Selbstprüfung

 

Wenn wir uns selbst prüfen, brauchen

wir die Prüfung Gottes nicht zu fürchten.

Straft uns aber der Herr, so will er uns

erziehen, damit wir nicht zusammen mit

der gottlosen Welt verurteilt werden.

(1.Kor 11, 31 – 32)

 

Hallo Du,

weißt du eigentlich, dass wir wunderbar

erschaffen wurden?

Heute möchte ich die Dimension

unserer Selbstprüfung betrachten.

 

Unsere innere Instanz

der Selbstprüfung ist das Gewissen.

Dabei müssen wir unterscheiden

zwischen dem Erziehungsgewissen,

dem Verstandesgewissen

und dem Geistesgewissen.

 

Beim Erziehungsgewissen wirken

die Erziehungsregularien unserer Kindheit

und unserer sozialen Bezugsgruppe.

Haben uns die Eltern nicht oft genug

gesagt, wie wir uns zu benehmen haben?

„Das darfst du nicht!“,

„Das macht man nicht!“,

„Das muss so sein!“,

„Benehme dich ordentlich!“,

„Habe ich dir nicht gesagt, dass …?“

 

Wir sind als Abhängige den

Verhaltungsnormen unserer Eltern,

Großeltern, Lehrer und Freunde

ausgesetzt und werden zur Übernahme

dieser vorgegebenen Normen erzogen

und verpflichtet.

Wir haben diesen Kodex zu übernehmen,

sonst ecken wir ständig an,

sonst werden wir ständig gemaßregelt,

sonst haben wir ständig mit Eingriffen

zu rechnen.

Wir erlernen das von anderen gewünschte

Sozialverhalten und richten uns im

Lernprozess zunächst bewusst

und dann auch unbewusst danach.

Verstoßen wir irgendwann absichtlich

oder unabsichtlich gegen diese

verinnerlichten Normen, dann meldet

sich unser „Gewissen“, die Erinnerung

im Unterbewussten.

‚Stopp! Du hast etwas falsch gemacht.

Korrigiere es, oder du musst mit Strafe

rechnen; mit Beschimpfung,

Zurückweisung, Liebesentzug

oder gar Ausgrenzung.’

 

Wie kann ich das wieder gutmachen?

Mich zurücknehmen?

Mich entschuldigen?

Mich unterwerfen?

Mein Verhalten künftig kontrollieren?

 

Für Erwachsene ist die Furcht vor Strafe

und Konsequenzen eher irrelevant.

Wer sollte uns moralisch bestrafen?

Wir können doch tun und lassen,

was wir wollen.

Wir tragen die Verantwortung

doch nur für unser Handeln

und müssen deswegen auch

die dessen Konsequenzen tragen.

Wir sind doch nur unserem Gewissen

verpflichtet. – Oder?

 

Dieses anerzogene Erziehungsgewissen

brauchen wir nicht mehr.

Wir sind groß, erwachsen und mündig.

Wir hinterfragen diese Normen kritisch,

verwerfen einige und erstellen für uns,

für unsere Kinder und andere Abhängige

neue Normen, die das Zusammenleben

und die Zusammenarbeit nach unseren

Vorstellungen regeln.

Und damit beginnt die Normierung wieder

von vorne.

 

Beim Verstandesgewissen bewegen wir

uns innerhalb unserer eigenen Grenzen.

Wir halten etwas aus rationalen oder

logischen Gründen für richtig und richten

uns danach.

Wir sind von der Richtigkeit unserer

Bewertung, Einstellung oder Entscheidung

überzeugt und machen daraus eine neue

Norm, eine innere Vorschrift, ein neues

unbewusstes Verhalten, das uns Richtung,

Halt und Sicherheit geben soll.

Wir richten uns daran aus und messen,

bewerten und beurteilen uns daran.

Ja, beim Verstoß dagegen,

richten wir sogar über uns.

Wir machen uns Selbstvorwürfe

und erlegen uns Einschränkungen auf,

also Strafen.

Wir erziehen uns selbst, weil wir

gefühlsmäßig nicht einig mit uns sind

und weil wir wieder ins innere

Gleichgewicht kommen wollen.

 

Beim Geistesgewissen sind die

Mechanismen ähnlich,

die Bewegungsgrundlagen aber

sind ganz andere.

Gott hat uns aus Liebe erschaffen und in

uns einen Maßstab der Liebe verankert.

Wir wissen einfach, was liebevoll ist

und was nicht.

Wir wissen, wie wir behandelt, beachtet,

geachtet und gewürdigt werden wollen

und wir übertragen das auch auf unsere

Mitmenschen.

 

Wir wissen,

was emotional richtig oder falsch ist.

Wir wissen,

was moralisch verwerflich ist.

Wir wissen,

was im Zusammenleben mit anderen

notwendig oder schädlich ist.

Wir wissen,

wie wir und andere sein sollten.

 

Die Bibel fasst dieses angeborene

Wissen in zehn Geboten zusammen.

Jesus macht es uns noch einfacher

und fasst das innere Wissen in einem

dreifachen Liebesgebot zusammen.

 

Er sagt in Mt 22:37 – 40:

„Liebe Gott, den Herrn,

von ganzem Herzen,

aus ganzer Seele und mit

deinem ganzen Verstand!

Das ist das erste

und wichtigste Gebot.

Ebenso wichtig ist aber das zweite:

Liebe deinen Mitmenschen,

so wie du dich selber liebst!

Alle anderen Gebote

und alle Forderungen der Propheten

sind in diesen Geboten enthalten.“

 

Wenn wir gegen diese angeborene

innere Richtlinie verstoßen, geht es

uns schlecht.

Wir leiden seelisch, körperlich und geistig.

Wir kommen ins Ungleichgewicht und

innerer Unfrieden plagt uns.

Psychosomatische Erkrankungen finden

hier ihren Anfang.

Hemmung, Angst und Depression haben

darin ihre Ursache. Gefühlsver(w)irrung

und Empfindungsdefizite sind auf lieblose

Verhaltensweisen und Umstände

zurückzuführen. Ständige Überlastung

weist auf Fehleinstellungen hin.

 

Unser angeborenes, unbewusstes Wissen,

unser göttliches Gewissen,

unsere ständige geistliche Verbindung

mit Gott und mit unserem Ursprung,

unsere Verbindung mit seinem Wesen,

das in uns gelegt ist,

unsere leise aber permanente innere

Stimme erinnert uns an Verstöße

und mahnt uns zur Umkehr

von falschen, belastenden Wegen.

 

Gott führt uns nicht in Leid und Not,

das machen wir selbst,

durch unseren eigenwilligen Willen

und durch eigene Fehleinstellungen.

 

Er lässt uns diesen Weg gehen,

damit wir Erfahrung gewinnen,

damit wir uns selbst kennenlernen,

damit wir lernen,

mit unserem Willen,

mit unserem Verstand

und mit unseren Gefühlen

umzugehen,

damit unser Empfinden

für gut und schlecht

geschult wird und wächst,

damit wir uns freiwillig

für ihn entscheiden,

zu ihm kommen

und ihn kennen lernen,

seine Gnade, seine Güte,

seine Barmherzigkeit,

seinen Großmut,

seine Vergebung, …,

kurz, die Dimensionen seiner Liebe

und seine Zuneigung zu uns.

 

Dieses Gewissen hilft uns dabei,

Gott zu finden,

zu uns selbst zu finden,

zum inneren Frieden

und Gleichgewicht zu finden,

uns ihm vertrauensvoll zu nähern,

eine ständige, vertrauensvolle

Beziehung mit ihm einzugehen,

im Gebet mit ihm zu sprechen,

ihn an uns wirken zu lassen,

unser Wesen

und unsere Persönlichkeit

immer stärker an ihm

und der Richtschur seiner Liebe

auszurichten.

 

Also:

Wenn sich unser Gewissen rührt,

dann sucht Gott den Kontakt mit uns.

Er möchte uns zeigen,

dass etwas nicht stimmt.

Wenn uns Fehlverhalten,

negative Gefühle,

verwerfliche Gedanken

oder falsche Entscheidungen

auf diese Weise bewusst werden,

dann hofft Gott, dass wir

aus dieser Erkenntnis

die Konsequenz ziehen

und uns künftige anders,

liebevoller, verhalten.

Dann möchte Gott,

dass wir von ihm lernen

und alte, schlechte

Einstellungen oder Erwartungen

über Bord werfen.

 

Wenn wir von ichbezogenem Verhalten

und Handeln umkehren und uns an ihm

und seiner Liebe für uns ausrichten,

beispielsweise an den Worten in 1. Kor 13,

dann sind wir freigesprochen

und die schweren Lasten fallen von uns.

Wir werden entlastet.

Unser Gewissen ist entlastet.

Es wird ruhig.

Wir werden ruhig, haben mehr Kraft

und unser Leben wird fruchtbar.

Wir fühlen uns angekommen,

geborgen und zuhause.

Wir brauchen keine Strafe

mehr zu fürchten,

ganz besonders nicht die,

dass wir zusammen mit der brutalen Welt

weiterhin in der Gottesferne umherirren

müssen und ihren sinnlosen Maßstäben

unterliegen.

 

Hören wir doch auf unser Gewissen

und prüfen wir uns selbst,

dann brauchen wir die Prüfung Gottes

nicht zu fürchten und können

unbeschwert, offen

und segenbringend für ihn wirken.

 

 

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