Nihilismus
Die Qual, in der Vergangenheit zu leben
Ein Nihilist glaubt,
sein Leben habe keinen Sinn.
Deshalb hat er keine Hoffnung
auf positive Veränderung und Glück.
Er ist an die Vergangenheit gefesselt
und hat resigniert.
Er tut nichts mehr gegen sein Unglück.
Er ist enttäuscht und verbittert,
weil er an vergangenen Fehlschlägen
festhält und weil es ihm nicht gelungen ist,
glücklich zu sein.
Er hat gelernt zu versagen
und akzeptiert das.
Er traut sich nicht mehr
initiativ zu werden, weil er
erneuten Misserfolg befürchtet.
Das führt ihn immer tiefer in
Ablehnung, Verneinung und Verzweiflung.
Er unterliegt der Selbstlüge,
dass er nicht glücklich sein kann,
egal was er tut.
Er leidet in der Gegenwart,
weil er weder hofft, noch irgendetwas
für die Zukunft plant.
Es gab Zeiten in meinem Leben,
in denen alles schief lief,
in denen ich hoffnungslos überfordert
war und mutlos wurde,
in denen ich keine Lebensfreude
mehr hatte und innerlich zerbrach.
Ich haderte mit mir und anderen,
mit meinem selbst beeinflussten
Schicksal und mit vergangenen
Fehlentscheidungen.
Und weil das nicht abzustellen war,
wurde alles schlimmer.
Ich geriet aus der Überforderung
in schwere Krankheit, in Burnout
und in tiefe Depression und auch
in Hoffnungslosigkeit.
Verzweiflung und Ängste
beherrschten mich
und die machten
alles noch schlimmer.
Ich konnte und wollte nicht mehr.
Ich flüchtete vor allem und mied alles.
Ich zog mich immer weiter zurück
und machte dadurch alles noch schlimmer.
Mein Körper war psychosomatisch
mit argen Schmerzen und Entzündungen
gepeinigt und zeitweise fast gelähmt.
Ich hatte damals zwei innere Bilder:
Erstens:
Ein peinigender Zwerg saß mir
unabtrennbar im Nacken und
umklammerte meine Kehle,
sodass ich kaum noch Luft bekam.
Zweitens:
Nach gescheiterten Lösungsversuchen
sah ich mich immer wieder in einer tiefen
Grube und je ängstlicher nach unten sah
und noch Schlimmeres befürchtete,
desto tiefer wurde die Grube
und desto tiefer sank ich.
Schließlich überfielen mich immer
häufiger Selbstmordgedanken,
die mir als einziger Ausweg
aus meinem Elend erschienen.
Doch als ich diesen scheinbar
letzten Ausweg anging,
geschah seltsames.
Ich hörte in meinem Kopf eine Stimme,
die mich beim Namen nannte
und mich fragte:
Was willst du da tun?
Ich war verwirrt und überrascht,
fühlte mich beobachtet und ertappt.
Wer hatte da noch Interesse an mir
und meinem Leben?
Wem war ich so wichtig, dass er
auf diese ungewöhnliche Weise in
meine Tötungsabsicht eingriff?
Meine Wissbegier und Hoffnung
flackerten wieder auf.
Gibt es noch einen anderen Weg?
Es war mir plötzlich unmöglich,
meine Absicht zu vollenden.
An diesem Abend saß ich
im dunklen Zimmer und versuchte,
das Geschehene zu verstehen
und die Herkunft der Stimme zu
ergründen, doch es gelang mir nicht.
War sie vielleicht von Gott?
Konnte er mir Halt und Anker,
Helfer und Wegweiser sein?
Und aus mir brach ein
ohnmächtiger Hilfeschrei,
ein hilfloses, verzweifeltes Stoßgebet:
„Gott, wenn es dich wirklich gibt,
dann zeige dich! Ich brauche dich.“
In Bezug auf mein inneres Grubenbild
wurde mir klar, dass ich in meiner Furcht
immer nur nach unten ins Elend und ins
Selbstmitleid geschaut hatte.
Nun sah ich mich wie von außen.
Ich sah jemanden auf der Suche,
ob es nicht vielleicht doch eine
Möglichkeit gebe,
sein Gefängnis zu verlassen.
Ich erkannte,
dass ich tief in der Patsche saß
und dass es keine Möglichkeit gab,
mich selbst zu befreien.
Nun rief ich laut um Hilfe,
doch kein Mensch hörte mich.
Ich hatte mich zu weit
von ihnen entfernt.
Und bevor die alte Angst sich wieder
breit machen konnte,
blickte ich nach oben
und erkannte oben im Loch
ein Stückchen blauen Himmels
und mich durchrieselten
vergessene Wärme
und erleichternde Hoffnung.
Ja, ich brauchte die Hilfe des Himmels.
Doch kaum waren diese
Gefühle und Gedanken präsent,
versuchte die Angst,
mich wieder zu ergreifen.
Der Himmel verdunkelte sich
und ich hörte fernes Donnergrollen
und ich sah immer wieder grelle,
fürchterliche Blitze.
Kehrte mein Unglück zurück?
Und als dann der Regen in mein
inneres Loch floss, zitterte ich
wieder vor Angst und Kälte.
Doch wieder hörte ich die innere
Stimme deutlich sagen:
„Fürchte dich nicht!
Du kannst doch schwimmen.
Das Wasser wird dich nach oben
zurück ins Leben tragen“.
Und das tat es tatsächlich.
Völlig verschmutzt und nass,
aber glücklich und mit neuer,
bestärkter Hoffnung konnte ich
aus der Grube herauskriechen
in ein neues Leben.
Lehre mich Schritt für Schritt,
nach deiner Wahrheit zu leben.
Du bist der Gott, bei dem ich
Rettung finde, zu jeder Zeit setze
ich meine Hoffnung auf dich.
(Ps 25,5; HfA)


