Sein Ränzlein tragen

 

Hallo Du,

kennst Du einen Menschen,

der rundum zufrieden ist,

der glücklich ist mit dem, was ist

und der sich über alles freut,

was geschieht,

ob gut oder schlecht?

 

Ich möchte behaupten,

einen solchen Übermenschen

gibt es nicht

und das ist gut so,

denn in unserer Unvollkommenheit

liegt das Streben nach Vollkommenheit

und in unseren Gegensätzen

suchen wir uns,

unseren verbindenden Ausgleich.

 

Jeder Mensch ist anders

und des einen Freude

ist des anderen Last.

 

Was sind nun die Lasten,

die wir so unsichtbar

mit uns herumschleppen,

die uns bedrücken,

belasten und runterziehen,

die uns einengen, lähmen

und handlungsunfähig machen?

 

Alles spielt sich im Kopf ab!

Wir sind so kopflastig,

dass wir den Körper

nicht mehr spüren,

seine Signale übergehen,

und ihn fordern und quälen,

damit wir uns spüren,

das bisschen Leben,

das noch in uns ist,

das uns Hoffnung gibt,

wieder ganz wir selbst zu werden.

 

Wir wollen leben,

frei und ungezwungen,

fröhlich und unbeschwert

und doch sind wir eingezwängt

zwischen Pflichten und Normen,

zwischen Vorschriften und Regeln,

zwischen Geboten und Gesetzen,

zwischen Anstand und Würde.

Wir beschränken uns selbst,

um in die Gesellschaft zu passen,

um ein Teil von ihr zu sein und zu bleiben

und proben doch heimlich

den inneren Aufstand dagegen.

 

Wo bleibe ich nur mit meiner

ungestümen Kraft,

mit meiner

sprudelnden Vitalität und Kreativität,

mit meinem

Mut und meiner Risikobereitschaft,

mit meiner unbändigen Liebe,

mit meiner unsterblichen Sehnsucht?

 

Indem ich sie nicht ausleben kann,

machen sie mich

aggressiv und ungeduldig,

wütend und traurig.

Sie brechen zusammen,

sterben,

ich sterbe, langsam, grausam,

breche zusammen und werde

furchtsam, einsam,

ängstlich und hoffnungslos,

zurückhaltend, unselbständig,

träge und feige,

ein Schatten meiner selbst,

ein Schatten von dem, was ich

sein sollte und sein könnte.

 

Also trage ich mein Ränzlein tapfer,

und versuche zu überleben.

Ich unterdrücke,

was mich befreien möchte

und akzeptiere,

was mich fesselt.

 

Besonders aber versuche ich,

mit meinem Kopf

meine Seele zu besänftigen,

sie zu schonen und zu verwöhnen,

gut zu ihr zu sein und Gutes zu tun,

und doch verletze ich mich

dadurch selbst,

beleidige meinen Intellekt

und widerspreche meinem Wesen.

 

Der Bauch will Bauch sein,

wild sein und elementar spüren,

das Herz will Herz sein,

sanft sein und liebevoll fühlen,

die Hände wollen tatkräftig sein,

zupackend und auch zärtlich.

Der Geist möchte

aus mir heraussprudeln,

witzig, lustig und fröhlich sein,

frei sein und Charakter geben.

Ich möchte mich leben,

muss mein Wesen ehrlich geben.

 

Oh himmlischer Vater,

gebe uns den Mut und die Kraft,

unsere Fesseln zu sprengen

und unsere Lasten von uns zu werfen,

um uns selbst

und dieser traurigen Gesellschaft

wieder Leben einzuhauchen

und um uns durch unsere

ungezwungene Lebendigkeit

wieder auf die eigenen Beine zu stellen

um selbst zu gehen, zu laufen,

zu springen und zu tanzen.

 

Wir brauchen dieses Ränzlein nicht,

wir wollen es auch nicht mehr

und wir lassen es uns

auch nicht mehr aufreden.

Wir wollen frei sein im Herzen,

uns freuen,

uns freuen an dem, was Du

uns gibst und gegeben hast,

um zu lieben und zu geben,

um fröhlich nach Dir zu streben.

 

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