Ausgebrannt – Burnout (Kol 2,2)
Hallo Du,
ich weiß, wovon ich rede.
In meinem Berufsleben war ich mehrmals völlig ausgebrannt
und hatte dabei einen andauernden, geistigen, seelischen
und körperlichen Zusammenbruch. Das erschreckt natürlich
und man wird dadurch sehr nachdenklich, besonders wenn
es sich wiederholt. Was ich damals ahnte, war: ‚Etwas ist
gewaltig schiefgelaufen. Etwas habe ich falsch gemacht.
Aber was?‘
Im Gegensatz zu anderen Menschen habe ich für das, was
ich tat, auch gebrannt. Es war mir wichtig und ich fand es
richtig. Es war mir nicht egal und auch nicht gleichgültig.
Ich habe es vertreten, mich dafür eingesetzt und mich
dafür stark gemacht, Er war nicht nur meine Aufgabe.
Es wurde zu meinem Anliegen. Die Aufgabe wurde zu
meiner Sache. Ist das verkehrt? Heute würde ich sagen:
‚Ich war übermotiviert‘. Ich habe mich für eine Sache
mehr eingesetzt, als gut für mich war. Ich hatte zu wenig
Unterstützung gesucht und bekommen. Ich habe meinen
Beruf (in den ich von anderen berufen wurde) als eigene
Berufung gesehen, in der ich etwas verbessern sollte und
wollte. Dabei habe ich längere Zeit über meine Kräfte
gelebt und mich übernommen. Da ist es nicht verwunderlich,
wenn der Körper streikt, wenn die Seele schmerzt und
wenn dem Geist Ruhe und Erholung fehlen.
Was habe ich daraus gelernt?
1. Es ist nicht falsch, für etwas zu brennen, aber ich selbst
muss auch dafür sorgen, dass genügend Brennholz,
genügend Kraft und Energie vorhanden sind, z.B. durch
genügend Schlaf, in erfrischenden Hobbies und in der
Gemeinschaft mit der Familie. Ich darf und muss auf
mein Wohl achten.
Ein zu heißes Feuer brennt zu schnell ab und verlöscht
dann. Gut Ding will Weile haben. Manches wird nur gut,
wenn es lange und wohltemperiert auf kleiner Flamme
köchelt.
2. Es kommt darauf an, wofür man brennt. Ist die Aufgabe
wirklich gut und richtig? Ist sie etwas, wofür die man
andere zum freiwilligen Mitmachen gewinnen kann
oder dient sie nur den Zielen der Auftraggeber?
3. Und: Wievielt Zeit wird mir für die Erledigung
eingeräumt? Habe ich genug Rückhalt, Geduld und
Ausdauer, das Ziel zu erreichen oder ist meine eigene
Zeitvorgabe zu eng?
Die Politik verlangt in der Zuarbeit schnelle und präzise
Ergebnisse und hofft auf schnelle Entscheidungen und
Erfolge, weil nur die das Partei-Renommee steigern und
die Wiederwahl sichern. Aber zu schnell darf es auch nicht
sein. Man muss ihr Abwägen erkennen. Bei zu großer Eile
werden Wähler misstrauisch und skeptisch. Sie fühlen sich
überrumpelt und entziehen den Regierenden das Vertrauen.
Dadurch würden gute Absichten konterkariert.
4. Niemand kann große Aufgaben alleine bewältigen.
Veränderungen und angestrebte Verbesserungen müssen
von vielen gewollt und getragen und vorbereitet werden.
Jeder Vordenker braucht Mitstreiter und die gewinnt man
nur durch gute Argumente und ein begründetes
Überzeugtsein von der Richtigkeit der Sache, für die
man sich einsetzt, für die man brennt und, nicht zu
vergessen, durch das Vertrauen der Anderen.
Wer von einer Sache nicht begeistert ist, kann andere
davon nicht überzeugen. Vertrauen wächst in gegen-
seitiger Vertrautheit, in bewährter Gemeinschaft und
in gegenseitigem Respekt und Wohlwollen.
Dazu ein Beispiel:
Ein Lehrer kann seinen Schülern den vorgeschriebenen
Wissensstoff nicht ohne vertrauensvolle Verbindung
vermitteln. Auch nicht, ohne seinen Schülern zu zeigen,
wie er zu dem Lernstoff steht und welche eigenen
Erfahrungen er mit ihm gemacht hat. Er ist seinen
Schüler*innen auch Lernvorreiter und Vorbild.
Was er sagt, muss ihm auch von den Schülern als
wahr und wichtig abgenommen und von ihnen
angenommen werden. Nur so kann er sie, allmählich,
zu reifen, mündigen und verantwortungsbewussten
Bürger*innen machen. Und: Je mehr sie ihm vertrauen,
desto mehr lernen sie von ihm.
5. Ich muss gelassen und zuversichtlich sein und auf Gottes
Mithilfe bauen, um den unvermeidlich auftretenden Stör-
stürmen gewachsen zu sein. Das gelingt nur durch
eine bewusste Hinwendung zu Gott, durch Demut und die
Unterstützung seines Geistes. Das hat mir geholfen, mein
Pflichtbewusstsein unter das Gebot der Liebe zu stellen.
Ich habe erkannt, dass ich nur dann dauerhaft Gutes tun
kann, wenn es mir gut geht. Ich kann nur dann meine
täglichen Pflichten erfüllen, wenn ich gesund bin.
Und, ich bin nur dann wirklich erfolgreich, wenn mich
in allem Verständnis und Liebe leitet.
Liebevoll kann ich aber nur sein, wenn ich weiß, was
‚lieben‘ tatsächlich bedeutet. Nämlich, dass Liebe mehr
ist als ein erregendes Gefühl.
Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen
Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist nicht eingebildet.
Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen
Vorteil, sie verliert nicht die Beherrschung, sie trägt
keinem etwas nach. Sie freut sich nicht, wenn Unrecht
geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit.
Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie,
allem hält sie stand. (1.Kor 13, 4-7; NGÜ)
Leider war meine Erziehung nicht von dieser Liebe geprägt.
Aber die Liebe Gottes und die Barmherzigkeit Jesu haben
sie mir gezeigt und mich nach und nach stark gemacht in
Demut, Sanftmut und Friedfertigkeit, in Geduld,
Freundlichkeit und Güte, in Treue, Rücksichtnahme und
Selbstbeherrschung.
Ich brenne immer noch, aber heute für das Grundlegende,
das mir immer wieder neue Kraft gibt: Für Liebe und
Frieden unter den Menschen und für unseren gütigen
himmlischen Vater, der uns im allem unterstützt und
der uns weiterhilft, wenn wir nicht mehr können.
Der mir Texte und Gedichte schenkt, in denen ich
meine Liebe einfließen lassen und mit denen ich
Menschen erfreuen kann, in deren Entstehung ich
seine Gegenwart und Führung genieße.
Ja, ich setze mich dafür ein, dass Gott euch allen Mut
und Kraft gibt und euch in seiner Liebe zusammenhält.
Er schenke euch tiefes Verstehen, damit ihr die ganze
Größe seines Geheimnisses erkennt. Dieses Geheimnis
ist Christus. (Kol 2,2; HfA)
