Wie kann ich gestärkt aus Katastrophen gehen?

 

Was ist eine Katastrophe?

Dass das Essen angebrannt ist?

Dass das Knie schmerzt?

Dass man krank ist?

Dass man immer mehr vergisst?

Dass man nicht weiterweiß?

Nein, das sind keine Katastrophen.

 

Eine Katastrophe ist normalerweise ein unerwartet eintretendes, verhängnisvolles Geschehen, das viele Menschen gleichzeitig betrifft. Wenn sie uns selbst trifft, empfinden wir das als katastrophal, als ein einschneidendes Erlebnis, als schlimm und mit unheilvollen Folgen verbunden, als ein Ereignis mit entsetzlichen, fürchterlichen und schrecklichen Auswirkungen. Manche sehen darin auch einen bewussten Schicksalsschlag einer höheren Macht.

 

Katastrophen sind wie furchtbare Hurrikane in unserem Leben, in denen wir stark gebeutelt werden, uns als ohnmächtig erkennen und unser Weiterleben als aussichtslos sehen. Katastrophen sind Tiefpunkte, auf die wir gerne verzichten würden.

 

Naturkatastrophen, wie verheerende Stürme, Erdbeben, Vulkanausbrüche, Flutwellen oder Überschwemmung mit Verlust von Haus und Hof und Gefährdung des eigenen Lebens habe ich, Gott sei Dank, noch nicht erlebt, aber doch schon so manch andere, kleinere Katastrophen wie Unwetter oder Schwierigkeiten, die ausweglos erschienen.

 

Beispielsweise:

Aus Unwissenheit habe ich Fehler gemacht

   und falsche Ziele verfolgt.

Kindheitserlebnisse haben mich zu falschem Denken

   und Handeln geführt.

Überhöhte Ansprüche hatten falschen Entscheidungen

   zur Folge.

Eine schmerzhafte und quälende Krankheit hat mich

   viele Jahre gebeutelt.

Immer wieder sind geliebte Menschen gestorben.

Manche habe ich aus den Augen verloren, weil sie

   in Neid, Gier, Ehrgeiz oder überstarken Selbstbezug

   abgeglitten sind, andere in anhaltenden Hochmut,

   in Stolz und Besserwisserei, oder auch in Sucht und

   zersetzendes Selbstmitleid. 

Andere sind aus eigener oder fremder Unaufmerksamkeit

   oder Bequemlichkeit in fatale Situationen geraten, 

   auch durch Intrigen und Raffinesse. Sie haben dabei

   die Arbeitsstelle, die Familie und Freunde, ihren guten Ruf

   und ihr Vermögen, auch ihren Lebensmut und ihre

   Lebensfreude verloren. 

Meine schlimmste Katastrophe war, dass ich mich

   irgendwann selbst verloren hatte, ohne es zu bemerken.

 

Es gibt wohl keine Erwachsenen, die nicht Ähnliches

erlebt haben.

 

Aus meinen Katastrophenerfahrungen habe ich gelernt:

Es kommt nicht darauf an, welcher Katastrophe wir ausgesetzt sind, sondern viel mehr darauf, wie wir uns darin verhalten und was wir aus ihr lernen. Katastrophen sind schmerzhafte Wendemöglichkeiten. Sie sind markante Wegkreuze, die zur Umkehr mahnen.

 

In meinem Leben habe ich vier Möglichkeiten

zu deren Überwindung gefunden:


1. Ich haderte mit meinem Schicksal und bin dabei

    immer tiefer ins Lamentieren gefallen, in bejammerndes

    Selbstmitleid, in Ausweglosigkeit und Selbstaufgabe.

    Das Leben mied mich. Das lasse ich nicht mehr zu!

    Das schadet nur! 

 

2. Ich ließ das Geschehen nicht an mich heran,

    verdrängte und überspielte es, setzte mich damit

    nicht auseinander, lief davon und malte mir

    mein Leben schön.

    Weil sich die Realität nicht änderte, lebte ich

    dauerhaft in einem eingebildeten, trügerischen

    Luftschloss am Leben vorbei. Ich träumte von

    einer prächtigen Kutsche, die mich ins Leben

    zurückbringen würde, die aber nie kam.

    Das lasse ich nicht mehr zu!

 

3. Ich hinterfragte das Geschehen. Ich machte Inventur,

    durchstand sie und hake die Vergangenheit ab.

    Ich stand wieder auf und begann neu. Immer wieder!

 

Doch diese drei Einsichten führten nicht dauerhaft

zu Entlastung, Wohlbefinden und innerem Frieden.

Die Dritte, war noch die Beste. Ich lernte:

Wenn ich beim Neubeginn nur auf mich selbst baue,

bin ich bald wieder in Schwierigkeiten.

 

4. Zur vierten Möglichkeit ein persönliches Erlebnis:

    Kurz vor meiner Umkehr zu Gott, in einer dieser

    schmerzlichen Lebenskatastrophen, hatte ich eine

    kurze Vision, einen hellen Moment der Erkenntnis.

    Ganz plötzlich erfasste ich meine üble Lage glasklar

    und sah meine traurige Zukunft. Mir wurde deutlich,

    was ich zu verändert hatte, um nicht endgültig

    unterzugehen. Geführt von einer unsichtbaren Kraft,

    handelte ich entschieden und entschlossen.

 

Diese unübliche Methode skizziere ich in 3 Punkten:

 

1. Wo stehe ich?

– Ich höre in mich, besinne und hinterfrage mich

    und meine Situation.

– Ich mache Inventur und bedenke,

    was mir geblieben ist.

– Ich ergründe, was mir innerlich fehlt

    und was mich glücklich machen würde.


2.
Nun mit Gott

– Ich unterstelle mich und mein Leben ganz Gott.

– Ich bete und durchstehe jede Situation mit

    Gottes Hilfe und Unterstützung.

– Mit Jesus überwinde ich alte Bindungen

    und Abhängigkeiten.

– Mit ihm stehe ich aus dem Elend auf und beginne

    neu. Angeleitet durch sein Wort, geführt von seinem

    Geist, gehalten in seiner Liebe und ermutigt

    durch seine Vergebung.


3. In Gottvertrauen

– Demütig suche ich das Wollen Gottes

   und richte ich mich danach.

– Ich freue mich über mein neues Leben

   und bin dankbar für jede neue Chance.

– Ich lasse mich im Denken, Fühlen, Verhalten

   und Tun von Jesus erneuern, um Gott mit

   meinen Gaben liebevoll dienen zu können.

 

Bei der 4. Möglichkeit habe ich durch Gottvertrauen

in allen Nöten einen festen Halt gefunden und habe

gelernt, all das an Gott abzugeben, was mich überfordert.

 

In den Tiefen hatte ich mir gewünscht, mein Leben

möge doch nur aus Höhen bestehen. Aber jedes Leben

beinhaltet Beides. Das muss so sein, denn:

 

Ohne Tiefen gäbe es kein Besinnen und kein Reifen,

   ohne Höhen keine Freude, keine Ermutigung

   und kein Danken.

Nur Tiefen, das würde uns zerstören.

   Nur Höhen, das würde uns überheblich machen.

Die individuelle Mischung machts. Sie zeigt uns

   unsere Ohnmacht und Hilfsbedürftigkeit, unsere

   Abhängigkeit vom Schöpfer und seine gebende Liebe.

 

Gott sei Dank für diese Weisheit, für seine Gnade,

für jede prüfende Fügung und für sein lehrendes

und erhellendes Wort in der Bibel.

 

In Mt 24,45-47 gibt Jesus uns in einem Beispiel

einen Hinweis, wie wir gestärkt aus Katastrophen

gehen werden:


Woran erkennt man denn einen treuen und klugen Diener?

Angenommen, ein Herr hat einem seiner Diener die

Verantwortung übertragen, der ganzen Dienerschaft

(Gemeinde) zur gegebenen Zeit das Essen (seine Worte)

auszuteilen. Wenn nun sein Herr kommt und ihn bei der

Arbeit findet – wie glücklich ist da der Diener zu preisen!

Ich sage euch: Der Herr wird ihm die Verantwortung für

seinen ganzen Besitz übertragen.

 

 Anfangsgebet

 

Barmherziger Vater und Schöpfer,

wir fürchten uns vor Katastrophen,

die unser Leben gefährden

und die die Lebensfreude trüben,

die uns verunsichern und

uns aus dem Gleichgewicht bringen,

die uns die Hoffnung rauben

und an dir zweifeln lassen.

 

Und Herr, ich habe die leise Ahnung,

dass du gerade das bezweckst,

damit wir geläutert und gestärkt

aus ihnen hervorgehen,

mit deiner Unterstützung.

 

Herr, in allem brauchen wir dich,

deine Liebe und Führung,

deine Hilfe und Unterstützung,

deine Vergebung und deine Kraft,

deinen Segen.

 

Herr, du tust uns kund den Weg zum Leben

mit deinem Wort und deinem Sohn.

Erinnre uns immer wieder daran!

 

In den Psalmen lesen wir:

Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne

zu deiner Rechten ewiglich. (Ps 16,11)

 

Das gefällt uns und darauf hoffen wir.

Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir

rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.

(Ps 90,14)

 

Herr,

gebe uns auch in Katastrophen in dir Halt

und lasse uns erkennen, wozu sie dienen können,

z.B. ob unsere Treue und unser Vertrauen in dich

echt sind.

 

Herr, segne unser Bitten.

 

Amen.

 

 

Fürbittgebet

 

Barmherziger Jesus,

wir wünschen uns ein Leben in Glück und Fülle,

ein erfülltes und zufriedenes Leben,

und vergessen dabei,

dass es im Leben keine Freiheit von Leid gibt,

dass Freude und Leid zusammengehören.

 

Herr, helfe uns,

im Einklang mit unserem Gewissen zu leben,

im Einklang mit deinem Wort zu leben

und damit auch mit dir, unserem himmlischen Vater.

 

Sei du der gute Hirte für alle,

die in ihren Katastrophen blind sind,

nicht mehr ein und aus wissen,

Orientierung und Führung suchen

und ohne Hilfe untergehen würden.

 

Wir bauen auf dein Erbarmen und deine Liebe.

Wir vertrauen auf dein Eingreifen.

Wir hoffen auf Rettung aus unseren Nöten.

 

Deine Liebe umhülle uns.

Deine Güte und Gnade stärke uns.

Deine Geduld und Treu ermutige uns.

Dein Geist leite uns.

 

Herr,

führe uns zurück zu Freude und Frieden.

Lehre uns, in allem auf dich zu schauen,

uns nie von dir abzuwenden,

immer auf deine Worte zu hören.

 

Helfe uns,

anderen in ihren Katastrophenliebevoll beizustehen

damit auch sie deinen Frieden finden.

 

Amen.

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