Die Weitsicht des Alters

 

Hallo Du,

jedes Kind kommt mit einer Lebensaufgabe zur Welt.

Es soll leben, durch ‚Sich‘ dem Leben hingeben!

Zum Glück kann es noch nicht denken und reden,

denn es würde wahrscheinlich sagen:

Das schaffe ich nicht. Diese Aufgabe ist für mich zu groß!

Und so wächst das Kind an jedem weiteren Tag und lernt

immer mehr dazu. Auch, weil andere ihm dabei helfen.

Auch, weil Gott es zu seiner Bestimmung führt.

Tag für Tag und Schritt für Schritt.

Das Kind fragt sich nicht, ob und wie es lebt.

Es lebt einfach. Es handelt und erlebt, es wird geliebt

und liebt. Es lebt aus sich heraus – im vorgegebene

Rahmen, aus dem heraus, was in es gelegt wurde

und was es gelernt hat.

Sein Tun wird stimmig durch den Aufgabengeber,

der das Kind in seinen Plan einfügt und zu seinem

Ziel hinführt. Wir sind seine Helfer, jede und jeder

auf seine ganz eigene Weise, alle mit ihrem unter-

schiedlichen Wirken. Wir wissen nicht, wie die

Kathedrale einmal aussehen wird, an der wir mit bauen.

Und wir wissen auch nicht, was in ihr einmal geschehen

wird. Aber wir wissen: Unser Leben einer der Bausteine,

aus denen sie errichtet wird, aus denen das Reich

Gottes gebaut wird. Dank sei dem Baumeister, der

den Bau plant und unser Tun begleitet und der uns

in dieser Lebensaufgabe formt. Ihm setzen wir ein

Denkmal – und er uns!

 

Im Rückblick erkenne ich, dass ich früher, aus eigenem

Streben, viele Aufgaben angenommen habe, die für mich

viel zu schwer waren. Sie zu erledigen, war deswegen

anstrengend und mühsam. Aber, ich bin in ihnen schneller

gewachsen. Ich habe mein Bestes gegeben. Den großen

Rest zum Gelingen hat aber immer der Schöpfer erledigt.

 

Es gibt Menschen die sagen, ich sei im Leben sehr mutig

gewesen. Andere sagen, ich sei sehr eher dumm gewesen,

mich auf solche Herausforderungen einzulassen.

Beides stimmt nicht. Ich bin nur meinen Weg gegangen.

Er ging durch tiefe Täler, aber auch auf Hügel und Höhen.

Immer war ich begleitet und geführt.

 

Mein Lebensrückblick ist wie der Blick herab von einem

hohen Berg. Ich überblicke und schaue mit Weitsicht auf

mein Lebenspanorama. Und ich erkenne erfreut in allem

Gewesenen die Größe und Kraft Gottes und seine weise

Führung und Fügung darin.

Höhen und Tiefen, Gut und Schlecht, haben ihre Bedeutung.

Ebenso Freude und Leid. In Grunde sind das alles Wegweiser

zum Ziel hin. Letztlich wachsen wir aus Liebe, hin zur Liebe.

Wir wachsen hinein in den Wechsel von Nehmen und Geben.

Wir wachsen über unser kleines Ich hinaus, hin zu Gott.

Unser Leben ist gespeist aus seiner Gnade und Güte und dient

zu Herrlichkeit und Ehre Gottes, an denen wir Anteil bekommen.

 

Amen.

 

´Du hast zu mir gesagt:`

»Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du

gehen  sollst. Ich will dich beraten und immer meinen Blick

auf dich richten.« (Ps 32,8; NGÜ)

 

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