Wer macht was? 

 

Bringe du mich zur Umkehr, so werde ich umkehren. (Jer 31,18)

 

Hallo Du,

als ich zur Welt kam, war ich hilflos und hilfsbedürftig, ohne Gedanken und ohne Arg, wie ein leerer Kessel, der vom Leben zu füllen ist und dessen Persönlichkeit durch die Füllung bestimmt wird.

 

Seitdem wurde ich mit sehr Unterschiedlichem gefüllt, mit Grundlegendem und Widersprüchlichem, mit Schönem und Wunderbarem, mit Schmerzlichem und Bösem, mit Vergiftendem und Heilendem. Das Meiste von dem konnte ich mir nicht aussuchen. Es wurde einfach in mich hinein gefüllt. Und jetzt muss ich damit leben. Kein Wunder, dass diese Brühe nicht sehr geschmackvoll ist, dass meine Persönlichkeit spitze Ecken und scharfe Kanten hat. Für mich ist das in Ordnung, denn ich kenne nichts besseres. Doch ich nehme an, dass sie für andere eine ziemliche Zumutung ist, weil es mir mit ihrer Brühe und Persönlichkeit oft ähnlich geht. Sind wir diesem Inhalt ausgeliefert?

 

Wie könnte ich erkennen, dass mit meiner Brühe, Persönlichkeit, etwas nicht stimmt, wenn sie mir so vertraut ist und ganz normal erscheint, wenn sie mich ausmacht, wenn gerade sie mich einmalig macht?

 

Doch von Geburt aus bin ich nicht Inhalt, sondern Kessel, ein von Gott gemachtes Gebilde aus verschiedenen Elementen, die von ihm in diese Form gebracht wurden. Der Kessel hält viel aus, doch harte Schläge von außen und zersetzenden Säuren der Vergiftung und Verbitterung von innen können ihn zerstören. Mein Unwohlsein lässt mich das ahnen.

 

Nun gibt es Menschen, die wollen mir einreden ich sei nicht in Ordnung. Andere wollen mich nach ihren Vorstellungen und Erwartungen verändern. Manche zwingen mich sogar Dinge zu tun, die mir nicht gefallen. Kein Wunder, dass ich vorsichtig bin, dass ich ihr Wollen und ihren bestimmenden Willen nicht gerne annehme, dass ich lieber eigene Wege gehe.

 

Ja wenn es jemanden gäbe, dem ich vertrauen könnte, der mich nicht bestürmt, zu etwas zwingt oder mir undurchschaubare und zweifelhafte Vorschriften macht und der nicht nur seinen Vorteil sieht und mich für seine Zwecke benutzen möchte.

Wenn es jemanden gäbe, der mich nur deswegen liebt, weil auch ich liebenswürdig und beachtenswert bin, trotz meiner Schwächen und Fehler, dann würde mir das Zuhören und das Darauf hören leichter fallen, dann könnte ich Hinweise aufnehmen und annehmen, dass Veränderung mir gut täte, dass meine Persönlichkeit eine Reinigung und Entschlackungskur bräuchte.

 

Wer könnte das sein? Mit den meisten Menschen habe ich bisher schlechte Erfahrungen gesammelt und die wenigen Gütigen hatten oft keine Zeit.

 

Jetzt höre ich, dass es einen Gott gibt, der mich schon deswegen liebt, weil er mich erschaffen und in diese Welt gebracht hat und der möchte, dass ich in ihr nicht nur überlebe, sondern auch Freude und Freunde habe. Und ich höre, dass der kann, was ich nicht kann, dass der bewirkt, was ich alleine nicht schaffe.

Den möchte ich kennen lernen, dem möchte ich begegnen, von dem möchte ich lernen.

 

Und was ich da höre erstaunt mich:

Meine Lebensziele sind ganz andere als seine.

Meine Lebensinhalte bestehen aus kurzsichtigem Wollen.

Seine Lebenswerte zeigen mir ein Fundament, das ich bisher nicht hatte.

Seine Gebote weisen einen Weg, den ich gehen kann, aber nicht muss.

Und: Ich muss nicht alles alleine können oder machen. Er will mir dabei helfen.

 

Aus dem, was ich von ihm höre, erkenne ich, dass mir eine Runderneuerung gut täte.

Also beschließe ich, mich zu verändern.

Doch, das klappt nicht. Aus mir heraus schaffe ich das nicht.

Ich werde immer wieder rückfällig.

Zu sehr habe ich mich an den bitteren Geschmack meiner Brühe gewöhnt.

 

Wenn dieser Gott mich schon deswegen liebt, weil er mich erschaffen hat, dann hilft er mir auch das zu vollbringen, was er für mich möchte und was ich selbst nicht schaffe, nämlich die Wendung zum Guten, zum Reinen, zum Geschmackvollen, zum Vollendet werden.

 

Also, du Herr und mein Gott, der du mich liebst und das Beste für mich möchtest:

 

Lass mich umkehren, dass ich umkehre.

Bringe du mich zur Umkehr, so werde ich umkehren.

Geleite du mich auf deinen Weg und halte mich darauf.

Dir vertraue ich! Von dir lasse ich mich gerne führen.

 

Amen.

 

Schreibe einen Kommentar