Wissenslücken   (Mt 7,7-8)

 

Hallo Du,

ich hatte heute Morgen einen erstaunlichen Klartraum über die Entstehung von Irrtümern, Missverständnissen und Vermittlungsfehlern. Immer noch überwältigt von den neuen Erkenntnissen sitze ich nun am PC, um sie weiterzugeben.

Unser Wissen ist wie ein Puzzlebild, bei dem viele Teile fehlen. Es ist bruchstückhaft und man kann das Bild nur erahnen. Das ist normal und wir würden es ohne Irrtum, Hör- oder Sehfehler kaum bemerken. Unser Gehirn mag das nicht und füllt unbemerkt und kreativ, die vielen vorhandenen Lücken ‚irgendwie‘ – mit Annahmen, Vermutungen, Erfahrungen, Einstellungen, Gefühlen oder Prägungen, die das löcherige Wissen verständlicher und logischer machen sollen. Aber die Lückenfüller sind kein echtes Wissen und sie enthalten auch keine objektive Wahrheit. Sie können falsch oder zumindest irritierend sein!

Deswegen müssen wir uns eingestehen: Unsere Wissensüberzeugung ist trügerisch! Wir glauben nur, zu wissen und zu verstehen! In Wirklichkeit aber haben wir vieles nie völlig verstanden und bisher unbewusst mit vielen Wissenslücken und Irrtümern gelebt!

Lässt sich das ändern? Ja, durch mehr Aufmerksamkeit und durch Dazulernen. Aber – aber Lücken bleiben immer. Das ist normal. Niemand ist perfekt – und muss es auch nicht sein. Spontane kreative Gehirnergänzungen bereichern unser Leben und gegenseitige Hilfe fördert die Gemeinschaft.

 

Ich übertrage dieses Teilwissen nun einmal beispielhaft aufs Bibelwissen

Bruchstückhaftes Bibelwissen und Gottverständnis führen leicht zu Irrglauben.

Paulus sagt in 1. Korinther 13,9a und12: „Denn was wir erkennen, ist immer nur ein Teil des Ganzen. …Jetzt sehen wir nur ein undeutliches Bild wie in einem trüben Spiegel. Einmal aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke, doch, so deutlich, wie Gott mich jetzt schon kennt.

Diese Wahrheit schmerzt, lässt aber auch hoffen. Irgendwann werden wir klarer erkennen. Auf dem Weg dorthin – wird es nach und nach besser, wenn wir es wollen.

Gott kennt unsere Lücken und möchte sie sinnvoll füllen, damit wir ihn – und uns selbst – richtig verstehen. Sich der eigenen Schwächen bewusst zu sein, ist schon eine gute Einsicht. Das lässt Hilfe zu. Paulus lernte damals: ‚Wo ich schwach, hilfsbedürftig und offen bin, (und nicht denke, es selbst zu wissen),da kann Gott in mir stark wirken!‘

Dafür erhalten gläubige Christen den Heiligen Geist, der sie u.a. Gottes Wort verstehen lässt und der für Klarheit und Verständnis sorgt.

Paulus schreibt: „Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden.“ (1. Kor 2,14)

Und direkt davor: „Uns hat Gott durch seinen Geist sein Geheimnis enthüllt. Denn der Geist Gottes weiß alles, er kennt auch Gottes tiefste Gedanken. So wie jeder Mensch nur ganz allein weiß, was in ihm vorgeht, so weiß auch nur der Geist Gottes, was Gottes Gedanken sind.“ (1. Korinther 2,10-11; HfA)

 

Wie sorgt der Heilige Geist für Klarheit und Verständnis?

Hier einige Beispiele:

Er öffnet das Verständnis für die Schrift indem er den Text mit dem Herz verbindet, bis es plötzlich „klickt“.

Er erleuchtet unser inneres Auge, indem er Schleier wie – Stolz, Angst oder falsche Bilder von Gott entfernt, damit wir Gottes Wahrheit besser verstehen.

Er lehrt und erinnert uns an alles, was wir aus der Bibel kennen, wenn wir es brauchen, bspw. im Alltag, in besonderen Situationen, beim Lesen, beim Problemlösen oder beim Argumentieren. Er ruft uns Bibelworte ins Gedächtnis und zeigt uns ihre Bedeutung fürs Geschehen.

Er verändert unser Wollen. ‚Wissen‘ ist noch nicht ‚Verstehen‘. Verstehen ist nicht nur „kapieren“, sondern neues Wissen auch „annehmen“ und sich ‚danach richten‘.

„Gott ist es, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen“ (Philipper 2,13). Der Heilige Geist entfernt Stolz und Hochmut und macht uns bereit, uns von Gottes Wort korrigieren zu lassen – was wir nicht so gerne haben. Er nutzt u.a. die Arbeit, Bibellesen, Predigt, Gespräche, Gebet – und arbeitet darin unsichtbar.

Er weckt in uns das ‚Verstehen-Wollen‘ und ‚Dranbleiben‘. Nur wer immer wieder sucht, wird auch immer wieder finden. Das meint: Gott wirkt – und wir arbeiten mit. Der Heilige Geist macht das Herz hungrig nach Erkenntnis, aber wir entscheiden, ob wir wirklich verstehen und unsere Lücken füllen wollen, bspw. durch tiefergehendes Suchen, Fragen und Ringen und damit, dass wir Unklarheiten solange nachgehen, bis uns die Zusammenhänge wirklich klar wurden.

Er ruft uns ins Gottvertrauen zurück, überführt uns von dem, was uns klein hält, und erinnert uns an die Freiheit, zu der wir geschaffen sind – aber er zwingt nicht.

Wer nicht an Jesus dranbleibt, der geht zwischendurch eigene Wege! Dranbleiben bedeutet auch, immer wieder zu ihm zurückzukehren.

 

Praktisch heißt das: Fragen beim Predigt hören und beim Bibellesen nicht übergehen. Nicht aufgeben, wenn etwas unklar blieb. Hinterfragen, nachfragen, weitersuchen, nachlesen. Und auch, ehrlich bitten: „Herr, ich möchte verstehen – unterstütze mich dabei und zeige mir den nächsten Schritt.“

Jesus sagt: „Bittet, und es wird euch gegeben; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet. Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird geöffnet.“ (Mt 7,7-8).

Gott benutzt dann ganz verschiedene Werkzeuge – Bibel, Predigten, andere Christen, Bücher, Gespräche, usw. um dir zu antworten, dich aufzuklären und um dir weiterzuhelfen.

 

Unser ‚Dranbleiben‘ am Bibeltext und an Jesus, füllen die vielen kleinen Wissenslücken und führen zu tiefer Wahrheit, Klarheit und Sicherheit – im Verständnis Gottes – nach und nach!

 

Das alles gilt auch fürs alltägliche Leben und für jede Gemeinschaft. Sorgen wir dafür, dass falsche Sicherheiten aufdeckt und notdürftig „gefüllten Lücken“ korrigiert und mit echtem Wissen gefüllt werden, damit unser Verstehen immer besser wird und damit wir uns seltener irren!

Bleiben wir demütig und lernbereit.

 

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