Stirbst du noch oder liebst du schon?

 

Leitvers

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben

von ganzem Herzen, von ganzer Seele

und mit all deiner Kraft und deinem

ganzen Gemüt, und deinen Nächsten

wie dich selbst. (Lk 10,27)

  

Anfangsgebet

 

Oh Gott,

ja, das Leben ist so anstrengend,

dass ich das Gefühl habe,

immer weniger zu werden,

nach und nach ein bisschen

mehr zu sterben,

mich immer mehr zu verlieren

und von dir entfernt zu werden.

Und das schlimmste ist:

Ich kann nichts dagegen tun.

 

Gott, ich brauche deine Hilfe!

Wir brauchen deine Hilfe!

Nur du kannst unser Schicksal wenden.

Nur du kannst unser Leiden beenden.

Nur du kannst neue Hoffnung geben

und uns führen zurück ins Leben.

 

Öffne uns die Augen, Ohren,

lasse uns nicht sein wie Toren,

sondern gebe uns neues Leben,

eines, in dem wir sind dir hingeben,

eines, in dem deine Liebe uns leitet

und uns Herz und Seele weitet.

Amen.

 

 

Input

Stirbst du noch oder liebst du schon?

Das ist eine Frage an jeden.

Was beinhaltet sie?

Mit Joh 12,24 und Gal 5,22

steige ich in das Thema ein:

 

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:

Wenn das Weizenkorn nicht

in die Erde fällt und erstirbt, bleibt

es allein; wenn es aber erstirbt,

bringt es viel Frucht.

 

Die Frucht hingegen, die der Geist

Gottes hervorbringt, besteht in Liebe,

Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit,

Güte, Treue, Rücksichtnahme und

Selbstbeherrschung.

 

In meinem Buch ‚Der Du in mir‘,

habe ich dem ‚In der Welt immer wieder

ein bisschen mehr sterben‘,

ein ganzes Kapitel gewidmet.

 

Dieses ‚Sterben‘ geschieht darin

im Raum des Leidens.

In einem Lebensraum voller Schmerz,

Angst, Leid, Überforderung und

Einsamkeit.

In einem Raum voller schlimmer

Erinnerungen, alter Verletzungen,

Hilflosigkeit und Verlassenheit.

In einem Raum, der uns befangen macht

und gefangen hält, dem wir entfliehen

wollen, in dem wir ganz uns selbst

überlassen sind.

Solch ein Raum ist die Hölle.

 

Es ist ein Raum ohne Liebe,

ohne Freude, ohne Frieden,

ohne Gemeinschaft und ohne Gott.

Es ist unser Denk- und Handlungsraum,

in dem wir Gott ferne sind.

Meist nicht, weil wir das bewusst

so wollen, sondern,

– weil wir selbstbezogen

   und gedankenlos sind,

– weil uns Spaß und Lust

   und Erleben wichtiger ist,

– weil uns niemand von Gott

   erzählt hat und wir ihn deswegen

   nicht  kennen,

– weil wir nicht gelernt haben,

   mit ihm zu reden und auf ihn zu hören,

– weil wir nicht glauben,

   dass es ihn wirklich gibt,

-weil wir uns Fehler ungern eingestehen

   und uns ungern etwas sagen lassen,

– weil wir nicht wissen,

   was Gott für uns will.

 

Es ist wie auf einer Rutschbahn:

Ohne den Glaubensanker und ohne

einen festen Gottbezug, rutschen wir

immer tiefer in die Gottesferne

hinein und das Absterben des Guten,

des Liebevollen und Reinen in uns

hat kein Ende.

 

Sterbe ich noch?

Sterben wir noch?

Stirbst du noch?

 

Hier eine fast alltägliche,

sehr menschliche Geschichte dazu:

„Heute Nacht habe ich schlecht geträumt.

Ich war spazieren und es begann zu regnen.

Kein Regenschirm. Ich eile zurück.

Mist. Jemand hat mir etwas auf die

Hauswand gesprüht. Ich lese:

„Du hast einen Vogel!“

 

Nein, habe ich nicht!

Mein Sohn hatte einen Wellensittich,

als er noch klein war.

Aber der hatte zu viel Dreck gemacht.

Müde, verwirrt und genervt wache ich auf.

Ich fühle mich mies. Es ist schon hell.

Schlaftrunken setze ich mich auf, um ins

Bad zu gehen.

 

Mist! Mein linker Fuß hat den Boden

zuerst berührt.

Ich verspüre ein inneres Ziehen.

Na, das kann ja heute heiter werden.

Ganz vorsichtig wanke ich ins Bad,

stoße mir unterwegs ein Knie an der

Tür an (Mist!) und brauche so, statt

11 Schritten heute 13. Mist!

 

Ich schaue in den Spiegel,

ob ich einen Vogel sehe, sehe aber

hauptsächlich Flecke auf dem Spiegel.

Ursache: Wasser, Seife, Zahnpasta.

Dazwischen keinen komischen Vogel,

nur mich.

Ich will die unschönen Flecke entfernen,

greife zur Schublade, um ein Tuch

herauszuholen und verstauche mir dabei

einen Finger. Mist!

 

Trocken wische ich fest über den Spiegel,

aber die Spritzer bleiben. Mist!

Ich reibe fester und verstauche

mir das Handgelenk. Mist!

 

Nun  putze ich mir mit meiner tollen

Elektrozahnbürste die Zähne.

Plötzlich ist der Akku leer. Mist!

 

Dann wasche ich mein Gesicht

und Seifenlauge läuft mir ins Auge.

Ich taste nach dem Handtuch.

Dabei stoße ich den Zahnputzbecher um.

Mist!

 

Er fällt auf den Boden. Mist!!

 

Zum Glück ist er ist aus Plastik.

Wo ist das Handtuch?

Ich taste vorsichtig danach,

fasse es,

trockne das Gesicht ab,

wässere anschließend die Augen

und kann wieder sehen.

Alles ist nass.

Der Boden ist glatt.

Mist!!!

 

Hole aus einem Unterschrank

den Putzlappen und stoße mir dabei

am Waschbecken den Kopf an. Mist.

 

Gehe benommen auf die Knie.

Wische mit der rechten Hand

das Wasser auf. Die linke Hand halte

ich abwehrend über mich.

Es würde mich nicht wundern,

wenn mir auch noch der Himmel

auf den Kopf fällt.

 

Endlich geschafft.

Langsam wanke ich zurück

ins Schlafzimmer,

mache einen Bogen

um die blöde Tür

und ziehe mir enttäuscht die

Jesus-Latschen von den Füßen.

Die haben auch nicht geholfen.

Langsam, niedergeschlagen und

deprimiert, verkrieche ich mich

unter die Decke zurück ins Bett.

Mist, es ist kalt.

 

Mal wieder kein guter Tag.

Mir fällt ein: Heute ist der 13.

Kein Wunder!

Das Joggen verschieb

ich lieber auf Morgen.

Kann es noch schlimmer werden?

 

Mist!!! Morgen ist Muttertag.

Mama besuchen, freundlich tun,

lächeln, Gerede,

Gedrückt und abgeküsst werden.

Besser, ich geh nicht hin.

Bleibe wieder im Bett.

Wer nichts macht,

macht ja auch nichts verkehrt

– oder so ähnlich.

 

Natürlich kann ich nicht schlafen.

Der seltsame Vogeltraum geht mir

nicht aus dem Kopf.

Was wollte er mir zeigen?

Um mich abzulenken, greife ich

zum bisher ungelesenen Leihbuch

neben mir.

Es hat den auffordernden Titel:

Symplify your life –

Vereinfache dein Leben.

Ich schlage es irgendwo auf und lese:

Reg dich nicht auf!

Ein Zettel fällt aus dem Buch.

Auf der einen Seite steht

in schönster Handschrift:

Seid allezeit fröhlich,

betet ohne Unterlass,

seid dankbar in allen Dingen;

denn das ist der Wille Gottes

in Christus Jesus für euch.

(1. Thess 5,16-18) 

 

Ha! Ha!

 

Auf der anderen Seite steht:

Biblische Sprüche.

Ein Betrübter hat nie einen guten Tag;

aber ein guter Mut ist ein tägliches Fest.

 

Der Weg des Faulen ist wie eine

Dornenhecke; aber der Weg  der

Aufrechten ist wohlgebahnt.

 

Ein fröhliches Herz macht ein

fröhliches Angesicht; aber wenn

das Herz bekümmert ist, entfällt

auch der Mut.

 

Also gut, morgen werde ich fröhlich

zur Arbeit gehen, fleißig sein und

gute Werke tun.

Ich werde meinen immer schlecht

gelaunten Kollegen Fischer

freundlich begrüßen.

Ich werde Frau Müller diesmal nicht

aus dem Weg gehen,

dem Chef ein Kompliment machen

und freiwillig für alle Kaffee kochen.

Ich werde einen Tag lang nicht über

andere lästern und wieder einmal

großzügig über meine Mängel

hinwegsehen.

Und ich verspreche hoch und heilig:

An Pfingsten gehe ich vielleicht mal

wieder in die Kirche.

Und – heute sage ich nicht mehr ‚Mist‘.

 

Ich bin gespannt, was jetzt passiert.

Vielleicht reißt ja meine Pechsträhne.

Vielleicht kann ich ja das Schicksal

erweichen.

 

Auf dem stillen Örtchen erkenne ich:

So kann es nicht weitergehen!

Mein Leben ist keins.

Es kommt mir vor, als würde ich

jeden Tag ein bisschen mehr sterben,

als würde ich nach und nach

dem Leben absterben, entgleiten.

Mis….!

Ich spreche es nicht aus.

Ein Gedanke schießt mir durch den Kopf:

Ohne Liebe ist alles nichts!

 

Zurück am Arbeitsplatz:

Ich finde ich ein Memo von Christel.

Sie schreibt mir:

Ich werde nicht sterben, sondern leben

und des HERRN Werke verkündigen.

Der HERR züchtigt mich schwer; aber

er gibt mich dem Tode nicht preis.

(Ps 118,17-18)

 

Ja, ja, die Christel. Sie hat eine ganz

andere Lebenseinstellung.

Sie sieht immer alles positiv.

Sie hält alles für bedeutsam,

für helfende Hinweise.

Sie ist eben eine liebenswürdige

und einfühlsame Kollegin.

Weshalb denkt sie so oft an andere?

 

Bestimmen vielleicht mein Denken

und meine Lebenseinstellung

mein Leben?“

Habt ihr mein Sterben erkannt?

 

Zurück zur Ausgangsfrage:

Stirbst du noch oder liebst du schon?‘

Meine Antwort darauf ist:

Wenn ich genauer darüber nachdenke,

gibt es für mich kein entweder – oder.

Manchmal sterbe ich noch

und immer öfter liebe ich schon.

Immerhin!

 

Ich schlage die Bibel auf und finde

drei Aussagen zum Thema:

 

Röm 8,13 Wenn ihr euer Leben von

eurer eigenen Natur bestimmen lasst,

müsst ihr sterben. Doch wenn ihr in

der Kraft von Gottes Geist die alten

Verhaltensweisen tötet, werdet ihr leben.

 

Joh 12,25 Wem sein eigenes Leben

über alles geht, der verliert es. Wer aber

in dieser Welt sein Leben loslässt, der

wird es für das ewige Leben in Sicherheit

bringen.

 

Joh 13,34 Ich gebe euch ein neues Gebot:

Liebt einander! Ihr sollt einander lieben,

wie ich euch geliebt habe.

 

Und ich erkenne:

Ich bin enttäuscht.

Ich bin verbittert.

Ich bin ängstlich.

Wohin bin ich geraten?

Ich liebe weder das Leben

noch mich richtig!

Ich brauche wieder Hoffnung

und eine positive Lebenseinstellung.

Ich brauche Hilfe von außen,

von oben! Ich möchte wieder lieben

können!

Bitte, Gott, helfe mir!

 

Mein neues Gottvertrauen lässt mich

immer mehr Altes loslassen und immer

mehr Neues in mir entstehen.

Und das ist schön!

So kann es weitergehen!

 

Ja, wer nicht liebt, der stirbt

und wer liebt, der lebt immer besser.

Danke Gott.

 

 

Fürbittgebet

Großer Gott wir loben dich,

deiner Lieb und Gnade wegen.

Dein Geist möge regen sich,

uns zur Nächstenlieb bewegen.

Jesus, schenk uns Zuversicht,

verzag an unsren Schwächen nicht.

 

Herr wir bitten:

Schenke den Regierenden

Weisheit und Liebe,

für das Volk.

 

Schenke den Geistlichen

führende und tröstende Worte

für die Gläubigen.

 

Schenke den Reichen

helfende Hände

für die Armen.

 

Schenke den Gesunden

Beistand und Mitfühlen

für die Kranken.

 

Schenke den Jungen

Geduld und ein offenes Ohr

für die Alten.

 

Schenke den

Mühseligen und Beladenen

Vertrauen und ein weites Herz

für Jesus.

 

Schenke du uns allen,

ein neues Leben deiner Fülle,

ein Ergriffensein von deiner Güte

und Dankbarkeit für deine weise Fügung.

 

Herr, wir lieben dich von ganzen Herzen,

von ganzer Seele, mit all unserer Kraft

und mit ganzen Gemüt.

 

Im Namen unseres Herr Jesus Christus

bitten wir:

Helfe uns allen immer wieder,

unsere Nächsten so zu lieben

wie uns selbst.

 

Amen.

 

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