Wie werden wir vollkommen?

 

Ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmelvollkommen ist. (Mt 5,48)

 

Hallo Du,

eine vollständig eingerichtete Wohnung ist nicht ständig voll, sondern lediglich mit den nötigen Möbeln und Geräten versehen. Sie ist komplett eingerichtet und mängelfrei. Man kann mit ihr restlos zufrieden sein.

 

Ist ein Mensch vollständig, wenn er ständig voll ist? Mancher fühlt sich dann zwar so, weiß aber spätestens hinterher, dass dieses Gefühl ein Selbstbetrug ist.

 

Manche Menschen bilden sich ein, vollkommen zu sein. Sie wären es gerne. Sie halten sich für einwandfrei, fehlerlos, ideal, makellos, perfekt, tadellos, unübertrefflich, vollendet oder gar fromm und meinen, es durch Einbildung schon zu sein. Doch dann kommt ein kurzes Un-, eine Unaufmerksamkeit, eine Unbedachtheit, das unschöne Erwachen: Sie sind es doch nicht! Welch bittere Erfahrung, welch tiefer Sturz. Das macht sie völlig fertig. Das entthront sie gänzlich. Das entzieht ihnen komplett den Boden unter den Füßen. – Es sei denn, sie übersehen es einfach eitel.

 

Normalerweise ist es umgekehrt. Menschen fühlen sich unvollkommen. Irgendetwas fehlt ihnen noch, sie wissen aber nicht was. Wollen wir nicht alle vervollkommnet sein? Deshalb versuchen wir doch ständig, uns selbst mit allem Möglichen zu ergänzen, mit Habe, Wissen, Macht oder Unabhängigkeit, mit Mann bzw. Frau, mit Kind, Freund/in, mit Hund, Sport, Kleidung oder Schminke. Und weil das nicht funktioniert, vielleicht frustriert auch mit Arbeit, Happening oder Ablenkung. Paulus schreibt:

 

Wir bleiben unzufrieden und unvollkommen. Wie wäre es mit Ergänzung und Erweiterung durch einen anderen Blickwinkel, eine andere Perspektive, einen Blick hinter den eigenen Horizont oder einen anderen Maßstab?

 

Richtet euch nicht länger nach ´den Maßstäben` dieser Welt, sondern lernt, in einer neuen Weise zu denken, damit ihr verändert werdet und beurteilen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob Gott Freude daran hat und ob es Vollkommen ist. (Röm 12,2)

 

Wie wäre es mit einer erfüllenden Beziehung, mit einer Verbindung, einem Bund, der keine Fragen mehr offenlässt. Wie wäre es mit der Kraft der annehmenden Liebe, die Furcht und Zweifel vertreibt, die offenbart, was uns fehlt, die verdeutlicht, was wir haben?

 

Wer auf der Suche nach Vollkommenheit ist, kommt irgendwann zu der Erkenntnis, dass dazu Weisheit nötig ist, nämlich die zu erkennen, dass wir etwas brauchen, was Menschen nicht haben und nicht geben können. Wer auf der Suche nach Vollkommenheit ist, findet heraus, dass nur Gott vollkommen ist.

 

Eines Tages aber wird das sichtbar werden, was vollkommen ist. Dann wird alles Unvollkommene ein Ende haben. …. Jetzt sehen wir alles nur wie in einem Spiegel und wie in rätselhaften Bildern; dann aber werden wir ´Gott` von Angesicht zu Angesicht sehen. (1.Kor 13, 10+12)

 

Gott ist vollkommen.

Gottes Wege sind vollkommen. (Ps 18,31)

 

Das Gesetz des Herrn ist vollkommen, es stärkt und erfrischt die Seele. Was der Herr in seinem Wort bezeugt, darauf kann man sich verlassen, auch einem Unerfahrenen wird dadurch Weisheit geschenkt. (Ps 19,8)

 

Wir brauchen Gott in unserem Leben, eine spirituelle, inspirierende, offenbarende und feste Verbindung mit dem Vollkommenen, denn von Gott kommt alles, in ihm ist alles und durch ihn wird alles.

 

Es ist letztlich Gott, der uns fehlt. Nur mit ihm werden wir vollkommen. Er komplettiert und vervollkommnet uns. Weil er der Schöpfer ist weiß er, was jedem fehlt bzw. was nicht gut für ihn ist. Er weiß, dass unsere Wohnung übervoll und unübersichtlich ist. Indem er und mit sich ergänzt, mit dem Großartigen, nach dem wir uns sehnen, mit seiner Liebe, Güte und Fülle, mit Ziel, Sinn, Bedeutung und Erfüllung, räumt er das Gerümpel in uns fort.

 

In Gott hat ja alles nicht nur seinen Ursprung, sondern auch sein Ziel. (Hebr 2,10)

 

Wenn wir durch ihn dann alles haben werden was wir brauchen und davon auch noch abgeben können, dann sind wir vollkommen.

 

Ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. (Joh 17, 22-23)

 

Memento:

Vor allem aber bekleidet euch mit der Liebe; sie ist das Band, das euch zu einer vollkommenen Einheit zusammenschließt.  (Kol 3,14)

 

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