Akzeptiere das, was du nicht ändern kannst

und ändere das, was du nicht akzeptieren kannst.

 

 

Akzeptiere oder Ändere!   (Lk 6,39+41-42)

 

Hallo Du,

immer wieder höre ich Aussagen wie:

„Ich ‚liebe‘ meine Frau bzw. meinen Mann, aber …

das und das und das gefällt mir an ihr/ihm nicht (mehr).

Immer wieder sage ich ihr/ihm was ich nicht mag,

aber es wird immer schlimmer. Ich halte das nicht mehr aus.

Ständig bete ich, dass Gott sie/ihn verändere, aber es tut

sich nichts!“ Hatte man sich nicht gerade für diesen Menschen

einmal entschieden?

 

Wenn man erst einmal am Anderen einen scheinbaren

Makel gefunden hat, der das persönliche Empfinden stört,

dann finden sich bald auch noch andere. Man sucht diese

Makel und entdeckt dabei eigene Probleme, die aber

‚natürlich durch den/die Andere verursacht sind‘.

 

Was ist die Folge davon? Die bisherige ‚Liebe‘ wird vernebelt.

Die eigene Unzufriedenheit mit der/dem Anderen wächst.

Aus Mücken werden Elefanten. Aus liebevollem Übersehen

und Akzeptieren, wird Gejammer, Gemecker, Vorwurf und

Ablehnung. Man will die/den Anderen ändern und hält das

auch noch für berechtigt. Die/der Andere wehrt sich, erhebt

vielleicht Gegenvorwürfe. Eine Verständigung miteinander

wird immer schwerer. Die angebliche ‚Liebe‘ schwindet und

verwandelt sich in Unduldsamkeit. Langsam aber sicher

geht die Beziehung in die Brüche.

 

Je mehr man gegen etwas oder jemanden ankämpft, desto

größer wird der eigene Aufruhr, der eigene Schmerz, das

eigene Leiden. Das aber will man nicht wahrhaben!

Man ahnt die eigene Beteiligung und dann kommen

beschönigende Sätze wie:

‚Aber, ich liebe sie/ihn doch!‘  

‚Aber, ich will doch nur das Beste für sie/ihn!‘  

‚Aber warum hört sie/er denn nicht auf mich?‘  

‚Aber, ich habe doch recht.

Meine Freundin/mein Freund sagt das ja auch!‘  

‚Andere Frauen/Männer sind doch auch nicht so?‘

 

Interessant,

dass Menschen ‚Schwächen‘ bei anderen viel deutlicher

   sehen, als bei sich selbst.

dass unzufriedene und meckernde Menschen sich immer

   im Recht fühlen?

dass diese Menschen alles besser wissen, ihr Wissen aber

   nicht auf sich anwenden.

dass solche Menschen gerne die Meinung anderer zur

   eigenen Bestätigung benutzen.

dass Menschen gerne in andere hineinlegen, was ihnen

   an sich selbst nicht gefällt.

 

In der Bibel sagt Jesus in einem Vergleich: „Kann ein

Blinder einen Blinden führen?  Werden nicht beide in die

Grube fallen? Wie kommt es, dass du den Splitter im Auge

deines Bruders siehst, aber den Balken in deinem eigenen

Auge nicht bemerkst?

Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: ›Bruder, halt still!

Ich will den Splitter herausziehen, der in deinem Auge sitzt‹

– und bemerkst dabei den Balken im eigenen Auge nicht?

Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen

Auge; dann wirst du klar sehen und kannst den Splitter,

der im Auge deines Bruders ist, herausziehen.‘

(Lk 6,39+41-42;NGÜ)

 

Jesus sagt hier genau das Gegenteil von dem, wie Menschen

sich oft verhalten:

‚Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge; dann

wirst du klar sehen‘. Wer seine Nase über etwas oder

jemanden rümpft, schätzt es/ihn gering, setzt es/ihn

verächtlich herab. Er sollte sich an die eigene Nase fassen,

sich also zuerst um die eigenen Fehler und Mängel kümmern

und daran arbeiten. Und wenn sie/er die entdeckt hat,

dann bemerkt sie/er die eigene Unvollkommenheit,

dann relativieren sich schnell die Fehler und Mängel der

Anderen, dann erkennt sie/er vielleicht die Liebe im

Gegenüber, die die eigenen Schwächen bisher großzügig

übersehen hat.

 

Aber es kann auch anders kommen. Vorwurfsvolle,

schwache Menschen können richtige Rechenkünstler sein.

Bei wechselseitigen Vorwürfen rechnen sie die dabei

genannten Schwächen gegenseitig auf und finden bei

der/dem Anderen immer mindestens eine mehr.

Das soll die eigene Position bestätigen und sich das Recht

geben, sich weiterhin über die/den Anderen zu erheben.

 

Ein weiteres Problem in solchen Auseinandersetzungen ist,

dass Menschen an eine unmittelbare Verbindung zwischen

Ursache und Auswirkung, also zwischen den Fehlern

anderer und dem eigenen Ärger glauben.

So einfach ist das aber nicht. Deutlicher gesagt:

Meist erkennen wir die wahren Ursachen nicht.

Wir vermuten sie nur. Und auf den eigenen Vermutungen

aufbauend, erklären wir uns dann die Auswirkungen

beim Anderen und glauben, unsere Vermutungen

würden stimmen. Meistens tun sie das aber nicht!

Das heißt: Wir unterstellen ihnen etwas und bewerten

und verstehen sie falsch! Das stört sie natürlich.

Und bereits das ist ein Keil in der Beziehung, besonders,

wenn eine Seite auf ihrer sehr subjektiven Meinung beharrt.

 

Hinzu kommt noch, dass wir Aussagen von anderen oft

nach der jeweilig eigenen Laune sehr subjektiv sehen

und nicht so, wie sie tatsächlich gesagt oder gemeint waren.

Und oft haben viele fremde Aussagen gar nichts mit der

eigenen Person zu tun. Schlimm ist, dass man sich dann

trotzdem angegriffen fühlt, überreagiert und den Anderen

gegenüber ungerecht wird, weil im eigenen Kopf ein

falsches Signal angekommen ist, das dann leider das

weitere Denken, Reden und Verhalten bestimmt.

 

‚Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge; dann

wirst du klar sehen und kannst den Splitter, der im

Auge deines Bruders ist, herausziehen.‘

 

Klar zu sehen bedeutet demnach, zuerst sich selbst und

die eigenen Mängel und Schwächen zu erkennen und

abzustellen.

Es bedeutet auch, realistisch zu werden, sich nicht mehr

angegriffen zu fühlen, aber auch, die eigenen Mängel

nicht mehr zu leugnen, zu verstecken oder schön zu reden.

Und es bedeutet, im Inneren die wahren Ursachen

ergründet und gefunden zu haben, um andere besser zu

verstehen, um gelassener und vergebungsbereit zu

werden, zu sich und zu anderen.

 

Nun komme ich zu dem Aspekt ‚Ändern‘.

Gemecker, Gejammer, wütende Vorwürfe und zornige

Ablehnung bezeugen nicht Stärke, sondern Schwäche.

Sie zeigen Ohnmacht und sie verstärken und vertiefen

das eigene Leiden! Sie sind auch eine Distanzreaktion.

„Ich brauche jetzt meine Ruhe! – Ich will nicht mehr

leiden! Ich ziehe mich zurück!“

 

Im besten Fall führen sie zu Erschrecken und zu eigener

Besinnung und Änderung. Andernfalls schwächen sie

weiter. Dann sind sie nur ein wiederholtes Dampfablassen,

das Kraft raubt, das den Innendruck reduziert, das weiter

im Elend verharren und versinken lässt. Man verbleibt

im dunklen Leidenstal und erreicht die ersehnten

Freudeshöhen nicht. Man bleibt im Gemecker und

Gejammer, weil man sich nicht dagegen auflehnt,

weil man im Selbstmitleid versunken ist und schmollt,

weil man sich im Recht sieht, sich lieber depressiv

zurückzieht und nicht bereit ist, an sich selbst zu

arbeiten, sein Denken zu ändern, mit dem Jammern

aufzuhören, sich nicht mehr aufzuregen oder sich selbst

mit fremder Hilfe ändern zu lassen.

 

Wenn man eine Situation, einen Menschen oder den

eigenen Schmerz nicht mehr aushält, ein ‚Akzeptieren‘

also nicht mehr möglich ist, dann muss etwas

geschehen! Dann muss man selbst aktiv werden,

um wieder zu genesen und froh zu werden.

 

Was könnte das beispielsweise sein?

Hilfe suchen. Fragen stellen. Rat annehmen.

In ehrlichen Gesprächen Klarheit finden.

Daraus Konsequenzen ziehen und das Alte hinter

sich lassen.

 

Das gilt zunächst nur für die eigene Person, nur für das

eigene Innenleben, nur für die aufgewühlte Seele, nur zum

Ordnen der tobenden Gedanken. Bereits diese innere Klärung

kann Probleme auflösen und Veränderung bewirken, kann

neues Denken und Verhalten erzeugen. Das ist der

leichtere Weg.

 

Wenn jedoch eine friedliche Verständigung nicht mehr

möglich ist, wenn durch ständige Verletzung und

Erniedrigung die gegenseitige Zuneigung und das

Vertrauen geschwunden sind, wenn die Beziehung in die

Brüche gegangen zu sein scheint, wenn das Gemecker,

Gejammer nicht beendet werden kann, dann beginnt der

schwerere Weg, der nur dem  gelingt, der mit sich und

seinen ‚Feinden‘ wieder ins Reine kommt, der offen und

vertrauensvoll neu beginnt, der sein weiteres Leben, jetzt

gereift, wieder liebevoll, duldsam und vergebungsbereit

führt. Am besten mit Gottes Hilfe und in fester Verbindung

mit ihm, denn ohne ihn bleiben wir gefährdet durch Reste

noch vorhandener Ängste, Einstellungen, Vorstellungen

und Erwartungen, die nur langsam schwinden, die viel

Wärme, Zuwendung und Geborgenheit brauchen, um

auszuheilen. Gott und unser Glauben geben uns Rückhalt

und Hoffnung.

Erst wenn der Balken im eigenen Auge entfernt ist, kann

die Wunde heilen.

Erst wenn die Wunde verheilt ist, wird man wieder

lebensmutig.

Erst mit neuem Lebensmut wagt man wieder Offenheit

und Vertrauen.

Erst dann kommt die Liebe Gottes in uns zurück, die

Paulus in 1.Kor 13,4-7 beschreibt.

 

Natürlich würden wir Schwierigkeiten gerne meiden, doch

sie sind lebensnotwendig, sie weisen uns auf eigene Mängel

hin. Jede und Jeder hat, entsprechend seinen falschen

Einstellungen, andere Schwierigkeiten. Sie sind eine Prüfung.

Man kann durch sie bitter werden, sich von ihnen zerstören

lassen oder sie mit Gottes Hilfe überwinden und gestärkt

aus ihnen hervorgehen.

Auf jeden Fall haben Schwierigkeiten vier positive Auswirkungen.

 

1. Sie machen demütig. Sie erleichtern die Hinwendung zu Gott

    und das Beten.

2. Sie machen eigenes Versagen deutlich und ermöglichen,

    es zu korrigieren.

3. In ihnen werden Einstellungen, Glaube und Gottvertrauen

    geprüft.

4. Sie ermöglichen Erfahrung, die wir an andere weitergeben

    können.

 

 

Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen

Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist nicht eingebildet.

Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen

Vorteil, sie verliert nicht die Beherrschung, sie trägt

keinem etwas nach. Sie freut sich nicht, wenn Unrecht

geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit.

Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie,

allem hält sie stand. (1.Kor 13, 4-7; NGÜ)

 

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