Torheit
Hallo Du,
die Weisheit liegt
in der Kindheit und im Alter,
die Torheit dazwischen.
Zum Glück
gibt es davon Ausnahmen,
denn die brauchen wir
zur eigenen Entschuldigung.
Die Weisheit des Kindes
liegt in seiner Echtheit
und Wahrhaftigkeit,
in seiner Spontaneität,
Unreflektiertheit und Aufrichtigkeit.
Es ist offen für alles
und es vertraut
auf das Gute im Menschen,
es fügt sich in Vorhandenes ein,
es nimmt an, was es bekommt,
es versucht und erkundet,
es lebt und erlebt intensiv
und voller Hingabe,
es lernt und bewahrt,
es lebt in der Gegenwart
und weitet sie durch
Kreativität und Phantasie
und es lebt
zuversichtlich in die Zukunft.
Die Weisheit des Alters
liegt in seiner Erfahrung und Abgeklärtheit,
in seiner Ruhe,
Ungetriebenheit und Gelassenheit.
Ein alter Mensch hat
den störenden Leistungsstress
hinter sich gelassen und wieder Zeit
für das Wesentliche im Leben.
Er hat seinen Platz gefunden und gibt
sich mit dem zufrieden, was er hat,
er muss seinen Ehrgeiz
nicht mehr befriedigen,
er muss sich und anderen
nichts mehr beweisen,
er kennt seine Werte,
Begabungen und Fähigkeiten
und kann sich deshalb selbst leben,
er kennt die Schwächen der Menschen
und kann sie übersehen,
er erkennt die Stärken der Menschen
und kann sie ohne Neid und ohne
Konkurrenzdenken wachsen lassen,
er füllt entstehende oder
vorhandene Lücken klaglos,
er hilft dankbar aus,
wo er gebraucht wird.
Geduld, Güte,
Verständnis und Verantwortung
stehen für ihn ganz
selbstverständlich im Vordergrund.
Dazwischen liegt
die Torheit des Erwachsenen,
ein holpriges und verdrehtes Leben
voller Irrungen und Wirrungen,
voller Egoismen und Niederlagen,
voller gegenseitiger Verletzungen,
voller beziehungsloser Selbstbezogenheit.
Mit dem eigenen Willen
und mit der eigenen Kraft
und Leistungsfähigkeit,
nehmen die Umwege und Irrwege zu,
wird die eigene
Bedürfnisbefriedigung vorangestellt,
werden eigenes Ansehen
und Selbstbestätigung angestrebt,
werden Hochmut
und vergleichende Überheblichkeit
oder Angst und vergleichende
Minderwertigkeit geschaffen,
werden Ansprüche,
Erwartungen und Wünsche
durch eigene Anstrengung
und Überanstrengung realisiert.
oft bis zur Erkrankung,
oft bis zum Scheitern von Beziehungen,
oft verbunden mit
erheblichen Verletzungen,
besonders an den eigenen Kindern,
weil diesen die stärkende
Zuwendung und Aufmerksamkeit,
die unterstützende
Ermutigung und Geborgenheit,
die bedingungslose
Annahme und Geliebtheit,
die aufbauende und mitfühlende
Nähe und Güte
aus Mangel an Zeit und Gefühlen,
aus geistiger Verirrung,
aus Egoismus und blinder Gier
nicht gegeben werden.
Die Torheit liegt
in der Blindheit und Selbstsucht,
in der Habgier und Maßlosigkeit,
in der selbstquälerischen Zielorientiertheit,
in dem überheblichen Vertrauen
auf die eigene Kraft und Macht.
Die Torheit liegt
in den falschen, anerzogenen
oder eingeredeten Zielen,
in den falschen Lebenserwartungen,
in den falschen Vorbildern,
in den falschen Lebenswerten,
in der falschen, verlogenen Gesellschaft,
in der Geld regiert,
Beziehung schmiert
und Eitelkeit Unrecht gebiert.
Herr, erleuchte unseren vernebelten Geist,
damit wir in der wichtigen Zeit
unserer Lebensmitte,
nicht Torheit für Weisheit
und blinden Egoismus
für lebenswert halten.
Amen
