Das verschmähte Gedicht

 

Bei einem Bibelseminar bin ich einmal

einer älteren Frau begegnet, die sich,

irgendwie von mir angezogen, immer

wieder neben mich setzte.

 

Bei einem Spaziergang erzählte sie mir

tief enttäuscht von ihrem Leben,

von ihren beschwerlichen Pflichten,

von ihrem vergeblichen Abmühen.

Offensichtlich kannte sie keine Freude

und kein Lachen, weder Leichtigkeit,

noch Gelassenheit, weder Entspanntheit,

noch innere Ruhe.

 

Mitfühlend schenkte ich ihr am Ende

des Seminars eines `meiner` Gedichte,

in dem es um die Liebe Gottes

zu seinen Kindern ging.

Auch tauschten wir unsere

Anschriften aus.

 

Nach einigen Wochen erhielt ich von ihr

einen kurzen Brief. Sinngemäß schrieb sie:

‚Ich habe dein Gedicht mehrfach gelesen

und muss dir sagen,

dass du ein lausiger Dichter bist.

Es ist nur schlicht und einfach,

nicht kunstvoll und schon gar nicht elegant.

Mein Vater (ein Pfarrer),

der hat wirklich gute Gedichte geschrieben.

Du, solltest es lassen!‘

 

In einem Punkt hatte sie recht.

Ich lege keinen Wert auf die kunstvolle Eleganz

des Gedicht-Aufbaus oder auf geschmeidige

Worte und Wortverbindungen,

denn ich möchte mit meinen Gedichten

nicht eitel glänzen.

 

Eigentlich mache ich mir beim Schreiben

überhaupt keine Gedanken.

Ich schreibe einfach nur auf,

was gerade aus mir herausfließt.

Was mir in Liebe gegeben wird.

Und wenn ich diese Gedichte weitergebe,

dann geht es nicht um mich,

sondern um die Botschaft darin,

um die Größe und Güte Gottes,

um seine Gnade und Freundlichkeit

und um die Liebe zu seinen Kindern,

von denen auch ich eines bin.

 

Es geht mir um die vergebende

und aufbauende Liebe Jesu,

unseres Helfers in jeglicher Not,

um tiefe Dankbarkeit

und um seine frohe Botschaft.

 

Ja, die Gedichte sind im Aufbau

und in der Aussage einfach und schlicht.

Ich nehme an, dass sie das sein sollen.

So sind sie besser verständlich.

In ihnen ist Gottes aufmerksame Zuwendung,

mitfühlende Nächstenliebe

und mitmenschliche Anteilnahme zu spüren.

Liebe drängt sich nicht auf.

Liebe putzt sich nicht heraus.

Liebe ist einfach nur ehrlich und schlicht.

 

 

Ihr seid das Licht, das die Welt erhellt.

Eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt,

kann nicht verborgen bleiben.

Man zündet ja auch keine Öllampe an

und stellt sie dann unter einen Eimer.

Im Gegenteil: Man stellt sie auf den

Lampenständer, so dass sie allen im Haus

Licht gibt. Genauso soll euer Licht vor allen

Menschen leuchten. Dann werden sie eure

guten Taten sehen und euren Vater im

Himmel preisen.  (Mt 5, 14-16; HfA)

 

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