Gott, ich traue auf dich!

 

Hallo Du,

ich habe schon oft über Urvertrauen, Gottvertrauen und den Vertrauensvorschuss geschrieben. Dennoch möchte ich noch einmal darauf zurückkommen, denn ohne Vertrauen gibt es keine wirkliche Nähe, keine tragfähige Verbindung und keine tiefe Beziehung.

Viele betrachten Beziehungen heute vor allem unter dem Gesichtspunkt des eigenen Nutzens. Sie erwarten Vorteile und meinen deren Annehmen sei bereits ein Ausdruck von Liebe und Vertrauen.

Doch so ist es nicht.

Eine echte Beziehung dient nicht dem eigenen Vorteil. Sie ist ein Übungsfeld der Liebe, des gegenseitigen Achtens, des Sich-Zuwendens, Unterstützens und Ehrens.

Wer liebt, der gibt. Der schenkt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Er zeigt seine beste Seite, um dem anderen zu helfen, ihn zu fördern und stark zu machen. Keiner darf den anderen ausnutzen, täuschen oder herabsetzen. Wer das tut, erhebt sich über den anderen. Dahinter stehen Hochmut, Kontrolle und Herrschsucht – statt Liebe.

 

1. Urvertrauen und Gottvertrauen

Ich möchte meine Ausführungen mit Psalm 25,20 beginnen:

„Bewahre meine Seele und errette mich; lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich.“

Dieser Vers verbindet auf wunderbare Weise Urvertrauen und Gottvertrauen.

Urvertrauen ist die Grundfähigkeit eines Menschen zu glauben:

Das Leben trägt mich. Ich bin nicht allein. Ich darf sein.

Gottvertrauen geht noch einen Schritt weiter:

Gott trägt mich. Ich bin bei ihm geborgen. Ihm kann und darf ich mich anvertrauen.

 

Urvertrauen ist wie die Wurzel, Gottvertrauen wie der Baum, der daraus wächst.

Ein Mensch kann Urvertrauen besitzen, ohne Gott ausdrücklich zu kennen. Er erlebt:

Das Leben ist grundsätzlich gut. Schwierigkeiten sind nicht das Ende. Ich darf mich dem Leben öffnen.

Gottvertrauen richtet sich dagegen nicht nur auf das Leben, sondern auf den lebendigen Gott.

Hinter dem Leben steht ein Du. Hinter dem Tragen steht ein Träger. Hinter der Liebe steht ein Liebender.

Der Psalmist sagt: „Ich traue auf Dich.“

Ein Kind lernt zuerst: „Meine Mutter liebt und trägt mich.“

Später entdeckt es: „Das Leben trägt mich.“ Oder noch tiefer: „Gott trägt mich.“

 

2. Das Geheimnis des Vertrauens

Das Geheimnis des Vertrauens besteht darin, dass geschenktes Vertrauen oft mit Gegenvertrauen beantwortet wird. Wer einem Menschen Vertrauen schenkt, signalisiert ihm: „Ich sehe nicht zuerst deine Fehler und Schwächen. Ich sehe deine Würde. Ich traue dir Gutes zu.“ Dadurch entsteht im anderen häufig der Wunsch, diesem Vertrauen zu entsprechen.

Das hat mit unserem Wesen als Menschen zu tun. Wir sind keine Inseln. Wir sind auf Beziehung angelegt. Wir brauchen Zuwendung, Anerkennung und Wertschätzung. Wir möchten gesehen, verstanden und angenommen werden.

Wenn ein Mensch erlebt, dass ihm vertraut wird, fühlt er sich nicht nur sicherer. Er fühlt sich auch wertvoller. Das stärkt seine Bereitschaft, sich zu öffnen, Verantwortung zu übernehmen und seinerseits Vertrauen zu schenken.

Vertrauen wirkt deshalb oft wie ein Samen. Es bringt im anderen etwas hervor, das vorher vielleicht noch verborgen war.

 

3. Wenn Urvertrauen verletzt wird

Viele Menschen haben durch andere Lebensbrüche erlebt. Ständige Kritik, Ablehnung, Unsicherheit, Verlust oder Enttäuschung haben Spuren hinterlassen.

Dann fällt oft auch das Gottvertrauen schwer und die Seele fragt:

„Wenn Menschen nicht zu mir stehen, warum sollte Gott es tun?“

Im Psalm sagt David nicht: „Weil ich stark bin, vertraue ich.“

Er sagt: „Bewahre mich … rette mich … denn ich traue auf dich.“

Damit macht er deutlich: Vertrauen entsteht nicht aus Stärke, sondern oft gerade aus Bedürftigkeit. Gott beginnt gewissermaßen, zerbrochenes Vertrauen von innen neu aufzubauen.

 

Gottvertrauen ist die Entdeckung, dass wirklich tragendes Vertrauen nicht aus uns selbst stammt, sondern aus der Verbindung mit Gott entsteht. Je mehr uns das bewusst wird, desto weniger müssen wir alles selbst schultern.

In dieser Erkenntnis wird Psalm 25,20 zu einem inneren Gebet:

„Bewahre meine Seele. Nicht meine Kraft soll mich halten. Nicht meine Sicherheiten. Nicht mein Verstehen. Du selbst bist der Boden, auf dem ich stehe. Darum traue ich auf Dich.“

Das ursprüngliche Gefühl, getragen zu sein, findet seine tiefste Quelle in der Gewissheit: „Ich werde von Gott getragen.“

 

4. Wenn Kritik Vertrauen zerstört

Urvertrauen entsteht durch Beziehungserfahrungen. Ein Kind entwickelt Vertrauen, wenn es spürt:

Ich bin willkommen. Ich darf Fehler machen. Ich werde nicht weggestoßen.

Ich werde unterstützt, auch wenn ich schwach bin.

 

Dauernde Kritik vermittelt dagegen oft eine ganz andere Botschaft:

Du bist nicht genug. Du musst besser werden. Mit dir stimmt etwas nicht.

Erst wenn du anders bist, (so wie ich es erwarte,) wirst du angenommen.

Die Seele wird dadurch verunsichert und beginnt, sich selbst zu misstrauen.

Wo Selbstmisstrauen wächst, wird auch das Vertrauen in andere Menschen schwierig und oft sogar auch das Vertrauen in Gott. So entsteht nicht selten ein verbogenes Gottesbild. Gott erscheint als kritischer Beobachter, als herzloser Prüfer oder als Richter, der vor allem Fehler sucht.

Doch Kritik zerstört nicht nur Vertrauen. Sie zerstört oft auch die Bereitschaft, überhaupt noch Vertrauen zu schenken.

Dabei beginnt jedes Vertrauen mit einem kleinen Vertrauensvorschuss.

Ein Kind prüft nicht zuerst, ob die Arme seiner Mutter stark genug sind. Es lässt sich hineinnehmen. Es schenkt Vertrauen, bevor es Beweise gesammelt hat. Erst aus dieser Erfahrung wächst die Gewissheit: „Ich werde tatsächlich getragen.“

Wird ein solcher Vertrauensvorschuss immer wieder positiv beantwortet, entsteht die Gewissheit: Das Leben ist gut. Menschen können verlässlich sein. Ich darf mich öffnen.

Wird er dagegen immer wieder enttäuscht, verletzt oder mit Kritik beantwortet, beginnt die Seele vorsichtiger zu werden. Dann entsteht oft die Haltung: „Erst wenn ich sicher bin, werde ich vertrauen.“ – „Erst wenn ich Beweise habe, werde ich mich öffnen.“

Doch darin liegt die Schwierigkeit: Vertrauen entsteht nie allein aus Beweisen. Es braucht immer auch einen ersten Schritt ins Ungewisse.

 

5. Gottvertrauen als heilende Antwort

In Psalm 25 wagt David dennoch, mit seiner Not zu Gott zu kommen. Er versteckt seine Schwäche nicht, sondern bringt sie vor Gott. Gerade darin zeigt sich sein Vertrauen.

„Bewahre meine Seele und errette mich; lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich.“

Er sagt nicht:

„Ich habe alles überprüft.“ „Ich habe alle Antworten.“ „Ich kenne den Ausgang.“

Er sagt:

„Ich traue auf dich.“ Das ist bereits ein Vertrauensvorschuss.

David vertraut Gott, bevor Rettung sichtbar ist. Er vertraut nicht, weil Gott bereits gehandelt hat. Er vertraut, damit er Gottes Handeln erhalten kann.

Darin liegt ein weiteres tiefes Geheimnis: Jedes menschliche Gottvertrauen ist letztlich Antwort auf den göttlichen Vertrauensvorschuss., der ihm vorausgeht.

David wagt diesen Schritt auf Gott zu nicht aus eigener Stärke. Er antwortet auf einen Gott, der ihm längst mit Treue, Geduld und Liebe entgegengekommen ist. Durch dieses Anvertrauen beginnt in ihm Heilung.

David erkennt: Gott kennt meine Fehler und zieht sich trotzdem nicht zurück.

Gottes Liebe sagt ihm: „Du bist wertvoll. Deshalb begleite ich dich auf deinem Weg der Veränderung.“ Seine Treue ist der eigentliche Vertrauensvorschuss an uns. Er liebt immer zuerst. Seine Liebe stärkt unser Vertrauen, weil sie uns Menschen nicht wegen unserer Schwächen verlässt.

Die empfindsame Seele anerkennt:

Gott klagt nicht an. Seine Wahrheit beschämt nicht. Seine Korrektur erniedrigt nicht. Seine Liebe entzieht sich nicht. Er hält zu mir.

In dieser Gewissheit kann sie beten: „Bewahre meine Seele, denn ich traue auf Dich.“

Gott, ich vertraue Deiner Liebe und Deiner Treue. Es geht Dir um meine Seele, um mein Wohlbefinden und um meine Gesundheit. Es geht Dir um unsere vertrauensvolle und beständige Beziehung. Darum, dass auch ich Dich liebe und in Deiner Liebe bleiben möchte.

 

Schluss

Urvertrauen beginnt damit, dass ein Mensch einem anderen sein Herz öffnet. Gottvertrauen beginnt damit, dass der Mensch erkennt: Gott hat sein Herz längst für ihn geöffnet.

Dann wird auch unser Vertrauen zur Antwort auf sein Vertrauen.

Psalm 25,20 wird so zum Echo dieser Wahrheit:

„Bewahre meine Seele und errette mich; lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich.“

 

Ich vertraue Dir und baue auf Dich,

weil Du mir zuerst vertraut hast,

weil Du mir zuerst entgegengekommen bist,

weil Du mir Deine Treue im Voraus geschenkt hast.

Deswegen wage ich, Dir zu vertrauen!

 

 

 

(Dieser Beitrag ist im Zusammenwirken mit dem Copiloten von Microsoft entstanden.

 

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