Der Jesus-Weg
Denkt nicht, dass ich gekommen bin, Frieden auf die Erde zu bringen.
Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
(Mt 10,34)
Hallo Du,
wieder einmal setze ich mich mit Machtmissbrauch auseinander.
Ich sehe die Umstürze in den nordarabischen Staaten, den Bürgerkrieg in
Syrien und die Demonstrationen und deren Niederschlagung in der Türkei
und ich erkenne, dass gerade junge Menschen nicht mehr bereit sind,
Machtmissbrauch hinzunehmen.
Sie nutzen jeden Fehler der Mächtigen und demonstrieren dann hartnäckig
gegen autoritäre Machtstrukturen und gegen selbstherrliches Verhalten von
führenden Politikern.
Dabei helfen ihnen soziale Netzwerke wie das Internet, Facebook oder Twitter,
mit denen Gleichgesinnte leichter zusammenfinden und sich organisieren und
mobilisieren können. Sie haben nicht viel zu verlieren. Sie setzen sich mit Leib
und Seele bewusst und unbequem für eine menschenwürdige Zukunft ein und
riskieren dabei sogar ihr Leben.
Jesus
Denkt nicht, dass ich gekommen bin, Frieden auf die Erde zu bringen.
Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. (Mt 10,34)
Sagt Jesus das, weil er ein Unruhestifter, ein Provokateur und Umstürzler für
den Hohen Rat der Juden oder die Besatzungsmacht der Römer sein wollte?
Ich denke nein. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Murrt nicht gegen die
hohen Steuern. Begehrt nicht gegen eure Führer oder Besatzer auf, denn
auch die sind von Gott eingesetzt, damit sein Volk – irregeführt und in Not
gebracht – sich wieder auf die Verbindung mit Gott und seinen Geboten
zurückkehrt und damit zu Einsicht, Gehorsam, Demut und Liebe.
Doch auf Missstände darf und muss friedlich hingewiesen werden. Fehler
müssen benannt werden, damit Mitmenschen nicht noch weiter in die Irre
laufen.
Jesus ist kein Terrorist, der Gewalt einsetzt um eigene Ziele zu erzwingen.
Er setzt Liebe ein und wendet sich den Menschen zu, geht auf sie ein und
hilft ihnen weiter.
Er baut auf die Macht der Liebe und deren Veränderungskraft.
Er baut auf positives Vorbild und Beispiel.
Er hofft auf Besinnung, Erkenntnis und Umkehr fehlgeleiteter Menschen.
Er lebt für seine Aufgabe, für die Befreiung der, vom Bösen gebundenen
Menschen und deren Rückführung zu Gott.
Er gibt sogar freiwillig sein Leben hin, um mit seinem Blut die Irrungen,
Fehler und Sünden von Menschen wegzuwaschen, um ihnen Vergebung
zu ermöglichen.
Er möchte sie zurückbringen in die Obhut der göttlichen Familie.
Jesus weiß: Sünde, der Abfall von Gott, beginnt im Kopf.
Impulse von außen können zu falschem Denken und Handeln verleiten.
Dadurch wird das Herz vergiftet.
Was sich im Kopf zusammenbraut, kommt früher oder später ans Licht und
wird zur Tat.
In der Bergpredigt (Mt 5, 28-29) nennt Jesus ein gutes Beispiel dafür:
Wer eine (fremde) Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die
Ehe gebrochen in seinem Herzen. Wenn dich aber dein rechtes Auge zum Abfall
verführt, so reiß es aus und wirf’s von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner
Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.
Wehret den Anfängen, bevor ihr von Verführerischem überwunden werdet!
Wehret den Anfängen schon bei der ersten Versuchung, denn dann seid ihr
noch stark genug dafür.
Paulus rät uns in Eph 6, 11 ff,
wir sollen die Waffenrüstung Gottes im Kampf gegen das Böse benutzen.
Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die
listigen Anschläge des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu
kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren
der Welt, die in dieser Finsternis (im Verborgenen) herrschen, mit den bösen
Geistern unter dem Himmel. Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit
ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld
behalten könnt.
Er nennt Panzer, Schild, Helm, feste Schuhe und Schwert als Waffen.
Nicht als Waffen aus Stahl, die körperlich verletzen oder töten sollen,
sondern sinnbildlich als Waffen des Geistes zur Abwehr von Angriffen:
Seid umgürtet und geschützt durch die Wahrheit, den Panzer der Gerechtigkeit.
Der Schild des Glaubens soll die feurigen Pfeile jeder Versuchung des Bösen
abhalten.
Die festen Schuhe sollen helfen, die gute Botschaft von Vergebung und Frieden
mit Gott weiterzutragen.
Der Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das Wort Gottes, dienen
zur Abwehr.
Und zur Bekräftigung und Abwehr von Sünde im Kopf: Das ständige Gebet in
der Kraft des Heiligen Geistes, soll die ständige Verbindung mit Gott und
seiner Liebe gewährleisten und immer wieder an Demut und an unser
Dienen in Liebe erinnern.
Jesus kämpft gegen die Sünde im Kopf,
gegen Hochmut, Eitelkeit, Stolz und Übermut,
gegen, Geiz und Gier,
gegen Wollust, Ausschweifung, Genusssucht und Begehren,
gegen Zorn, Wut und Rachsucht,
gegen Selbstsucht und Maßlosigkeit,
gegen Neid, Missgunst und Eifersucht,
gegen Faulheit, Feigheit, Ignoranz und Trägheit,
gegen Minderwertigkeit, Zweifel und Resignation.
Er kämpft für Gottvertrauen, Hoffnung und Zuversicht,
für eine Rückkehr der Menschen in die heilsame Gemeinschaft mit Gott.
Wie kämpft er? Er macht bewusst.
An seinen Worten und seinem Beispiel können die Menschen sich messen
und das Gute oder Schlechte in sich erkennen.
Das kann auch provozieren und konfrontieren, wenn es inneren Unfrieden
ans Licht bringt.
Aber, es soll zu Besinnung und zur Abkehr vom Bösen führen,
was schon der Anfang einer Hinwendung zu dem liebenden, vergebenden
und befreienden Gott ist.
Jesus kämpft nicht mit Härte, Vorwurf oder Verletzung,
nicht mit Unterdrückung oder Demütigung,
sondern ganz legal mit den Waffen der Liebe,
mit Freude, Zuversicht und Gelassenheit,
mit Frieden und Geduld,
mit Entgegenkommen, Freundlichkeit und Offenheit,
mit Güte, Treue und Sanftmut
und mit Selbstbeherrschung.
Das bringt in Verlegenheit, entwaffnet und beschämt.
Darin erkennt man die eigene Verirrung und Kleinlichkeit.
Darauf gibt es, je nach Persönlichkeit, nur zwei menschliche Reaktionen,
entweder Zorn und Wut gegen die beschämende Aufdeckung,
die sich dann gegen den Bewirkenden entladen,
oder große Dankbarkeit für die helfenden und befreienden Wachstumshinweise
die sich in Umkehr zu Gott und treuer Nachfolge äußern.
Jesus ist nicht gekommen, um nur Frieden auf die Erde zu bringen.
Das wäre zu kurz gegriffen. Er geht an die Wurzel allen Übels,
nämlich die Trennung des Menschen von Gott.
Er besteht auf einer bewussten und freien Entscheidung
für oder gegen Gott,
für oder gegen ihn, Jesus, als Vermittler,
für oder gegen das Wort Gottes und den Geist des Liebens darin.
„An mir müssen die Geister sich scheiden!“, sagte Jesus.
„Ich bin in die Welt gekommen, um solche, die nicht sehen können,
zum Sehen zu bringen und denen, die sich für sehend halten, zu zeigen,
dass sie blind sind.“ (Joh 9,39)
Dann kommen sie zur Ruhe und zu innerem Frieden, zu Frieden mit Gott.
Jesus ist der menschgewordene Gott, das lebendige Wort Gottes.
Ein sichtbares Zeichen und Vorbild.
Am Anfang war das Wort; das Wort war bei Gott,
und das Wort war Gott. (Joh 1,1)
Das Wort Gottes ist lebendig und wirksam. Es ist schärfer
als das schärfste zweischneidige Schwert, das die Gelenke
durchtrennt und das Knochenmark freilegt.
Es dringt bis in unser Innerstes ein und trennt das Seelische
vom Geistlichen. Es richtet und beurteilt die geheimen
Wünsche und Gedanken unseres Herzens. (Hebr 4,12)
Das Wort Gottes geht an das bewusst Verborgene.
Es legt das Innere frei und bringt alles ans Licht.
Nichts bleibt verborgen.
Ertappt zu werden schmerzt zunächst, aber es führt zur Heilung.
Der vergiftende Eiter der versteckten und verdrängten und
abgekapselten Schuld muss aus der Wunde herausfließen können,
damit Körper, Geist und Seele wieder heil werden und genesen.
In seinem Einsatz und Kampf für das Gute und für die Liebe,
für die verlorenen Menschen und für seinen Vater im Himmel,
setzt er sich ganz ein, von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe,
mit aller seiner Kraft und mit seinem ganzen Verstand! (Lk 10,27)
Da gibt es keinen Platz für Kneifen, Angst oder Versagen.
Schau nicht ängstlich nach Hilfe aus, denn ich, dein Gott,
ich stehe dir bei! Hab keine Angst, denn ich bin dein Gott!
Ich mache dich stark und ich helfe dir!
Ich halte dich mit meiner rechten und gerechten Hand.
In Schimpf und Schande stehen alle da, die gegen dich
gewütet haben. Sie gehen zugrunde, werden wie Nichts,
die Männer, die dein Lebensrecht bestreiten. (Jes 41,10-11)
Ihr wisst, dass es heißt: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn.‘
Ich aber sage euch:
Verzichtet auf Gegenwehr, wenn euch jemand Böses antut!
Mehr noch: Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt,
dann halte ihm auch die linke hin. (Mt 5, 38-39)
‚Unser Herr meint damit, wir sollen nicht kneifen, sondern Mut zeigen.
Man muss bereit sein auch mehrere Schläge hinzunehmen, um
(den Mächtigen) zu zeigen, dass man nicht zurückschlagen und auch nicht
weichen wird. Durch diese Haltung erreicht man, dass etwas in der
menschlichen Natur freigelegt wird, das den Hass kleiner werden lässt und
den Widerstehenden schließlich respektiert.‘
(Zitat von Gandhi aus dem Film ‚Gandhi‘)
Damit sein Auftrag gelingt, lässt Jesus sich sogar töten.
Das lässt den Hass seiner Verfolger kleiner werden und sein konsequenter
Einsatz bis zur Selbstaufgabe wendet sich dann in Respekt.
Er ist gewiss,
dass das Gute nicht totzukriegen ist und dass Liebe immer obsiegt.
Er weiß,
er wird auferstehen aus den Toten, um sein Erlösungswerk zu vollenden.
Er ist gekommen,
um Feindschaft, Streit und die Entfremdung zwischen den Menschen und
Gott aufzuheben.
Und Jesus sagt uns zu, dass wir unser altes, beladenes Leben hinter uns
lassen können, um mit ihm und in seinem Geist aufzuerstehen in ein neues,
besseres Leben.
Er weiß:
Märtyrer, ungerecht Gequälte und Hingerichtete, werden nicht vergessen.
Sie entzünden eine lodernde Sympathiefackel in den Herzen der Menschen,
die Solidarität bewirkt. Märtyrer sind Vorbild im Widerstand.
Menschen brauchen Orientierung und sinngebende Ziele.
Sie brauchen einfühlsame Führung,
die ihren Horizont weitet und ihr Wirken koordiniert.
Sie brauchen Einbindung, Mitwirkung und Mitverantwortung.
Das gibt Jesus ihnen.
Er ist Vorbild und die ihm Nachfolgen, nehmen sich ein Beispiel an ihm.
In ihm erkennen sie die Liebe und Gnade und Güte Gottes,
in die sie eingebunden sind.
Er geht zu ihnen und ist einer von ihnen.
Auch er leidet unter den Schwierigkeiten der Zeit und der grausamen
Besatzung seines Landes von den Römern.
Aber: Er unterscheidet zwischen Sünde und Sünder.
Die Sünde lehnt er ab, denn sie vernichtet Menschen.
Den Sünder aber liebt er, dem dient er, damit der durch Liebe und Vergebung
und Dankbarkeit zurück zu Gott findet und damit heil und geheiligt wird.
Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen,
sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben.
(Mk 10,45)
Wir nennen ihn ‚Herr‘,
doch er lässt sich nicht bedienen, sondern er dient uns.
Er nutzt seine Stellung nicht aus, sondern er
wäscht den unvermeidlichen Staub und Schmutz von unseren Füßen.
Wir kämpfen nicht gegen Menschen, sondern gegen Mächte und Gewalten
des Bösen, die über diese gottlose Welt herrschen und im Unsichtbaren ihr
unheilvolles Wesen treiben. (Eph 6,12)
Jesu hat auf seinem Weg der Liebe und Demut
die ´gottfeindlichen` Mächte und Gewalten entwaffnet und ´ihre Ohnmacht`
vor aller Welt zur Schau gestellt; durch Christus hat er einen triumphalen Sieg
über sie errungen. (Kol 2,15)
Der Jesus-Weg heute
In den über 20 Jahren, die ich in einem Ministerium gearbeitet habe,
konnte ich hautnah erleben, wie die Befugnis zu vorübergehender Macht
Menschen verführt und verändert. Das betrifft nicht nur die höchsten Ämter,
wie dir von Ministerpräsidenten, Ministern und Staatssekretären, sondern
auch die Menschen darunter und in nachgeordneten Behörden.
Wer Macht hat, möchte sie nicht mehr verlieren und der tut alles, um sie zu
erhalten, oft auch das Unrechtmäßige, das er tut.
Leicht wird der Machthunger zu einer unstillbaren Gier nach noch mehr Macht
und Einfluss, nach Ehre, Wichtigkeit und Anerkennung.
Und zum Machterhalt benutzt man dann auch schon mal die Ellenbogen
und missbraucht die verliehene Macht, Autorität und Durchsetzungskraft.
Es muss berauschend sein,
(fast) uneingeschränkte Macht über jemanden zu haben;
andere zu etwas zwingen zu können,
nur mit dem Finger schnipsen zu müssen, um seinen Willen zu bekommen
und die Machtlosigkeit, Gutmütigkeit, Unerfahrenheit oder Angst anderer
auszunutzen.
Machtgierige Personen neigen zu übertriebener Kontrolle.
Sie fürchten um die Loyalität der Untergebenen, die die Grundlage ihrer Macht
ist. Denn real betrachtet haben sie nur solange Macht und Einflusses über
andere, wie die sich ihnen fügen, sie gewähren lassen oder gleichgültig und
unkritisch bleiben und nichts gegen sie unternehmen.
Um das zu erreichen, verteilen Mächtige gerne Geschenke, die aber aus den
Steuern der Allgemeinheit bezahlt werden.
Gerne und großzügig verteilen sie Versprechen, Zusagen, Orden und viele
lukrative Positionen. Sie verpflichten sich andere damit zu Dank und Treue.
Teile und herrsche!?
Wer jedoch kritisch wird, wer nicht mehr blind folgt und sich fügt,
sich nicht mehr kontrollieren, manipulieren, ausrichten und gefügig
machen lässt,
nicht länger bereit ist, Fehler unter den Teppich zu kehren oder mitzutragen,
andere zu benutzen, auszuspionieren und zu hintergehen
oder gar die Autorität und das Selbstbild von Güte und Unfehlbarkeit
untergräbt,
der bekommt den persönlichen Unmut und die volle Härte des Mächtigen
und seines Machtapparates, seiner treuen Gefolgsleute, zu spüren,
die damit auch in Frage gestellt werden.
Der lernt die dunkle Seite und die verborgenen Mittel der Macht kennen,
z.B. Vertrauensentzug, Zurückstellung, Mobbing, Rufmord, Verfolgung,
Verurteilung, Entzug der Aufgabe oder Position, Gefängnis, Folter oder
Vertreibung.
Die Möglichkeiten sind vielseitig und unzählbar.
Störenfriede müssen verheimlicht und/oder mundtot gemacht werden, egal wie.
so wird die egozentrische und arrogante Einstellung der Mächtigen deutlich,
die andere nur Erfüllungsgehilfen sehen.
Da braucht man wohl eine starke und demütige Persönlichkeit,
um der verlockenden Versuchung des Machtmissbrauchs zu widerstehen.
Wenn nicht, dann kommt bei Jedem irgendwann die Zeit, dass ihr eigenes
Unrecht sie stürzt.
Nach Wikipedia hat der Begriff ‚Minister‘, die Bedeutung von Diener bzw.
Erster Diener. Minister kommt vom Lateinischen ministrare ‚dienen‘.
Ein Minister ist also ein Diener am Volk.
Und wer gedient hat weiß, dass Dienen oft auch mit der Zurückstellung der
eigene Wünsche und Bedürfnisse verbunden ist.
Dienen zu dürfen ist Privileg und Vertrauensbeweis, ist Anerkennung und
Auszeichnung, seine Führungsbegabung einzusetzen und für andere da sein
zu können, ist eine großer Gewinn für beide Seiten.
Wer verliehene Macht in diesem Sinne nutzt, um Gutes zu bewirken,
der hat auch eine liebevolle und verantwortungsbewusste Einstellung
zu seinen Mitmenschen und zu sich selbst.
Der ist reif, Verantwortung auch für andere zu tragen und dass in ihn gesetzte
Vertrauen zu erfüllen.
Um Machtmissbrauch aufzudecken,
muss man den Missbrauch und den/die Schuldigen benennen.
Am wirkungsvollsten geschieht das ist das öffentlich,
durch eine freie Presse und durch unabhängige Journalisten
im Rundfunk und beim Fernsehen.
Und wenn die nicht erfolgreich sind, dann auch mit friedlichen und
wiederholten öffentlichen Demonstrationen.
Das macht andere auf bestehende Probleme aufmerksam und hilft,
Mitstreiter zu finden und zu mobilisieren.
Dadurch entsteht ein politisches Gegengewicht, eine Gegenmacht,
die Veränderung bewirkt. Letztlich bei Neuwahlen.
Das ist der wunde Punkt aller Machtsysteme.
Durch solchen ‚Gegenwind‘ aus dem ‚Volk‘ fühlen sich Mächtige persönlich
provoziert. Sie könnten ihr selbstgemachtes Image, ihre Reputation
und ihre Macht verlieren, denn die öffentliche Ordnung ist dem Mächtigen
Beweis für seine ‚gute‘ Regentschaft.
Sie muss also mit allen Mitteln schnell wieder hergestellt werden,
auch durch die Polizei, durch eigene Milizen oder durch das Militär.
Das Unheil schraubt sich auf.
Der harte Einsatz gegen friedliche und wehrlose Bürger, führt zu weiteren
politischen Fehlern, zu weiterem Machtmissbrauch für den Machterhalt.
Das wiederum führt dazu, dass die Anzahl der Demonstranten und der
Widerstand des Volkes wächst.
Totalitäre Machthaber scheuen kritische, öffentliche Kontrolle noch viel mehr.
Die Machtgier ihrer Persönlichkeitsstruktur benutzt ‚Macht‘ zur Durchsetzung
ihrer persönlichen Interessen. Das nennt man Willkür.
Dagegen scheint Widerstand unmöglich zu sein.
Es kämpfen David gegen Goliath und sie kämpfen mit unterschiedlichen Mitteln.
Die Schwachen riskieren und sind bereit, bei friedlichen Demonstrationen
Schläge, Verletzung und vielleicht den Tod hinzunehmen zu müssen,
um zu zeigen, dass sie nicht zurückschlagen und auch nicht weichen werden.
Durch diese Haltung erreichen sie, dass Macht sich pervertiert. Und auch,
dass etwas in der menschlichen Natur des eigenen Volkes und in anderen
Völkern freigelegt wird, dass einerseits die unberechtigte und überzogene Gewalt
und Verblendung des/der Mächtigen erkennt und missbilligt und andererseits,
sich mit dem Widerstand solidarisiert und die friedlichen ‚Kämpfer‘ auch als
Kämpfer für sich selbst und für eine allgemein gerechte Sache erkennt und als
‚Helden‘ verehrt.
Jesus hat andere dadurch provoziert, dass er deren Schlechtigkeit und
Boshaftigkeit öffentlich benannte.
Gemessen an seiner Friedfertigkeit und Liebe, an seiner Demut und seinem
Sanftmut, an seinem sozialen Wirken und Handeln bei Hilflosen und Schwachen,
erschienen die Mächtigen, Stolzen, Hochmütigen und Scheinheiligen in einem
besonders schlechten Licht. Deswegen musste er beseitigt werden.
Er kratzte an ihrem Image und an ihrer Macht.
Aber weil das Volk schon den Machtmissbrauch der religiösen Führer erkannt
hatte, nützte denen die Kreuzigung Jesu nichts mehr. Ganz im Gegenteil:
Ihre verwerfliche Tat wurde zum Triumph ihrer Gegner, zum Triumpf für die
Liebe und der gesamten Menschheit, auch wenn es etwas länger dauerte.
Niemand möchte dauerhaft in Knechtschaft leben oder geknechtet sein.
Niemand möchte dauerhaft Willkür und Unterdrückung ausgeliefert sein.
Um Befreiung und Frieden für alle zu erreichen,
muss man sich auch öffentlich dafür einsetzen
und bereit sein, verletzt zu werden oder sein Leben zu verlieren.
Denn wer sein Leben unbedingt bewahren will, wird es verlieren.
Wer aber sein Leben meinetwegen verliert, der wird es gewinnen.
(Mt 16,25)

