Schmerz – ein ungeliebter Freund

 

Hallo Du,

im geläuterten Rückblick auf eine Zeit starker Schmerzen habe ich drei Dinge gelernt:

1.    Schmerz weist auf Verletzung hin.

2.    Heilung ist Befreiung – das braucht Zeit.

3.    Die Erinnerung an den Schmerz bleibt – jedoch das Herz wurde weit.

Damit breite ich meine Seele vor dir aus.

 

Schmerz zeigt die Wunde. Schmerz ist kein Feind, sondern ein Bote, der sagt: Hier wurde etwas berührt, das nicht heil war. Er macht sichtbar, was wir gerne übergehen würden. Er ruft uns: „Schau hin. Hier braucht etwas Zuwendung.“

 

Heilung ist Befreiung. Heilung bedeutet nicht, dass alles wieder so wird wie vorher. Heilung bedeutet: Die Enge löst sich. Die Fessel fällt. Das Atmen wird wieder leicht und weit. Der Lebensmut und die Tatkraft kehren zurück, auch die Zuversicht.

Heilung ist nicht Rückkehr zum Vorher, sondern nur Durchgang mit Abstand und geklärter Sichtweise. Nicht eine Wiederherstellung, sondern eine Öffnung in etwas Neues, Besseres, Passendes.

 

Die Erinnerung bleibt – aber das Herz wird weit. Das ist entscheidend. Es beschreibt den Unterschied zwischen Wunde und Narbe.

Eine Wunde schmerzt, bindet, zieht zusammen. Eine Narbe erzählt, erinnert nur, aber sie hält nicht mehr fest. Die wunde ist verheilt.

Wenn das Herz weit geworden ist, dann verliert die Erinnerung ihre Schärfe, dann verliert die Vergangenheit ihre Macht, dann bleibt zwar die Geschichte wahr, aber sie definiert uns nicht mehr und schränkt nicht mehr ein, dann wird die Verletzung zum förderlichen Teil des eigenen Weges und ist nicht mehr dessen Gefängnis.

 

Weite heißt: Wir haben dazugelernt. Wir können wieder frei atmen. Wir können uns und andere wieder fühlen. Wir können uns wieder geben, ohne uns dabei zu verlieren.

Ich kenne meine Grenzen, weiß, wer ich bin und wohin ich gehöre und erlaube mir, über meinen Horizont hinweg zu hoffen – ohne es zu wollen, bereit aber bereit, es als Geschenk anzunehmen, wenn ich dafür bereit geworden bin. Der Geist wird geläutert, erweitert und ergänzt – Gott zur Ehre.

 

Man könnte sagen:

Schmerz schult die Geduld und ermöglicht persönliches Reifen. Heilung verwandelt den Schmerz in Geschichte – und Geschichte in Weisheit – und Weisheit in Weite – und Weite in selbstloses liebevolles Denken und Handeln.

Nicht mehr das ICH steht im Vordergrund, sondern dann die charakterliche Erneuerung in vielen Teilschritten – hin zu dem, wofür wir erschaffen sind. Es ist in uns verborgen und möchte entdeckt und entwickelt werden. Andere können dabei helfen.

 

 

 

Der HERR heilt die Menschen, die innerlich zerbrochen sind, und verbindet ihre Wunden.   (Ps 147,3: HfA)

 

Wen Gott auserwählt hat, der ist nach seinem Willen auch dazu bestimmt, seinem Sohn ähnlich zu werden.   (Röm 8,29a; HfA)

 

Der Geist Gottes bringt in unserem Leben nur Gutes hervor: Liebe, Freude und Frieden; Geduld, Freundlichkeit und Güte; Treue, Nachsicht und Selbstbeherrschung. (Gal 5,22-23; HfA

 

Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist nicht eingebildet. Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen Vorteil, sie verliert nicht die Beherrschung, sie trägt keinem etwas nach. Sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit. Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie, allem hält sie stand. (1.Kor 13; 4-7; NGÜ)

 

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