Ordnung ins Tohuwabohu  

 

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die

Erde. Und die Erde war ungeformt, wüst

und lebensfeindlich (hebr. ‚tohu wa bohu‘)

und Finsternis war über den ungestümen

Fluten; doch der Geist Gottes schwebte

über den Wassern. (1.Mo 1,1-2)

 

Hallo Du,

kennst du die Schöpfungsgeschichte?

„Na klar“, wirst du sagen, „die steht in der

Bibel ganz am Anfang. Damit fing doch

alles an.“

Richtig! Die Bibel behandelt die Erschaffung

unseres Planeten ganz am Anfang, in den

beiden ersten Versen. So stellte man sich

das vor. Wichtig ist dabei der Gottbezug.

‚Im Anfang schuf Gott‚ und ‚der Geist Gottes

schwebte über den Wassern‘.

 

Geologen sehen das vielleicht anders.

 

Heute könnte man die beiden

Eingangsverse auch so formulieren:

1. Am Anfang, als alles noch bei Gott war,
suchte er ein Wesen als sein Gegenüber.
Dafür schuf er das Universum und darin die
Galaxien mit den Sternen und Planeten,
darunter auch die Erde als Heim für
Menschen nach seinem Bilde.

2. In der Anfangszeit herrschte auf der Erde
das Tohuwabohu. Sie war ‚tohu‘ (ungeformt
und wüst) und ‚bohu‘ (geistig leer, ohne
Lebewesen). Sie war lebensfeindlich,
ungeordnet und zerstörerisch. Auf ihr gab es
ein heilloses Durcheinander, chaotische
Zustände, ein Wirrwarr von wilden Gewalten
und formenden Kräften, ein Zustand
geistiger Wüste und Leere.

Doch über allem war Gottes Geist, seine
Liebe, sein Wille und Plan, den Urzustand
so zu ordnen, damit sein Gegenüber einen
wohnlichen Lebensraum habe, in dem es im
Geist mit ihm verbunden ist und er
schließlich als Herr erkannt wird, der durch
alles und in allem wirkt.

 

Ein solches Durcheinander bzw. Chaos ist

für Leben ungeeignet. Sollte es durch eine

Katastrophe in geordnete Verhältnisse

eintreten, ist das schlimm, übel, bedrohlich,

gefährlich, zerstörerisch oder gar

vernichtend. Die Folgen sind dann neben

Verwüstung auch Not, Leid, Elend oder Tod.

Das bezeichnen wir allgemein als ‚das

Böse‘. Wir nennen böse, was unser Leben

bedroht, beeinträchtigt, vergiftet, zersetzt

oder beendet, alles was lebensfeindlich ist.

Wie auch der Begriff ‚das Gute‘ ordnet und

kategorisiert er unser Denken und hilft, uns

im Leben zurechtzufinden.

 

Diese Einstiegsverse sind aber nur

Grundlage und für das, was danach folgt.

 

Was folgt?

Gott ordnet das Chaos. Er spricht sein Wort

und seinen Geist in die Unordnung und sie

ordnet sich. Er spricht in die Gottleere, über

die er schwebt und füllt und formt sie mit

sich.

Er schafft die Voraussetzungen für

Lebensqualität und Verlässlichkeit, für

Sicherheit und Geborgenheit, für Heimat

und Gemeinschaft, für das Gute. Einen

solchen Zustand der Vollkommenheit

nennen wir paradiesisch.

 

Wie ordnet Gott das finstere Chaos?

Er bringt systematisch Ordnung und Struktur

in das heillose Durcheinander. Er bringt es

Schritt für Schritt in eine wohlbedachte und

geregelte Reihenfolge und in einen

vorbestimmten Zusammenhang. Er spricht

in die Unordnung. Er ordnet nach und nach

Er gibt allem Geordneten Namen und

festen Platz, Zustand und Bestimmung,

Aufgabe und Zeit.

Dadurch wird es unterscheidbar, benennbar

und denkbar, verwendbar.

 

Und so spricht Gott dann Ordnung ins Wirrwarr:

1. „In der Finsternis werde Licht!“ Das Licht

     nannte Gott Tag, die restliche Finsternis

     Nacht. So geschah es. Und Gott sah,

    dass es gut war.

2. „Aus den alles bedeckenden Wassern

    rage ein luftgefülltes Gewölbe!“ Dieses

    Gewölbe nannte er Himmel. So geschah es.

    Und Gott sah, dass es gut war.

3. „Das Wasser sammle sich unter dem

    Himmel in Vertiefungen, damit trockenes

    Land herausrage!“ Die Bereiche des

   Trockenen nannte er Erde, die des Wassers

    Meer. „Die Erde bringe vielfältige Pflanzen

    mit Samen oder Früchten für ihren

    Fortbestand hervor, jede nach ihrer Art!“

    So geschah es. Und Gott sah, dass es gut

    war.

4. „Über dem Himmelsgewölbe sollen

    Sterne stehen, die überall erkennbar sind.

    Sie dienen als Zeichen, damit nach ihnen

    der Lebensrhythmus: die Jahreszeiten, Tage

    und Jahre bestimmt sind! Dazu sollen zwei

    große Lichter die Erde erhellen, die Sonne

    am Tag und der Mond bei Nacht.“ So

    geschah es. Und Gott sah, dass es gut war.

 

5. „Im Meer soll es von Meerestieren

    wimmeln und Vögel sollen über dem Land

    dahinfliegen.“ Und so ließ Gott alle

    Meerestiere, große und kleine, und alle

    Arten von Vögeln entstehen, damit sie sich

    vermehren und zahlreich werden. So

    geschah es. Und Gott sah, dass es gut war.

 

6. „Die Erde soll Leben hervorbringen: alle

    Arten von Vieh und wilden Tieren und alles,

    was auf der Erde kriecht. Sie sollen sich

    vermehren.“ Und Gott sah, dass es gut war.

    „Nun sollen Menschen werden, ein Bild, das

    uns gleich sei.“ Er machte sie als Mann und

    als Frau, damit sie sich vermehren. Ihnen

    gab er den Auftrag: „Seid fruchtbar und

    mehret euch. Füllt die ganze Erde und

    nehmt sie in Besitz! Ich setze euch über die

    Fische im Meer, die Vögel in der Luft und

    alle Tiere, die auf der Erde leben, und

    vertraue sie eurer Fürsorge an. Als Nahrung

    gebe ich euch die Samen der Pflanzen und

    die Früchte, die an den Bäumen wachsen.

    Den Landtieren aber und den Vögeln und

    allem, was auf dem Boden kriecht, allen

    Geschöpfen, die den Lebenshauch in sich

    tragen, weise ich Gräser und Blätter zur

    Nahrung zu.“ So geschah es. Und Gott sah,

    dass es gut war.

 

7. So wurden Himmel und Erde vollendet

    und nichts fehlte mehr in ihrem Gefüge.

    Nachdem er sein großes Werk vollbracht

    hatte, ruhte Gott am siebten Tag. Diesen

    Tag segnete er und erklärte ihn für heilig.

    Die Arbeit sollte ruhen.

 

 

Gott in allem und allen

Weshalb gehe ich so ausführlich auf die

biblische Schöpfungsgeschichte ein?

Sie zeigt, wie viel Mühe Gott sich machte,

die Erde so zu gestalten, dass sie für

Menschen paradiesisch wird. In Jes 45,18

heißt es:

 

Der Herr ist der einzige Gott. Er ist es, der

den Himmel geschaffen hat. Er gab der Erde

ihre Form und legte ihre Fundamente.

Nicht als einsame Wüste hat er sie gebildet,

sondern als Wohnraum für seine Geschöpfe.

 

Sie zeigt auch, wie abgestuft, wohlbedacht

und systematisch Gott lebensnotwendige

Ordnung und Form in das ursprüngliche

Chaos bringt.

 

Genauso planvoll ordnet er auch das

Durcheinander, die Unordnung, die

geistliche Leere in uns Menschen, damit wir

in geistlicher Leere oder Verwirrung, in

lebensfeindlicher Wüste, Verirrung, Wildnis

und Ausweglosigkeit, ihn kennenlernen,

damit unsere ‚Innenwelt‘ wieder geordnet

wird und wir wieder gesund, lebensfroh und

liebesfähig werden.

Gott gibt uns Menschen Naturgesetze,

Ordnungen, Lebensregeln und Gebote.

Sie sollen uns orientieren, unser Leben

bewahren und ein friedliches

Zusammenleben ermöglichen.

 

Er will uns einen Geist der Liebe, Fürsorge

und des Wohlergehens geben, einen der

Gottverbundenheit und des Gottvertrauens;

einen Geist für Vorbild, Verlässlichkeit und

Treue, für Bestimmung, Ziel und

Bestätigung, für Besinnung, Freude, Treue,

Dank und Hoffnung, einen für geordnetes

Zusammensein und darin Friede und Vergebung.

 

Das sind seine Ordnungsmerkmale, seine

Wegweiser, seine Lebenshilfen für uns.

 

Deswegen sollen wir uns nach dem Willen

Gottes richten und ihn einhalten. Dazu gibt

er uns seinen heiligen Geist, der uns berät,

im Glauben kräftigt, durchs Leben begleitet

und auf dem rechten Weg hält. Kurz gesagt:

Gottes Ordnung ist lebensbewahrend, sie

räumt auf, gibt Lebensraum, gewährt

Sicherheit, bewahrt Leben und sorgt mit

Regeln für Disziplin.

 

Die Gottesbeziehung ist Zentrum seiner

Ordnung für Menschen. Sie gibt Halt und

Sicherheit, Führung und Orientierung.

In ihr ordnet Gott. Er ist auch unser

Gegenüber. Er gibt Antworten, hilft

Gepeinigten, ermöglicht Glauben, vergibt

Schuld und stiftet Gerechtigkeit.

Er schenkt das erlösende Wort, die

befreiende Erkenntnis. Er löst aus

schlechten Abhängigkeiten und Bindungen.

Er ist der Gute und das Gute. Er gibt

Aufgabe, Sinn und Erfüllung. Er alleine kann

das Böse, das Destruktive und

Zerstörerische um uns und in uns

überwinden.

Nur in der Gottesbeziehung wissen wir uns

geliebt und angenommen. Nur in ihr erleben

wir Gottes liebevolles und selbstloses

Entgegenkommen, sein gnädiges, gütiges,

treues, barmherziges, aber auch richtendes

und allmächtiges Wesen.

Nur aus ihr entstehen in uns tiefe Liebe und

Freude, Vertrauen und anhaltender Frieden,

Geduld und Verständnis, Freundlichkeit,

Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung,

all das ist Grundlagen für eine gelingende

Gemeinschaft. Leider geht diese

Gottesbeziehung immer mehr verloren. Sie

erstickt in Wohlstand oder Hochmut, in

Gleichgültigkeit oder Interesselosigkeit, in

Selbstverherrlichung oder Überheblichkeit.

Leider ist Jesus nicht bei jedem Menschen

‚Herr seines Lebens‘.

 

In Kol 1,19-21a heißt es:

Ja, Gott hat beschlossen, mit der ganzen

Fülle seines Wesens in ihm (in Jesus) zu

wohnen und durch ihn das ganze Universum

mit sich zu versöhnen. Dadurch, dass

Christus am Kreuz sein Blut vergoss, hat

Gott Frieden geschaffen. Die Versöhnung

durch Christus umfasst alles, was auf der

Erde, und alles, was im Himmel ist. Auch ihr

(Christen) seid darin eingeschlossen.

 

Am Anfang war Gott nur in sich. Dann

formte er die Welt, die Erde mit der Natur,

mit Leben und dem Menschen als sein

Gegenüber. Am Ende wird er alles in allen

sein.

 

In 1. Kor 15,8 heißt es:

Wenn dann alles unter die Herrschaft von

Christus gestellt ist, wird er selbst, der Sohn,

sich dem unterstellen, der ihn zum Herrn

über alles gemacht hat. Und dann ist Gott

alles in allen.

 

Damit ist Anfang und Ziel von Gottes Wirken

zusammengefasst.

 

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