.

Das ist sein Leben:

Erkenntnis, Sterben und Auferstehen in jeder Aufgabe.

 

In der Bibel heißt es:

Verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal

sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang.

Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst

das Kraut auf dem Felde essen. (1.Mo 3,17-18).

 

Adam weiß, was das bedeutet.

 

Jeder Mensch – Wir

Als unerkanntes Gotteskind wird jeder und jede,

(du und ich), in diese abgefallene und sündenvolle Welt

hineingeboren und ist ihr ausgesetzt.

Da es seine Wurzeln nicht kennt, lernt es, wie man

in dieser Welt überlebt:

Wollen, täuschen, übervorteilen und sich nehmen,

was man will;

Ellenbogen, Raffinesse, Macht und Gewalt.

Sich verstellen, sich ducken,

sich berechnend einpassen,

sich ausgeschlossen fühlen.

Das sind die Regeln.

 

Die Leistungsgesellschaft mit ihrem Wettbewerb verlangt,

sich irgendwie durchzusetzen. Wer das nicht schafft,

ist ein Verlierer und lebt auf der Schattenseite.

Der Preis dafür ist Stress, Unruhe, ständiges Kämpfen,

Verhärtung, Enttäuschung, Vereinzelung und Krankheit.

Auf der Jagd nach Glück, Erfolg, Wohlstand, Ansehen

oder Einfluss gibt es nur Verlierer.

 

Und die, die das nicht schaffen? Sie haben zwar weniger,

können sich aber ihres Lebens erfreuen.

Besitz macht nicht glücklich.

Wer wenig hat, dem kann auch nur wenig genommen

werden und wer nichts mehr hat, ist für betrügerische

Gier-Geier uninteressant.

 

Doch auch der muss kämpfen. Er wird in den Kampf

hineingezogen, muss sich wehren und dem entziehen,

muss sich innerlich damit auseinandersetzen

und immer wieder begnügen.

Burnout hat Ursachen;

Pressing und Mobbing haben schädliche Auswirkungen.

 

Mann oder Frau oder sogar Kind, alle kämpfen

im Leben; immer wieder. Mühsal ist ihr tägliches Brot.

Sie ermüdet, zermürbt und schwächt.

Und dann? Krankheit.

Sie entzieht der Arbeit und entlastet.

Ein unseliger Kreislauf.

Irgendwann zieht sich der Mensch immer weiter zurück.

Er kann nicht mehr. Er steigt aus.

Vielleicht nutzt er das Feigenblatt der Starken für sich,

Hartz IV.

Am Leichtesten lebt es sich auf Kosten von anderen.

Die Griechen wollen bei sich oder in ihrer Politik

der Misswirtschaft, keine Schuld erkennen.

Es ging ihnen zu gut.

Sie schimpfen lieber auf die Deutschen, weil die für

sie nur unter klaren und vertraglich festgelegten

Bedingungen bezahlen wollen.

 

Die Welt geht unter – früher oder später.

Der gierige Mensch vernichtet sie und damit sich selbst.

Einige Wenige kämpfen dagegen an.

Sie bauen auf Gott und sein Erbarmen;

sie arbeiten in Initiativen und investieren in Glauben,

Liebe und Hoffnung. Möge ihr Tun gelingen.

Historisch gesehen, müssen reiche und dekadente

Hochkulturen vergehen, damit sich die Gesellschaft

regenerieren kann, damit sich wieder Vielfalt

entwickelt, damit Leben wieder gelingt.

 

Im Alter erkennt man zurückblickend seine Ohnmacht

und Torheit, seinen Kampf gegen die Windmühlen.

Man wird allmählich weise. Der Weise kämpft nicht mehr.

Er geht unbeirrt seinen Weg, den Weg seiner Bestimmung,

seinen Weg mit Gott.

Und auf dem Sterbebett kann er dann sagen:

Es ist vollbracht!

Er geht in der Gewissheit, dass irdische Leben

überwunden zu haben und in ein neues, ewiges,

friedliches, seliges und reines Leben zu wechseln.

Er lässt glücklich los.

 

Jesus

Auch Mensch. Ein einfacher, hochbegabter,

beeindruckender und außergewöhnlicher Mensch,

der seinen Weg fand und konsequent ging.

Seine Eltern haben ihn gelassen, ihn Gott überlassen,

ihn seinen Weg finden lassen.

Er war Außenseiter und wurde ein religiöser Rebell.

Er rebellierte gegen oberflächliches, religiöses Gehabe

ohne Glaubenstiefe und ohne Glaubensgehorsam.

Er setzte sich für das gelebte Wort Gottes ein.

 

Aber wer kann und will schon in dieser verruchten

und verdorbenen Welt Nächstenliebe praktizieren,

in der fast jeder sich selbst der Nächste ist

und andere gerne benutzt?

 

Ein Rebell macht sich unbeliebt.

Er konfrontiert und will verändern, Einstellungen

und Verhalten ändern, Menschen verändern und

gemäß seiner Überzeugung ausrichten.

 

Weshalb sollten die Menschen Jesus glauben?

Weil er ein Softie war? Oder ein ‚guter‘ Mensch?

Oder‚ weil er Wundersames wusste und tat?

Oder weil er behauptete, es nicht für sich zu wollen,

sondern nur Gottes Willen zu tun?

 

Kann das denn sein?

Er ist doch nur ein Zimmermannsohn.

Et hat Brüder und Schwestern wie wir.

Was bildet der sich ein?

 

Jesus aber sprach zu ihnen:  

Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem

Vaterland und bei seinen Verwandten und in

seinem Hause. Und er konnte dort nicht eine

einzige Tat tun, außer dass er wenigen Kranken

die Hände auflegte und sie heilte. (Mk 6,4-5)

 

Einer mit hoher Begabung wird leicht verkannt und

abgelehnt und ist er dazu auch noch beispielhaft ehrlich,

gottesfürchtig und fehlerlos, dann erst recht.

Einer, der einen ständig an eigenes Versagen und

Verschulden erinnert, ist auf Dauer unerträglich.

Der zeigt einem ja ständig die eigenen Schwächen.

Da ist es doch besser, wenn er weg ist oder wenn man

ihn zumindest schlecht macht, als Fanatiker, Irrlehrer,

Gotteslästerer und sonst etwas. Niemand kann

‚gut‘ sein, das hat er ja selbst gesagt.

Aus den Augen, aus dem Sinn; das funktioniert meistens.

 

Und das bohrende Gewissen kann man ja zudröhnen,

durch Gewöhnung oder durch Aktionismus

oder durch bewusste Schlechtigkeit.

Ich bin halt so.

 

Sagte nicht der Weise Hohepriester Kaiphas:

Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk,

als dass das ganze Volk verderbe. (Joh 11,50)

 

Aber:

Jemanden mundtot zu machen oder ihn aus dem Weg

zu räumen, ist gar nicht so einfach. Schon gar nicht,

wenn er bekannt und bei vielen beliebt ist.

Da muss man geschickt und trickreich vorgehen.

Am Besten ist,

wenn andere dafür die Verantwortung tragen,

vielleicht die Politiker, die Römer

und der ‚Schuldige‘ selbst.

 

Und so fängt das Kesseltreiben an.

Wortverdrehungen, Falschzitate,

Unterstellungen, Beschuldigungen,

üble Nachrede und Verunglimpfung.

Man zerreißt sich über ihn das Maul

und irgendetwas von dem Dreck

bleibt immer hängen.

 

Und wenn viele das Gleiche denken und sagen

und tun, dann muss es doch richtig sein. Oder?

 

Wer gegen den Strom schwimmt,

geht halt irgendwann unter.

Selbst daran schuld!

 

Für den Dolchstoß wartet man dann einen günstigen

Zeitpunkt ab. Gefangen nehmen, verleumden, foltern

und verhören; beschimpfen, bespucken und verhöhnen;

die manipulierte Zustimmung des Volkes einholen

(Barnabas der Verbrecher soll leben, dass ich nicht lache)

und dann,

die Staats- und Besatzungsmacht zwingen,

die Strafe zu vollziehen.

Der arme, erpresste Pilatus.

Und schließlich ist es geschafft.

 

Wer denkt schon, dass das gottgewollt ist und in Kauf

genommen wird, um ein viel höheres Ziel zu erreichen,

nämlich die Rettung der Menschen von gerade dieser

Schlechtigkeit.

Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!

 

Und dabei ist Gott gar nicht kalt und grausam.

Er weiß ja, dass er Jesus wieder auferstehen lässt

und zu sich holt und so dessen Unschuld demonstriert

und damit auch zeigt, dass er tatsächlich sein Sohn ist.

Mensch und Gott.

 

Und was alles muss das Lamm aushalten,

das zur Schlachtbank geführt wird?

Es wird zum Sündenbock gemacht.

Es muss Qualen und Schmerzen,

böse Nachrede und Schmach,

Demütigung und Kreuzigung ertragen.

Gut, wenn das überstanden ist.

 

Jesu letzte Worte waren: Es ist vollbracht!

Dann neigte er sein Haupt und verschied.

 

Was war endlich vollbracht?

Sein schwerer Lebensweg

oder sein heilbringender Auftrag?

 

 

Nachdem Jesus ein wenig davon probiert hatte,

rief er: »Es ist vollbracht!« Dann ließ er den Kopf

sinken und starb.  (Joh 19,30; HfA)

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