vertrauen oder anzweifeln?

 

Hallo Du,

das diesjährige Karfreitags- und Osterereignis hallt immer noch in mir nach. Jesus ist von den Toten auferstanden. Jesus lebt und mit ihm auch wir! Jedenfalls alle, die an ihn glauben und ihm vertrauen, die sich als Christen bekennen und seiner Lehre folgen.

 

Aber das ist zu theoretisch-theologisch, zu weltfremd. Ich bin ein spätberufener Christ, der lange ein weltlich denkender Mensch war und der und mit abstrakt- theologischen Aussagen und Predigten nichts anfangen konnte. Da ging es mir wie dem skeptischen Thomas, der handfeste Beweise haben wollte, der selbst die Wundmale Jesu sehen und berühren wollte, der sich selbst davon überzeugen wollte, um zu glauben, dass es wirklich Jesus war, den seine Mitjünger gesehen hatten.

 

Er wollte selbst sein ‚Shalom‘ hören, mit dem er jedem Mitmenschen Unversehrtheit, Wohlergehen, und inneren Frieden wünscht, also umfassendes Glück, und der auch dafür sorgt, dass es so wird.

Er muss den Jesus erkennen, der ihn erwählt hat, dem er vertraut, der ihn sieht, der auf ihn eingeht, der seine Trauer, Furcht, Zweifel und Verunsicherung ernst nimmt und trotzdem das Besondere in ihm sieht.

 

Waren nicht auch seine Mitjünger verunsichert und traurig darüber, dass ihr geschätzter Lehrer und Rabbi grausam hingerichtet wurde und dass Gott das zuließ? Hatten sie nicht alle Jesus in seinen letzten Stunden im Stich gelassen? Hatten nicht alle von einem Messias, von dem Sohn Gottes Anderes, Machtvolles erwartet?

 

Als er nicht dabei war, erschien den Anderen Jesus leibhaftig, trotz verschlossener Türen, trotz ihrer verengten und verängstigten Herzen.

 

Was er diesen verunsicherten Jüngern sagte ist überraschend, phantastisch und nahezu unbegreiflich. ‚Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.‘

Jesus vertraute ihnen (und auch uns) genau den Auftrag an, den Gott ihm gab. Und weil er weiß, dass sie das aus eigener Kraft und eigenem Vermögen nicht können, sie damit überfordert wären, hauchte er ihnen den Atem Gottes ein, seinen Geist, die Kraft deines Heiligen Geistes. Er machte sie (und uns) damit zu seinen bevollmächtigten Boten und Stellvertretern, bevor er in den Himmel aufstieg

 

Was bewirkt dieser Atem Gottes, dieser Heilige Geist?  In Jes 11,1-2 wird prophetisch vorhergesagt:

Der Geist des HERRN wird auf Jesus ruhen, der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Ehrfurcht vor dem HERRN.

Die Jünger erhalten demnach Weisheit und Einsicht, Wissen und Kraft, Erkenntnis und Demut und damit eine ungeheure Weitung über ihr begrenztes Denken und Selbst hinaus. Sie werden befähigt und bevollmächtigt das weiterzugeben, was sie von Jesus gelernt haben und was sie mit ihm erlebt haben. Sie werden sogar befähigt und bevollmächtigt das zu tun, was Jesus tat! Mehr noch: Sogar das Wesen, die Einstellung und das Verhalten Jesu, werden ihnen mit dem Einhauchen übertragen. Sie werden also wie Jesus.

Ist das nicht super? Vielleicht, denn mit diesem Auftrag ist auch eine riesige Verantwortung verbunden.

 

‚Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.‘

Das bedeutet, dass auch sie Sünden vergeben können und dürfen, dass auch sie über das Wohl und Wehe anderer entscheiden werden, dass sie jetzt darüber entscheiden, ob es anderen gut geht wird oder weiterhin schlecht. Trauen wir uns das zu? Das müssen wir gar nicht, denn Gottes verständnisvolle Liebe und sein Heilige Geist werden uns dabei helfen und Gott wird uns dabei leiten.

 

Zurück zu Thomas, der ja nicht dabei war.
Die Anderen berichteten ihm von diesem Geschehen und dieser Beauftragung. Doch für Thomas war das nur indirektes Hörensagen, fremdes Wissen und fremde Überzeugung. Diese Nachrichten sind zu groß, um sie einfach hinzunehmen und zu akzeptieren. Das muss man wirklich selbst erleben. Ihr Sehen – reicht ihm nicht!

 

Acht Tage später erscheint auferstandene Jesus seinen Jüngern abermals und es scheint, dass er nur wegen Thomas noch einmal zu ihnen kommt. (Doch auch wir noch zweifelnden Leser oder Hörer dieser Begebenheit sind jetzt aufmerksam dabei.)

Jesus geht auf den zweifelnden Thomas ein:

Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite. 

Berühre mich und lasse dich von mir berühren. Lasse dich überzeugen. Betaste und erfühle die Wundmale. Sehe und überzeuge dich selbst. Erkenne, ob ich es bin und wer ich bin.
 

Thomas wird überzeugt. Er erkennt, dass Jesus leibhaftig vor ihm steht und mit ihm spricht. Und plötzliche Erkenntnis bricht aus ihn heraus: ‚Mein Herr und mein Gott!‘
Er sieht nicht nur seinen Rabbi, sondern auch seinen Herrn und in ihm Gott.

Woher kommt dieser Durchblick?
Der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Ehrfurcht vor dem HERRN sind auf ihn übergesprungen.

In Mt 15-17 fragte Jesus die Jünger: ‚Für wen haltet ihr mich?‘ Simon Petrus antwortete: »Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!« Darauf sagte Jesus zu ihm: »Glücklich bist du zu preisen, denn nicht menschliche Klugheit hat dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. So ist es jetzt auch mit Thomas.

 

War Thomas vorher ‚ungläubig‘? Meiner Meinung nach ist zweifeln menschlich und eine Vorstufe des Glaubens. Bei allem Neuen oder Unwahrscheinlichem sind wir skeptisch und verunsichert, weil es noch unbekannt ist, weil es uns noch nicht vertraut ist. Wir sind vorsichtig und zurückhaltend! Entweder lehnen wir es ab oder aber, wir sind bereit, es zu erkunden und dazuzulernen, denn das, was wir nicht verstehen, könnte wichtig sein. Es könnte unserer Sicherheit dienen. Deswegen wollen wir dazulernen und sind bereit zu prüfen, ob es gut für uns ist, ob es uns guttut, ob wir dem vertrauen können. Erst dann übernehmen wir es, glauben wir es.

Vielleicht wurde Thomas ja deswegen Didymus – ‚Zwilling‘ genannt, weil zwei Seelen in seiner Brust brannten, die Liebe zu seinem Herrn und die Vorsicht, die der Liebe entgegensteht.

 

Übrigens: Thomas wurde nicht von Jesus angehaucht, sondern durch Tatsachen (Gottesbeweise) überzeugt, durch die Liebe Jesu, durch seine persönliche Zuwendung und sein verbindendes, vertrauendes Entgegenkommen.
Indem er Jesus berührte, berührte auch Jesus ihn. Einsicht ist Erkennen. Der Blick hinter den eigenen Horizont ist Weitung des Geistes. Eine neue Überzeugung auszusprechen, ist Bekenntnis von Irrtum. Dazulernen durch Offenheit, ist eigene Stärkung, ist immer ein Gewinn.

Jesus kennt viele Wege, damit andere so zu werden wie er und auch, um seine Jünger und Jüngerinnen, uns, zu befähigen, zu bevollmächtigen und zu beauftragen.

 

Mich hat Jesus durch sein liebevolles Handeln an mir, durch Erkennen meines alten Ichs und durch die Übertragung eine Aufgabe nach einem innigen Notgebet überzeugt und befähigt. Ich durfte und konnte plötzlich Himmelsbriefe schreiben. Sie wurden und werden mir von seinem Geist eingegeben. Ich stelle dabei meinen nur begrenzten Geist ihm zur Verfügung. Er denkt mich und meine Hand schreibt. Ich vertraue ihm und er gibt und wirkt. Das ist mir ständiger Beweis für seine Gegenwart und seine Identität. Jesus lebt und mit ihm auch ich. Er wohnt in mir und lässt mich und auch euch Zusammenhänge und Hintergründe erkennen, Er lässt uns Gott in Jesus erkennen.

 

Voraussetzung für diese Wunder ist Gottvertrauen, ist, dass wir glauben: Jesus ist der Christus, der versprochene Retter und Sohn Gottes. Dein und mein Herr und Gott. Dann geschieht alles Weitere wie von selbst.

Und wer Jesus vertraut, der hat auch keine Schwierigkeiten mehr, aus den Erlebnissen und Erfahrungen anderer zu lernen und ihren Berichten zu glauben. 

Wenn Jesus ergänzt: ‚Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!‘, dann weist er uns auf die Steigerung von ‚Glauben‘ und ‚Gottvertrauen‘ hin. Dieses Glauben ist vorbehaltloses und blindes Vertrauen in Gott. Es ist ein Rechnen mit der Erfüllung dessen, worauf man hofft und ein Überzeugtsein von der Wirklichkeit noch unsichtbarer Dinge. Es ist vertrauende Zuversicht in Gottes Zusagen – auch in schwierigen Situationen.

 

 

 

Es war am Abend jenes ersten Tages der neuen Woche. Die Jünger hatten solche Angst vor den Juden, dass sie die Türen des Raumes, in dem sie beisammen waren, verschlossen hielten. Mit einem Mal kam Jesus, trat in ihre Mitte und grüßte sie mit den Worten: »Friede sei mit euch!« Dann zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Als die Jünger den Herrn sahen, wurden sie froh.

 

»Friede sei mit euch!«, sagte Jesus noch einmal zu ihnen. »Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich jetzt euch.« Und er hauchte sie an und sagte: »Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr sie nicht vergebt, dem sind sie nicht vergeben.« Thomas, auch Didymus genannt, einer der Zwölf, war nicht dabei gewesen, als Jesus zu den Jüngern gekommen war.

 

Die anderen erzählten ihm: »Wir haben den Herrn gesehen!« Thomas erwiderte: »Erst muss ich seine von den Nägeln durchbohrten Hände sehen; ich muss meinen Finger auf die durchbohrten Stellen und meine Hand in seine durchbohrte Seite legen. Vorher glaube ich es nicht.«

 

Acht Tage später waren die Jünger wieder beisammen; diesmal war auch Thomas dabei. Mit einem Mal kam Jesus, obwohl die Türen verschlossen waren, zu ihnen herein. Er trat in ihre Mitte und grüßte sie mit den Worten: »Friede sei mit euch!«

 

Dann wandte er sich Thomas zu. »Leg deinen Finger auf diese Stelle hier und sieh dir meine Hände an!«, forderte er ihn auf. »Reich deine Hand her und leg sie in meine Seite! Und sei nicht mehr ungläubig, sondern glaube!« Thomas sagte zu ihm: »Mein Herr und mein Gott!« Jesus erwiderte: »Jetzt, wo du mich gesehen hast, glaubst du. Glücklich zu nennen sind die, die nicht sehen und trotzdem glauben.« (Joh 20, 19-29; NGÜ)

 

 

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