Wissen oder Unwissen?
Hallo Du,
Wissen erhält man durch lernen und dazulernen, immer wieder, lebenslang.
Lernen wird vertieft durch Fragen, durch Befragen, durch Nachfragen, durch Hinterfragen, durch hartnäckiges ‚Sich auseinandersetzen‘ mit Unklarem oder Unbekanntem. Zielgerichtete Fragen, die auf Vorwissen beruhen, helfen weiter.
Da jede Antwort neue Fragen aufwirft, ist und bleibt unser Wissen begrenzt.
Unbegrenztes Wissen, Allwissen, gibt es für Menschen nicht. Dafür ist unsere Speicherkapazität zu klein, unser Horizont zu niedrig, unser Vorstellungsvermögen zu begrenzt und unsere Lebenszeit zu kurz. Außerdem vergeht Wissen, ist irgendwann veraltet oder die genaue Erinnerung lässt nach und verblasst. Manche Menschen behaupten, etwas zu wissen, haben nur begrenztes Teilwissen, bauen auf die Unwissenheit anderer, um sie zu täuschen oder zu beeindrucken.
Unbegrenztes Wissen übersteigt nicht nur unsere Möglichkeiten und Fähigkeiten, sondern ist auch sinnlos. Denn wir können jederzeit den allwissenden Gott oder das Internet mit Google befragen oder auch die neu aufkommenden künstlichen Intelligenzen. Aber, Wissen ist nur dann hilfreich, wenn es auch verständlich, anwendungsbezogen und bedarfsangemessen ist und weitergegeben werden kann. Denn, zu viel theoretisches Wissen verwirrt und zu wenig wirkliches Wissen, sich ständig irrt.
Besser ist es, auf einem kleinen Sachgebiet viel zu wissen, die Zusammenhänge zu kennen und praktische Lösungen zu finden. Spezialist/in auf einem Spezialgebiet wird man durch schrittweises Dazulernen, Ergänzen, Aktualisieren, Vertiefen und Anwenden. Noch effektiver sind Teams, Gemeinschaften mit gleichem Ziel, in denen verschiedene Wissensbereiche sich produktiv ergänzen.
Sokrates, hatte die Weisheit und Demut zu sagen: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ 1. Korinther 8,2 besagt: „Wenn jemand meint, er habe etwas erkannt, der hat noch nicht erkannt, wie man erkennen soll.“ Paulus will damit sagen, dass menschliche Erkenntnis immer subjektiv und begrenzt ist und dass die wahre Weisheit allein von Gott kommt. Die wahre Weisheit besteht darin, die eigenen Grenzen des Wissens zu erkennen. Vielleicht auch darin, mit dem Herzen liebevoll zu sehen und zu erkennen.
Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird geöffnet. (Lk 11,10; NGÜ)

