Und du willst Christ sein?!

 

Meine Schafe erkennen meine Stimme;

ich kenne sie, und sie folgen meinem Ruf.

(Joh 10,27)

 

Hallo Du,

mir hat einmal jemand vorwurfsvoll gesagt:

‚Und du willst Christ sein!‘

 

Sicherlich hatte ich da irgendeine Eselei

begangen oder etwas gesagt, was (noch)

nicht liebevoll war

oder dieser Mensch wollte sich einfach

über mich erheben und sich selbst

dadurch besser machen

oder er wollte mich beschimpfen,

verunsichern oder schlecht machen

und Macht auszuüben

oder er wollte nur einen Christen

als stillen Mahner seines Gewissens

verunglimpfen.

 

Jedenfalls habe ich mir diesen Hinweis

zu Herzen genommen und mich geprüft;

ganz besonders daraufhin, ob er vielleicht

einen blinden Fleck betreffen könnte,

etwas, das noch unentdeckt tief in mir

verborgen und mir nicht bewusst ist.

 

Ein erkanntes Fehlverhalten habe ich

wie immer reumütig vor Jesus gelegt,

ihm gesagt, dass es mir nicht gefällt und

dass ich es unbedingt loswerden möchte

und ihn dann um seine Mithilfe bei der

nötigen Veränderung gebeten.

 

Im Laufe der Zeit hat Jesus so manches

von mir genommen, was ich selbst nicht

korrigieren, unterdrücken oder loswerden

konnte.

Dadurch hat er mich nach und nach

sich etwas ähnlicher gemacht.

Aber fehlerfrei bin ich deswegen noch

lange nicht.

Ich bin auch nur ein Mensch und brauche

immer wieder Gottes Hilfe und Vergebung.

 

In diesem Vorwurf entdecke ich aber auch

Unwissen und eine verdrehte Einstellung.

Christen sind, wie alle anderen auch,

Menschen mit Schwächen und Stärken.

Sie sind nicht besser und nicht schlechter.

Und ganz gewiss halten sie sich meist

nicht für besser, denn ihnen sind eigene

Schuld und ihre Schwächen bewusst.

Das Gesetz Gottes und seine Gebote

haben sie ihnen offengelegt.

 

Gerade deshalb suchen sie ja die Nähe

zu Gott, um bei ihm Hilfe zu finden,

um davon frei zu kommen,

um immer mehr das Gute tun zu können,

um den Geist Gottes, den Geist der Liebe,

in sich wirken zu lassen.

Damit der Geist Gottes in unserem Leben

nur Gutes hervor bringt:

Liebe und Freude, Frieden und Geduld,

Freundlichkeit, Güte und Treue,

Besonnenheit und Selbstbeherrschung.

(Gal 5,22)

 

Das unterscheidet den echten Christen

von dem, der solche Vorwürfe macht.

Der denkt gesetzlich gebunden

und nach eigenem Maßstab.

Der beurteilt und verurteilt selbstgerecht.

Der macht sich über das Streben nach

Hilfe, Errettung und innerer Reinigung

und Ruhe lustig.

Der lästert damit Gott und erhebt sich

über andere.

Der tut Unrecht und will andere in seinen

stinkenden, bodenlosen Sumpf ziehen.

Der will sich nicht helfen lassen,

schon gar nicht von Gott,

weil er sich selbst als Gott sieht

und aus seiner angemaßten Position

Macht über andere ausüben will.

 

Solche Menschen dulden niemanden

über oder neben sich

und wenn sie sich doch einmal

jemandem beugen müssen,

dann müssen andere darunter leiden.

 

Besonders schlimm ist so ein verdrehter

Vorwurf, wenn er von angeblichen

Christen kommt,

von pharisäerhaft Frommen,

von selbsternannten Vorbildern,

denn die ziehen damit die Liebe, Nachsicht

und Vergebung Gottes in den Schmutz.

Sie halten sich für rein, heilig,

unfehlbar und über das Böse erhaben.

Dabei ist ihr religiöses Verhalten

nur aufgesetzt. Sie tun nur so.

Inwendig sind sie

ungeduldig und unfreundlich,

unbarmherzig und unnachsichtig.

Sie sind nachtragend,

denn wenn sie vergeben

und vergessen würden,

hätten sie ja keine Machtposition mehr.

Solange sie jemandem Böse sein können,

im Vorwürfe machen können,

auf ihm rumhacken können,

ihm die Schuld geben können,

sich über ihn erheben können,

solange verspüren sie in sich

die berauschende Macht des Bösen,

die sie jedoch immer weiter in

Verbitterung und Verstrickung

und Unheil zieht.

 

Es ist traurig, dass gerade sie damit

Jesus ablehnen, den einzigen,

der ihnen helfen könnte.

Und es ist nicht überheblich,

für sie zu beten und Jesus zu bitten,

sich ihrer zu erbarmen.

 

Ja, ich will Christ sein und Jesus

immer ähnlicher werden!

Das Schöne daran ist,

dass ich ein Ziel habe

und voller Hoffnung bin,

dass ich auch in Unvollkommenheit

von Gott angenommen bin,

von ihm geliebt und von Jesus

nach und nach vervollkommnet werde

und,

dass nicht ich mich selbst zum Christ

machen kann, sondern dass Jesus

das tut und Menschen dazu beruft.

Niemand kann mir das absprechen.

Ganz gleich,

auf welcher Entwicklungsstufe ich stehe.

 

Jesus sagt:

Ich bin gekommen, um Menschen

in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen,

die ohne ihn leben – und nicht solche,

die sich sowieso an seine Gebote

halten. (Lk 5,32)

 

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