Sich trauen, zu vertrauen
Hallo Du,
mit dem Vertrauen
ist das so eine Sache,
es wächst nur langsam,
aber es zerbricht sehr schnell.
Im Vertrauen zu einem anderen
haben wir den festen Glauben,
dass wir uns auf den anderen
verlassen können,
in jeder Situation.
Dass das,
was er denkt, sagt und tut
immer ehrlich ist,
dass das,
was er verspricht,
auch ernst gemeint ist,
zuverlässig, verantwortlich
und wohlüberlegt.
Im Vertrauen zu anderen
öffnen wir uns und unsere Seele weit
und zeigen ihm unsere
weichen und schwachen Anteile.
Wir offenbaren ihm unsere Schwächen
und geben uns dadurch
vertrauensvoll in seine Hand.
Wir machen uns ungeschützt,
um sein Vertrauen,
um seine Nähe intensiv
zu erfahren und zu genießen.
Wir hoffen, dass unser Vertrauen
und die Kenntnis unserer Schwächen ,
vom Gegenüber nicht missbraucht wird,
weder zu unserem Schaden und Nachteil,
noch zu seinem Vorteil.
Unsere Seele ist sehr
empfindsam und verletzlich,
unsere weit geöffnete Seele
noch viel mehr.
Wird unser Vertrauen missbraucht,
werden wir hintergangen oder ausgenutzt,
zerbricht es und wir mit ihm.
Ein gestörtes oder zerstörtes Vertrauen
ist nicht mehr intakt,
es ist nicht mehr wiederherzustellen,
denn es beinhaltet Misstrauen
und Furcht vor erneuter Verletzung.
Vertrauen ist wie ’schwanger sein‘,
ein bisschen geht nicht.
Im Vertrauen zum anderen
sind wir wie eine offene Schatztruhe
und verzichten,
als Zeichen hoher Achtung,
eines unserer höchsten Güter,
unseren Selbstschutz
und heißen ihn dadurch
besonders willkommen.
Wir sagen ihm damit:
Ich mag und schätze Dich so sehr,
dass ich Dir bedingungslos vertraue,
und auch Du kannst mir vertrauen,
denn ich werde Dein Vertrauen in mich
ganz sicher nicht missbrauchen.
Bevor ich mich Dir ganz schenke,
zeige mir, dass Du meines Vertrauens
würdig bist und mich beschützen,
achten und ehren kannst.
Dazu gehört großer Mut,
wie er nur aus Liebe wachsen kann
und wie er aus Liebe notwendig ist,
denn ohne Vertrauen gibt es
keine Liebe,
kein Nehmen und Geben,
kein sich vertraut machen,
kein sich verbinden.
Indem ich mich traue, zu vertrauen,
verlasse ich mich in gutem Glauben
auf Freundlichkeit und Höflichkeit,
auf Anständigkeit und Entgegenkommen,
auf Wohlwollen und Verschwiegenheit.
Indem ich mich traue, zu vertrauen,
werden Offenheit und Ehrlichkeit möglich,
beginnen
Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit,
entstehen Verbindung und Vertrautheit,
vollziehen sich Bindung und Gemeinschaft.
Indem ich mich traue zu vertrauen,
getraue ich mich,
meine Grenzen zu überwinden,
wage ich den Kontakt nach außen,
riskiere ich Enttäuschung
und vertraue ganz mir selbst,
meinem liebenswerten Wesen.
Ich setze mein Vertrauen
auf Gott
und auf mein Recht
so zu sein, wie ich bin,
auf mein Daseinsrecht,
auf mein Recht zu leben.
