Selbst betroffen

 

Weil du im Herzen betroffen bist 

und dich gedemütigt hast vor Gott, …

habe ich dich auch erhört, spricht

der HERR. (2.Chr 34,27)

 

Hallo Du,

viele reden von etwas,

das sie gar nicht kennen,

beispielsweise von Hunger, Krieg,

Armut, Schmerzen oder Seelennot.

Sie meinen zu verstehen, doch sie

versuchen nur, es sich aufgrund

dessen vorzustellen, was sie sehen

oder hören, doch das Äußerliche ist

nur ein kleiner Teil der Wirklichkeit.

Sie haben die Situation nie selbst erlebt

und kennen die Tiefe und Tragweite

der Nöte darin nicht.

Sie waren nie selbst betroffen.

 

Am Beispiel von Schmerz

möchte ich das verdeutlichen:

Als Kind war ich ein risikobereiter

Bewegungswildling und bin deshalb

öfters hingefallen und habe mir

dabei die Knie aufgeschlagen.

Die Wunde hat dann sehr geschmerzt,

besonders dann, wenn mein

Apothekeronkel mich mit Jod verarztete.

Doch der schmerzende Schreck

war schnell vergessen.

 

Einige Male hatte ich starke

Ohr- oder Zahnschmerzen und man sagt,

die seien die stärksten Schmerzen,

die es gibt.

Ja, die waren richtig schlimm, aber nach

der Behandlung waren sie ohne weitere

Folgen in wenigen Tagen verschwunden.

 

Beim Leistungssport hatte ich auch

immer mal wieder Verletzungen,

einen Sehnenanriss,

eine verrenkte Schulter,

einen verknacksten Fuß,

einen Muskelfaserriss,

einen geschundenen Rücken

oder ausgerissene Fußnägel.

Aber selbst diese Schmerzen

waren nicht wirklich schlimm,

denn Gott hat in seine Schöpfung

eine starke Heilkraft gelegt,

die erneuert und wiederherstellt

und vergessen lässt.

Der größte Schmerz dabei war

meine Ungeduld, die sich endlich

wieder bewegen wollte wie gewohnt.

 

Schmerz wirklich kennengelernt

habe ich, als mich über Nacht

schwerste, lähmende

Schmerzen überfielen

und 10 Jahre blieben.

Niemand wusste, woher sie kamen

und wie ich sie wieder

los werden konnte.

Ablenkung, Spritzen, Tabletten,

OP’s, Therapien, Klinikaufenthalte

und manches mehr, halfen nicht.

 

Dabei lernte ich, die Schmerzintensität

in eine Skala einzustufen.

Die Stufen 1-3 waren unangenehm

aber erträglich und leicht übergehbar,

kamen aber leider nur selten vor.

Die Stufen 4-6 waren quälend,

beängstigend und stark einschränkend.

Sie waren im Leiden kurzfristige

Entlastungs- und Erholungsphasen.

Die Stufen 7-8 waren kaum auszuhalten,

zerstörerisch und erniedrigend,

Tag und Nacht.

Das war der Normalfall.

Die Stufen 9-10 wünsche ich niemandem.

Da möchte man lieber Tod sein.

 

Und ich lernte auch verschiedene

Formen von Schmerz kennen:

Z.B. körperlichen Schmerz,

Unsicherheitsschmerz, Angstschmerz,

Liebesschmerz, Entbehrungsschmerz,

Passivitätsschmerz, Isolationsschmerz,

Trennungsschmerz sowie Seelenschmerz

durch Ungewissheit, haltlose Ohnmacht,

verlorene Zeit, tiefe Enttäuschung

und die Leere der Hoffnungslosigkeit.

Körper und Geist waren wie gelähmt,

wie stillgelegt, ein Schatten ihrer selbst.

Die Sensibilität für jegliche Belastungen

war dagegen sehr hoch.

 

Ich hatte keine Wahl.

Ohne Kraft und Lebensmut wurde

ich vom äußeren Leben abgetrennt.

Schmerz und Leid und Not

hatten mich getroffen.

Ich war selbst davon betroffen.

Ich weiß, wie das ist.

Es hat mich betroffen gemacht,

tief berührt und verändert.

Ich habe darin meine

Tiefen und Untiefen kennengelernt

sowie geduldig zu sein.

 

Wir freuen uns auch über die Nöte, die

wir jetzt durchmachen. Denn wir wissen,

dass Not uns lehrt durchzuhalten, und

wer gelernt hat durchzuhalten, ist bewährt,

und bewährt zu sein festigt die Hoffnung.

Und in unserer Hoffnung werden wir nicht

enttäuscht. (Röm 5,3-5)

 

Wenn es um Scherzen geht,

kann ich mitreden, durchhalten,

verstehen und beistehen.

 

Und auch ich sage:

Jeder Schmerz ist unser Freund.

Er weist uns auf Dinge hin,

die offensichtlich oder verborgen

im Argen liegen.

Er zwingt dazu, in uns zu gehen,

zu akzeptieren und loszulassen,

sich zwischen Verlorenheit und Hoffnung,

zwischen Dunkelheit und Licht,

fürs Sterben oder fürs Leben

zu entscheiden.

Er führt uns zur Sinnfrage

und damit verbunden

zu unserer geistlichen Armut.

 

Im Schmerz wächst eine

intensive Sehnsucht nach

Hilfe, Erlösung und Befreiung,

nach der Liebe Gottes,

nach Erkenntnis und Veränderung

und nach entlastender Führung

durch Gottes Wort und Geist.

Und schließlich auch,

eine große Dankbarkeit und Treue

für erhaltene Entlastung

und wunderbare Heilung.

 

Was euch natürlich interessiert:

Wie bin ich die Schmerzen losgeworden?

Durch Abwenden von meinem alten

Leben und Hinwenden zu Gott,

durch radikale Umkehr und

Umorientierung in meinen Werten

und Einstellungen,

durch studieren von Gottes Absichten

und leben nach seinen Geboten,

durch Loslassen und Zulassen,

durch Gott machen lassen,

durch eine beharrliche Nachfolge Jesu.

Ich wollte genesen,

konnte es aber nicht selbst bewirken.

Doch ich konnte dafür Bitten und Beten

und Gott verwirklichte es – nach und nach.

 

Weil du im Herzen betroffen bist

und dich gedemütigt hast vor Gott,

als du seine Worte hörtest und dich

vor mir gedemütigt hast

und deine Kleider zerrissen

(reumütig in dich gegangen bist)

und vor mir geweint hast, habe ich

dich auch erhört, spricht der HERR.

(2.Chr 34,27)

 

Je größer unsere Not, desto leichter

suchen wir Hilfe und Beistand bei Gott.

Wenn wir selbst betroffen sind, erkennen

wir leichter unseren Schmerz und unsere

Hilflosigkeit, aber auch seine Größe, Güte

und Barmherzigkeit.

Wenn wir selbst gerettet werden,

fällt es uns leicht,

Gott zu loben und zu danken,

Jesus zu folgen

und ihre geistliche Führung zuzulassen.

 

Jesus war zu seiner Zeit unbequem,

weil er Menschen die Wahrheit sagte,

doch damit versorgte er ihre Wunden,

damit sie in allen Bereichen heilten.

 

Das Wort Gottes

ist lebendig und kräftig und schärfer

als jedes zweischneidige Schwert

und dringt durch, bis es scheidet

Seele und Geist, auch Mark und Bein,

und ist ein Richter der Gedanken

und Sinne des Herzen. (Hebr 4,12)

 

Jesus hat Menschen betroffen gemacht,

sie zu Betroffenen gemacht:

Als Jesus diese Rede beendet hatte,

war die Menge sehr betroffen von

seiner Lehre. (Mt 7,28)

 

Sie fühlten sich erkannt,

aber nicht zurechtgewiesen.

Er hoffte für sie, aber ließ ihnen die Wahl.

Er wusste, Betroffene gehen

in sich und weinen,

sie sind zur Umkehr bereitet.

 

Betroffene werden wortlos,

wenn sie ihre Wahrheit trifft.

 

Sie sind betroffen, antworten nicht

mehr, ihnen fehlen die Worte.

(Hi 32,15)

 

Betroffene haben zwei Möglichkeiten:

Entweder, sie wimmeln den Treffer ab,

übergehen und ignorieren ihn

oder sie gehen ihm nach und

decken die Fehler in sich auf.

 

Wir neigen dazu, uns von solchen

vermeintlichen Angriffen

nicht treffen zu lassen,

uns rechtzeitig zu verdrücken,

uns zu rechtfertigen (rauszureden)

oder selbst anzugreifen.

Das aber verlängert nur das Leiden.

 

Darum,

lasst uns unangenehme Hinweise

über uns selbst nicht einfach abtun,

sondern lassen wir uns davon berühren,

treffen und heilsam betroffen machen.

Sie sind die Hilfen,

die wir zur heilsamen Veränderung

und vollständigen Genesung brauchen.

 

Jesus greift nicht an, sondern er berührt.

Er macht betroffen durch liebevolle

Zuwendung und Einfühlungsvermögen

sowie durch verdeutlichende,

offenbarende Wahrheit.

 

Die samaritanische Frau

vom Jakobsbrunnen

zeigt ihre Betroffenheit:

Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen,

ging in den Ort zurück und sagte zu

den Leuten:

»Kommt mit, ich habe einen Fremden

getroffen, der mir alles auf den Kopf

zugesagt hat, was ich getan habe!

Ob er wohl der Messias ist?«

(Joh 4, 28-29)

 

Jesus hatte sie mitten ins Herz getroffen

und Wunden offengelegt, die sie

verdrängt hatte. Dadurch konnte sie

Jesus als Ihren Retter erkennen und sein

lebenspendendes Wasser annehmen.

 

Und siehe, da erhob sich ein gewaltiger

Sturm auf dem See, sodass auch das

Boot von Wellen zugedeckt wurde.

Jesus aber schlief. Und sie traten zu ihm,

weckten ihn auf und sprachen: Herr,

hilf, wir kommen um! (Mt 8, 24-25)

 

Die aber im Boot waren, fielen vor

ihm nieder und sprachen:

Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!

(Mt 14,33)

 

 

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