Die innere Mitte stellt sich vor   (Ps 51,8)

 

Hallo du,

ich bin deine innere Mitte. Vielleicht kennst du mich schon lange, vielleicht nur flüchtig. Vielleicht spürst du manchmal eine Sehnsucht nach mir, ohne genau zu wissen, wonach du dich sehnst. Und vielleicht gibt es Augenblicke, in denen du ganz selbstverständlich in mir bist – wie jemand, der Zuhause ist und sich einfach nur wohlfühlt.

Ich bin das stille Kämmerlein in dir, der Raum, in den du dich jederzeit zurückziehen kannst. Nicht, um dich zu verstecken, sondern um dich zu finden. Ich bin der Ort, an dem die Suche aufhört, weil du nichts mehr brauchst, um vollständig zu sein. Ich bin die Quelle, aus der du Kraft schöpfst – eine Kraft, die nicht versiegt, weil sie nicht von deiner Leistung abhängt, sondern von deinem Sein.

In mir gibt es einen Raum, den das Leben nicht beschädigen kann. Einen inneren See, aus dem Frieden, Klarheit und Kraft wie Erinnerungen aufsteigen. Hier liegt deine Unversehrtheit, die Heimat, aus der du lebst, auch wenn du es manchmal vergisst.

In mir sammeln sich deine Gedanken, Gefühle und Kräfte. Sie finden zueinander, ohne dass du sie ordnen musst. In mir wirst du geweitet, geklärt, gesammelt. Du spürst, dass du lebendig bist – nicht, weil du etwas tust, sondern weil du bist.

Ich trage dein stilles Wissen über richtig und falsch. Nicht als moralische Vorschrift, sondern als innere Stimmigkeit. In mir findest du zu dir zurück, so mühelos wie ein Kind, das im Spiel die Zeit vergisst.

Ich bin nicht dein Ziel, ich bin dein Ursprung. Ich war schon da, bevor du begonnen hast zu suchen. Ich bin der Ort, an dem du nicht werden musst, weil du schon bist. Du kommst aus mir. In mir liegt dein wahres Zuhause, das dich hält und trägt, lange bevor du es bemerkst.

Ich bin der Raum, in dem du ruhen kannst. Bei mir fällt Anspannung ab wie Staub. Ich bin der stabile Grund, auf dem du fest stehst, auch wenn um dich herum alles schwankt. Ich schalte die Einflüsse von außen nicht ab – ich setze sie in Relation. In mir verliert das Äußere seine Macht. Es darf da sein, aber es bestimmt dich nicht. Ich schenke dir Abstand, ohne dich zu trennen. Klarheit, ohne dich zu beeinflussen.

Ich mache dich offen und transparent. In mir brauchst du keine Masken. Du wirst durchsichtig für dich selbst – und gerade dadurch echt. Offenheit ist hier keine Gefahr, sondern Freiheit.

Ich führe dich vom Denken ins Empfinden. Ich lasse dich ‚Dich selbst wieder spüren: deinen Atem, dein Herz, deine Wärme, deine Lebendigkeit. In mir ordnet sich das Denken dem Sein unter. Empfinden wird zur Sprache, die du verstehst.

Ich bin das pure Sein. Ohne Tun. Ohne Müssen. Ohne Werden. Einfach Sein. In mir gibt es keine Distanz zu dir selbst. Du bist, wie du bist. Du bist mit dir im Reinen.

Ich bin deine Leichtigkeit, deine Stimmigkeit, deine Ausgeglichenheit. Nicht, weil alles perfekt wäre, sondern weil du nicht mehr gegen dich arbeitest. In mir fügt sich zusammen, was getrennt war. Das Schwere wird leichter, das Unklare klarer, das Zerrissene ganz.

Du fühlst dich bei mir wohl, weil ich dich an das erinnere, was du immer schon bist. Ich bin der Ort, an dem du dir nicht fremd bist. Ein Ort, an dem du stets willkommen bist.

Ich bin dein wirkliches Zuhause – geschützt in dir. Das stille, warme Zentrum, das dich trägt, bevor du es bemerkst. Hier findest du Ruhe und Kraft. Hier musst du nichts tun. Hier kommst du an:

In deiner Wahrhaftigkeit, – in deiner Klarheit, – in deiner Würde, – in deiner Lebendigkeit, – in deiner Freiheit, – in deiner Verbundenheit, – in deiner Integrität, – in deiner Sanftheit, – in deinem Mut, – in deiner Tiefe, – in deiner Stille, – in deiner Stimmigkeit, – in deiner Wärme, – in deiner Intuition und in deiner Echtheit.

Hier findest du, wer du bist, was dich ausmacht und was bleibt, wenn alles Unwesentliche wegfällt. In mir liegt dein reines, gottgegebenes ‚Ich‘.

 

 

„Du freust dich, wenn ein Mensch von Herzen aufrichtig ist; verhilf mir dazu und lass mich weise handeln!“ (Ps 51,8; HfA)

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