Dienen, was bedeutet das?
Hallo Du,
heute bearbeite ich mal wieder das schwierige Thema
‚Dienen‘ und beginne es zur Erleichterung förmlich:
Am Begriff und in der Bedeutung des Wortes ‚dienen‘
werden die Feinheiten der Sprache und des eigenen
Tuns sowie die eigenen Einstellungen dazu deutlich.
Die Wortbedeutung hat gemäß Bedeutungswörterbuch
drei Varianten:
1) Für eine Institution bzw. in einem bestimmten
Bereich tätig sein. Ich arbeite für den Staat, für
Menschen, im Verkauf, im Gesundheitswesen bzw.
bei der Firma XY. Dort tue ich meinen Dienst.
2) Für jemanden oder etwas nützlich sein. Mein Sein,
Wesen, Handeln, Verhalten, Können oder Haben,
dient jemandem oder etwas und ist nützlich dafür.
3) In bestimmter Weise verwendet werden, einen
bestimmten Zweck erfüllen. Ein Objekt oder
Gegenstand, z.B. ein Topf, wird zum Kochen
verwendet und erfüllt diesen Zweck.
Dienen hat also etwas mit Arbeit, Nutzen und Zweck-
erfüllung zu tun, aber auch mit der Einstellung dazu.
Deshalb können wir uns fragen: Dient mein Tun mir
oder jemand anderem und ist es nützlich für ihn oder
für mich? Ist es erwünscht oder aufgedrängt?
Hilft es weiter? Macht es abhängig?
Wem dient es wirklich?
Ob es nützt und hilfreich ist, können nur die Bedienten
entscheiden. Das verändert die Fragestellung:
War mein Tun für dich von Nutzen? Hat es dir geholfen?
Bist du jetzt wieder in der Lage, alleine zu gehen und
selbst anderen nützlich zu sein?
Wenn andere dies bejahen, dann darf der Dienende
dankbar dafür sein und die Bedienten dürfen gerne
und dankbar darüber reden und den Dienenden
lobend benennen.
Doch manchmal befinden die Dienenden selbst über
den Nutzen ihres Tuns. „Ich gebe dir, was du haben willst“
oder, „Ich gebe ich dir, was du brauchst“ oder
„Ich weiß, was gut für dich ist“.
Das bedeutet doch im Klartext: Ich gebe dir etwas,
weil es gut für mich und mein Ego ist.
Ich gebe, damit ich etwas davon habe oder dafür
bekomme? Dann werden die Bedienten zum Objekt,
das den Zweck der Selbstverherrlichung erfüllt.
Sie werden zur Staffage des Selbstlobs missbraucht.
Deshalb muss ‚dienen‘ ein ’selbstloses Einbringen‘
sein, ein ‚absichtsloses Schenken‘, ein ‚davon erfüllt
sein‘. Der Lohn dafür kommt vom Gegenüber und
ist anerkennender Dank, vertiefte Beziehung,
gewonnenes Vertrauen und aus sich selbst heraus
das angenehme Bewusstsein, ‚Gebraucht zu werden‘
und ‚Sich einbringen dürfen‘, ’nützlich zu sein‘.
Wer dient, gibt und erhält gleichzeitig.
Der gesäte Same verwandelt sich in Frucht.
Die verschenkte Liebe kommt in anderer Form zurück.
Wir bekommen was wir brauchen, indem wir geben,
was wir haben. Es ist ein freiwilliges, gegenseitiges
Wechselgeschäft ohne Erwartung oder Forderung an
den anderen. Geben und Nehmen sind indirekt eng
verbunden.
Zu dienen, ist somit bereits Lohn und Gewinn.
Manchmal erscheint es so, als wäre ‚dienen‘ eine
Einbahnstraße, in der einige nur geben und andere
nur empfangen. Das kann nicht sein.
Wir dienen uns gegenseitig mit unterschiedlichen
Gaben. Jeder hat seine individuellen Stärken,
die er geben kann und seine ganz eigenen Schwächen,
in denen er nützliche und hilfreiche Unterstützung
braucht.
Jeder kennt Zeiten oder Situationen, in denen er
Geber oder Empfänger ist. Dienen hat etwas mit
Gegenseitigkeit zu tun, mit dem Wir, mit Beziehung
und Gemeinschaft, mit Liebe und Verantwortung
für andere.
Das menschliche Zusammensein bedarf einer
Ausgewogenheit zwischen Nehmen und Geben,
zwischen ‚Unterstützung annehmen‘ und
‚Befähigungen einsetzen‘,
zwischen ‚lieben‘ und ‚geliebt werden‘,
zwischen ‚beschützen‘ und ‚beschützt werden‘,
zwischen ‚bewundern‘ und ‚bewundert werden‘.
Es braucht das ‚füreinander einstehen‘ und
‚miteinander austauschen‘,
es braucht gemeinsame Ziele, Aufgaben und Absichten.
Ist jemand dauerhaft auf seinen eigenen Vorteil
bedacht, dann zerstört er das labile Gleichgewicht
von Gemeinschaft. Dann zieht der eine den anderen
über den Tisch, nutzt ihn aus, belastet ihn und nützt
ihm nicht mehr.
Wer das Leben als seinen privaten Spielplatz sieht,
auf dem andere nur nach seinen Regeln mitspielen
dürfen, ist anstrengende.
In 1.Kor 13,4-7 finden wir eine vorbildliche Beschreibung
der Liebe Gottes:
Die Liebe ist langmütig und freundlich,
die Liebe eifert nicht,
die Liebe treibt nicht Mutwillen,
sie bläht sich nicht auf,
sie verhält sich nicht ungehörig,
sie sucht nicht das Ihre,
sie lässt sich nicht erbittern,
sie rechnet das Böse nicht zu,
sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit,
sie freut sich aber an der Wahrheit;
sie erträgt alles, sie glaubt alles,
sie hofft alles, sie duldet alles.
Gut, dass Gottes Liebe so elementar umfassend ist.
Wir als begrenzte Menschen, dürfen nach und nach
von ihm lernen. Nach und nach, deshalb knirscht
und kracht es bisweilen zwischen Menschen.
Es gibt aber noch eine weitergehende und höhere
Bedeutung des Dienens: Ein Mensch dient bzw. nützt
dem anderen allein schon dadurch, dass er ist.
Nur deshalb ist wohltuende Gemeinschaft möglich.
Nur dadurch erhält jeder Gelegenheit, seine
Liebe dem anderen zu schenken.
Nur so gibt es für ihn selbst die Möglichkeit, Zuwendung
und Wertschätzung zu erhalten und geliebt zu werden.
Dieser ursprüngliche Dienst beinhaltet Selbstverständliches,
was uns nicht immer bewusst ist: Gegenseitige Toleranz
und Wertschätzung, dankbares Annehmen und Erwidern
von Gemeinschaft und Freude an gegenseitigem
Kennenlernen.
Die Frage:
‚Wozu lebe ich?‘ erhält eine übergeordnete Bedeutung.
Ich lebe, um zu lieben, um für andere dienlich,
nützlich, zuträglich, förderlich, hilfreich, konstruktiv
und lohnend zu sein.
Daraus ergibt sich mein Lebensunterhalt.
Nicht wahr, es ist euch wichtig, einander im Namen
von Christus zu ermutigen? Es ist euch wichtig,
euch gegenseitig mit seiner Liebe zu trösten,
durch den Heiligen Geist Gemeinschaft mit-
einander zu haben und einander tiefes
Mitgefühl und Erbarmen entgegenzubringen?
Nun, dann macht meine Freude vollkommen
und haltet entschlossen zusammen!
Lasst nicht zu, dass euch etwas gegeneinander
aufbringt, sondern begegnet allen mit der
gleichen Liebe und richtet euch ganz auf das
gemeinsame Ziel aus.
Rechthaberei und Überheblichkeit dürfen keinen
Platz bei euch haben. Vielmehr sollt ihr demütig
genug sein, von euren Geschwistern höher zu denken
als von euch selbst.
Jeder soll auch auf das Wohl der anderen bedacht sein,
nicht nur auf das eigene Wohl.
Das ist die Haltung, die euren Umgang miteinander
bestimmen soll; es ist die Haltung, die Jesus Christus
uns vorgelebt hat. (Phil 2,1-5; NGÜ)
