Sich aufdrängen
Hallo Du,
kennst du jemanden,
der immer wieder versucht, dir ungefragt
seine Meinung aufzudrängen,
der dich von seinem angeblichen
Können oder Wissen überzeugen will,
der dich und dein Denken und Reden
durch ‚Über-reden‘,
durch `Auf dich einreden`,
korrigieren will,
der dir seine angebliche Hilfe
aufnötigt und damit aufdringlich ist,
der sich ohne Hemmungen
in dein Leben einmischt,
(natürlich ganz selbstlos
und aus reiner Nächstenliebe),
und dir damit zu verstehen gibt,
dass etwas an dir
etwas nicht in Ordnung ist
und gerade er das hat oder weiß,
was du unbedingt brauchst?
Merkst du, wie er dich bedrängt,
belästigt und dir lästig wird.
zur Belastung wird?
Weshalb tut jemand so etwas?
Welche Motivation hat er?
Sucht er Geltung oder Anerkennung?
Hat er vielleicht eine Beziehungsstörung?
Ist er vielleicht überheblich?
Hat er den Drang,
sich über andere zu stellen?
Will er andere dominieren
und für seine Zwecke benutzen?
Möchte er Macht und Einfluss
über andere gewinnen?
Oder hat er ein falsches Verständnis
von Liebe, Toleranz und Hilfsbereitschaft?
Das Schlimme ist:
Wenn man so jemandem rät, sich
zurückzuhalten, wird das ignoriert.
Und wenn man sich dagegen verwehrt,
wird das nicht akzeptiert.
Der Aufdringliche reagiert auf Abwehr
ungehalten, vielleicht sogar wütend
und sein ‚Opfer‘ wird laut abgetan, als
‚Unbelehrbar zum eigene Schaden‘.
Das Wesen der Aufdringlichen ist
manipulativ und selbstgerecht,
von der eigenen Unfehlbarkeit überzeugt
und zu keiner Selbstkritik fähig.
Außerdem selbstherrlich, sich in seinen
Entscheidungen ganz selbstverständlich
über andere hinwegsetzend und zudem
hochmütig.
Zurückweisung quittieren sie mit einem
sarkastischen: ‚Ich vergebe dir!‘
Hauptsache, die Krone bleibt für alle
sichtbar auf dem hochgetragenen Kopf.
Wer sich so verhält, verliert irgendwann
auch noch seine letzten Freunde.
Der macht sich überall unbeliebt
und wird immer einsamer.
Der scheitert an sich,
an seinem Hochmut und Anspruch.
Seine Einstellung zu sich selbst
und zu anderen ist falsch gepolt.
Muss das so bleiben? Nein!
Jeder Mensch ist lernfähig,
aber einige lernen erst dann,
wenn ihre Not übergroß wird
und ihr Leidensdruck nicht mehr
auszuhalten ist.
Dann beginnen sie zu suchen.
Zuerst bei den anderen
und schließlich in sich selbst.
Erst dann sind sie
veränderungsbereit zum Besseren,
aber sie wissen nicht wie.
So versuchen sie es auf vielen Wegen
und kommen doch nicht weiter.
Wer könnte ihnen helfen?
Zunächst nur sie sich selbst.
Es gibt da jemanden, der ruft auch ihnen
ständig und leise zu:
Kommt her zu mir alle, die ihr
niedergedrückt und belastet seid:
ich will euch Ruhe schaffen!
Nehmt mein Joch auf euch und lernt
von mir; denn ich bin sanftmütig,
und von Herzen demütig:
so werdet ihr Ruhe finden für eure
Seelen. (Mt 11,28-29; Menge)
Hören sie sein Rufen?
Lassen sich auf den Rufer Jesus ein?
Wollen sie wissen, was sein Joch ist,
was Sanftmut (Freundlichkeit, Geduld,
Güte und Langmut) und was
Demut (Ergebenheit und Mut, sich
unterzuordnen und zu gehorchen)
bewirken?
Sind sie so weit, dass sie endlich Ruhe
für ihre Seelen und Frieden mit anderen
und mit sich selbst finden wollen?
Lassen sie sich nun etwas sagen?
Jesus sagt nicht zu:
„Dann werdet ihr sofort Ruhe finden“,
denn er weiß, dass der Weg dorthin
über Berge und Täler führt.
Er führt zu Erfolgen, aber auch zu
erneuten Niederlagen, durch Bemühen,
Jesus kennen- und lieben zu lernen
und durch ständige Überwindung,
Altes loszulassen und Neues
vertrauensvoll anzunehmen.
Und das fällt jemandem, der so
von sich überzeugt war, nicht leicht.
Sanftmut und Demut sind die Garanten
für einen Änderungserfolg.
Beide erwachsen aus der Liebe,
aus der Liebe zu sich selbst,
nicht mehr der hochnäsige
Bestimmer sein zu wollen,
und aus der Liebe zu anderen,
sie so sein lassen zu können,
wie sie nun einmal sind
und liebevoll warten zu können,
bis sie ihn um Rat fragen
oder um Hilfe bitten.
Und dann berät und hilft nicht mehr
der Hochmütige, sondern Jesus in ihnen
mit seiner slbstlosen Liebe, die ohne
Hintergedanken gibt und die nichts für
ihr Geben einfordert.
Diese Liebe ist geduldig und freundlich.
Sie ist nicht verbissen neidisch oder
eifersüchtig, sie prahlt nicht, tut sich
nicht Wichtig und schaut nicht auf
andere herab.
Sie verletzt nicht den Anstand
und drängt sich nicht auf.
Sie sucht nicht den eigenen Vorteil,
z.B. Anerkennung, Überlegenheit
oder Gefolgschaft.
Sie benötigt auch keine eigenen Vorteile,
weil Liebe selbst schon der Vorteil ist.
Die Liebe weiß, dass sie aus sich heraus
nicht bestehen kann und dass sie
ihre Kraft von Jesus, aus dem Glauben
an das Gute und den Guten erhält.
Mögen auch sie den rechten Weg
zur Befreiung finden, den wir Christen
mit Jesus gefunden haben.
Mögen die quälenden Täler sie lehren,
für erfreulichen Höhen dankbar zu sein.
Mögen wir alle, mit Gottes Hilfe,
geduldig und liebevoll sein und bleiben.
Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich.
Sie kennt keinen Neid, sie spielt sich
nicht auf, sie ist nicht eingebildet.
Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht
nicht den eigenen Vorteil, sie verliert
nicht die Beherrschung, sie trägt
keinem etwas nach.
(1.Kor 13, 4-5; NGÜ)
