Wir brauchen einander!
Alle in der Gemeinde waren ein Herz und eine Seele.
Niemand betrachtete sein Eigentum als privaten Besitz,
sondern alles gehörte ihnen gemeinsam. (Apg 4,32)
Hallo Du,
kürzlich las ich einen Artikel über Forschungsergebnisse
im Bereich der Sozialphysik. Darin wurde dargelegt, dass
hohe soziale Interaktion nicht nur klüger macht, sondern
auch Voraussagen zulässt, wie erfolgreich jemand oder
eine Gruppe, im Leben oder im Beruf sein wird.
Ähnliche Aussagen mit dem Focus auf dem Individuum
gab es bereits bei den Untersuchungen zur emotionalen
Intelligenz, über die ich im Zusammenhang mit
Begabung und Sensibilität schon geschrieben habe.
Erstaunlich für mich sind die Parallelen zwischen den
Ergebnissen der Sozialphysik und der biblischen
Lehre, dem Veränderungsweg von Christen und
der Bedeutung der Mitchristen in den Gemeinden.
Eine Kernerkenntnis daraus ist für mich:
Wir brauchen einander!
Ohne die speziellen Begabungen und Fähigkeiten,
Sichtweisen, Ansichten und Erfahrungen von anderen
bleiben wir begrenzt und unvollkommen!
Unsere Mitmenschen erweitern unseren Horizont.
Im Austausch mit ihnen werden wir kompetenter.
Auch die Aussagen zur Gruppenstruktur bestätigen
meine Erfahrungen:
Jegliche Dominanzbestrebungen von Chefs oder
Gruppenmitgliedern sind schädlich. Vielmehr soll jeder
seine Meinung und sein Wissen einbringen und die
Gesprächsanteile dabei sollen gleich verteilt sein.
In erfolgreichen Gruppen und Teams gibt es keine
taktischen Geplänkel. Es redet jeder gleichberechtigt
mit jedem. Das gibt Sicherheit und verstärkt das
Vertrauen sowie die Bindungen untereinander.
Geschieht das tatsächlich so zwischen Eltern,
im Freundeskreis, bei der Arbeit, in politischen Gremien,
in Kirchen- und Glaubensgemeinschaften?
In erfolgreichen Gruppen und Teams haben alle gleiche
Rechte. Jede Meinung ist gefragt, auch wenn sie ’nur‘
den letzten Stand des individuellen Irrtums darstellt.
Jede Aussage inspiriert andere, entweder zum
Weiterdenken oder zum Überprüfen und Vertiefen
des Erarbeiteten. Es gibt dabei keine Autoren- oder
Eigentumsrechte.
Hintergrund dafür ist: Menschen benutzen fremde Ideen,
verbinden sie mit eigenen, gruppieren sie neu, erproben
sie dann und tauschen sich darüber aus.
Sie werden angetrieben von einer Wissbegier, die dem
Überleben des Einzelnen und der Art dienen.
Dabei entstehen Erfindungen, Weiterentwicklungen
sowie neue Formen von Interaktion, Zusammenarbeit
und Gemeinschaft.
Je mehr die Menschen sich in ihren Netzwerken
aufeinander einlassen und miteinander reden, desto
erfolgreicher sind sie und desto besser sind ihre
Ergebnisse.
Einzelwissen wird optimiert, wenn es weitergegeben,
von anderen aufgenommen, abgesichert und weiterent-
wickelt wird. Dadurch wird das Wissen und Können
der Menschheit immer größer. Die Kulturen entwickeln
sich weiter, nähern sich an und wachsen im Idealfall
zusammen.
Keine Weiterentwicklung und keinen Zugewinn gibt es,
wenn Menschen und Ideen dominiert, ausgegrenzt,
unterdrückt, übergangen oder manipuliert werden.
Erfolgreiche Persönlichkeits-, Meinungs- und Wissens-
bildung braucht Zeit und Geduld und benötigt als
Grundlage direkten Kontakt, gegenseitige Rücksicht-
nahme, Achtung und Wertschätzung.
Weshalb lernen wir?
Wir lernen,
um in der Welt zu bestehen und zu überleben,
um uns in Gruppen einzupassen
und um unsere Fähigkeiten in die Gemeinschaft
einzubringen.
Die Gruppe gibt Schutz und Anregung, ist Lern-,
Übungs- und Bewährungsfeld. Ihre übergreifenden
Regeln ermöglichen gelingende Gemeinschaft,
Strukturierung und Ordnung.
Wie lernen wir?
Lernen basiert
auf freiwilligem Kopieren und Ausprobieren,
auf Versuch und Irrtum, auf der Erfahrung,
was tut mir gut und was nicht,
womit Ecke ich an und womit erhalte ich
Ermutigung, Zustimmung, Bestätigung und
Anerkennung?
Wir verändern unser Verhalten nicht, weil es neue
Gesetze gibt, sondern wir ändern es, wenn uns
Veränderungen vorgelebt werden oder wenn
wir zu deren Einhaltung angeleitet und ermutigt
werden.
Der Artikel enthält ein interessantes Forschungsergebnis:
Menschen sind am motiviertesten, wenn ihre
Freunde belohnt werden!
Wie das? Nicht, wenn die Lernenden belohnt werden?
Nein, deinen Freunden oder Freundinnen wird eine
Belohnung versprochen, die sie erhalten, wenn du
etwas Bestimmtes tust, z.B. wenn du aufhörst zu
rauchen, mehr Sport betreibst, offener oder freundlicher
wirst bzw. Jesus nachfolgst.
Weshalb werde ich dadurch motiviert?
Weil ich meine Freunde und Freundinnen mag.
Weil ich weiß, dass auch sie mich mögen und nur
das Beste für mich wollen.
Weil sie mich ständig zu Veränderungen ermutigen
und darin begleiten.
Weil sie Verantwortung für mich übernehmen
und ich ihnen dafür dankbar bin.
Weil ich in der Freundesgruppe verbleiben und kein
Außenseiter werden möchte.
Meine Freunde und Freundinnen, meine Nächsten,
kümmern sich um mich und spornen mich immer
wieder an, weil sie wegen ihrer Belohnung selbst
ein Interesse an meiner Entwicklung haben, weil ihr
Engagement gut für sie und gut für mich und gut für
die gesamte Gruppe ist, weil sie immer um mich herum
sind und meine Fortschritte erkennen und loben können.
Mir fällt auf:
Das ist doch das Grundprinzip des Christentums,
von Froher Botschaft, Gemeinde, Nächstenliebe
und Fürbitte.
Liebe und Veränderungen werden Fremden in der
Gemeinde vorgelebt. Sie werden von Gläubigen
darin angeleitet und dazu ermutigt.
Und die aktiven Gläubigen werden belohnt, weil der
Fremde ihren Rat angenommen hat, weil er zu einem
von ihnen geworden ist und weil er nun die gleichen
Werte und Ziele vertritt wie sie.
Das motiviert sie, sich auch weiterhin für Fremde
einzusetzen und für sie zu beten.
Das motiviert sie, ihre gute Botschaft weiterzugeben.
Das verstärkt ihr ‚Lieben‘ und ihr ‚Liebe geben‘.
Das gilt auch innerhalb der Gemeinde. Jeder und
jede sorgen dafür, dass es den Anderen gut geht.
Alle kennen ihre Verantwortung für ihre Nächsten.
Alle unterstützen sich gegenseitig, entweder tatkräftig
oder durch Fürbittgebete.
Der Unterstützer wird belohnt, wenn der Unterstützte
Hilfe annimmt und Besserung erfährt und auch dadurch,
dass seine Gebete vom Belohner erhört wurden.
Letztlich hat die gesamte Gemeinde dadurch Vorteile,
weil es allen Mitgliedern besser geht und die Gemein-
schaft weiter gestärkt wurde.
Eine segnende Seele wird reichlich gesättigt, und wer
anderen zu trinken gibt, wird selbst erquickt.
(Spr. 11.25; SLT)
Indem Christen die gute Botschaft von der Befreiung
und Errettung des Menschen durch die Liebe Jesu
weitertragen, lassen sie ihre Liebe für andere fließen
und sorgen sie nicht nur für die Vergrößerung und
Stärkung des Christentums und das Seelenheil von
unglücklichen Menschen, sondern auch für ihre eigene
Liebes- und Glaubensbelohnung durch ihren Herrn,
durch Jesus Christus.
Das ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.
Nächstenliebe ist der Antrieb, der auf andere
übertragen wird, indem man sich um sie kümmert
und für sie betet. Das zeigt die Kraft und die Macht
von Gemeinde, von Nächstenliebe und von
Fürbittgebeten und so ganz nebenbei werden ‚neue‘
wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigt.
Hier einige Beispiele für die Weisheit der Bibel.
Paulus schreibt im Römerbrief 6,6-18:
Gott hat jedem von uns unterschiedliche Gaben
geschenkt. Hat jemand die Gabe, in Gottes Auftrag
prophetisch zu reden, dann muss dies mit der Lehre
unseres Glaubens übereinstimmen. Wem Gott einen
praktischen Dienst übertragen hat, der soll ihn
gewissenhaft ausführen. Wer die Gemeinde im Glauben
unterweist, soll diesem Auftrag gerecht werden.
Wer andere ermutigen kann, der nutze diese Gabe.
Wer beauftragt ist, die Armen zu versorgen, soll das
gerecht und unparteiisch tun. Wer eine Gemeinde
zu leiten hat, der setze sich ganz für sie ein.
Wer Kranke und Alte zu pflegen hat, der soll es gern tun.
Eure Liebe soll aufrichtig sein.
Und wie ihr das Böse hassen müsst,
sollt ihr das Gute lieben.
Seid in herzlicher Liebe miteinander verbunden,
gegenseitige Achtung soll euer Zusammenleben
bestimmen. Bewältigt eure Aufgaben mit Fleiß,
und werdet nicht nachlässig.
Lasst euch ganz von Gottes Geist durchdringen,
und dient Gott, dem Herrn. Seid fröhlich in der
Hoffnung darauf, dass Gott seine Zusagen erfüllt.
Seid standhaft, wenn ihr verfolgt werdet. Und lasst
euch durch nichts vom Gebet abbringen.
Helft anderen Christen, die in Not geraten sind, und seid
gastfreundlich! Bittet Gott um seinen Segen für alle, die
euch verfolgen, ja, betet für sie, anstatt sie zu verfluchen.
Freut euch mit den Fröhlichen! Weint aber auch mit den
Trauernden! Seid einmütig untereinander! Strebt nicht
hoch hinaus, und seid euch auch für geringe Aufgaben
nicht zu schade. Hütet euch vor Selbstüberschätzung
und Besserwisserei.
Vergeltet niemals Unrecht mit neuem Unrecht. Euer
Verhalten soll bei allen Menschen als ehrbar gelten.
Soweit es irgend möglich ist und von euch abhängt,
lebt mit allen Menschen in Frieden.
1.Kor 7,7: Ich wollte zwar lieber, alle Menschen wären,
wie ich bin, aber jeder hat seine eigene Gabe von Gott,
der eine so, der andere so.
1.Kor 12, 7-11: In einem jeden offenbart sich der Geist
zum Nutzen aller; dem einen wird durch den Geist
gegeben, von der Weisheit zu reden; dem andern wird
gegeben, von der Erkenntnis zu reden, nach demselben
Geist; einem anderen Glauben, in demselben Geist;
einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem
„einen“ Geist; einem andern die Kraft, Wunder zu tun;
einem andern prophetische Rede; einem andern die
Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern
mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe,
sie auszulegen.
Dies alles aber wirkt derselbe „eine“ Geist und teilt
einem jeden das Seine zu, wie er will.
1.Kor 12, 24-27: Gott hat den Leib zusammengefügt
und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben, d
amit im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder
in mgleicher Weise füreinander sorgen.
Und wenn „ein“ Glied leidet, so leiden alle Glieder mit,
und wenn „ein“ Glied geehrt wird, so freuen sich alle
Glieder mit. Ihr aber seid der Leib Christi und jeder
von euch ein Glied.
Eph 1,18: Er öffne euch das innere Auge, damit ihr seht,
welche Hoffnung er euch gegeben, zu welch großartigem
Ziel er euch berufen hat. Er lasse euch erkennen, wie
reich er euch beschenken will und zu welcher Herrlichkeit
er euch in der Gemeinschaft der heiligen Engel bestimmt hat.
Phil 2,1: Bei euch gibt es doch das ermutigende Wort
im Auftrag von Christus; es gibt den tröstenden Zuspruch,
der aus der Liebe kommt; es gibt Gemeinschaft durch
den Heiligen Geist; es gibt herzliches Erbarmen.
2.Kor 13,13: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus,
die Liebe Gottes und die Kraft des Heiligen Geistes,
der euch Gemeinschaft untereinander schenkt, sei
mit euch allen!

