Nagender Hass

 

Hallo Du,

ich habe lange gebraucht, um das aufzuschreiben,

um mich zu diesen negativen Empfindungen und

Gefühlen zu bekennen,

um sie zu durchleben und ihre Bedeutung für mich

zu verstehen.

 

Ja, da gibt es einen Menschen, dem habe ich vertraut

und dem habe ich mich gerne geschenkt.

Wir haben schöne gemeinsame Momente erlebt

und viele glückliche Stunden miteinander verbracht.

Wir haben uns verstanden und geliebt;

im Grunde genommen liebe ich ihn immer noch.

 

Aber dieser Mensch hat mich verlassen.

Er hat sich in einen anderen Menschen verliebt,

weil ich ihm nicht gut genug war.

Er hat mich als Mensch zurückgewiesen und

gedemütigt, meine Offenheit, mein Vertrauen

und meine Liebe benutzt und ausgenutzt.

 

Ich bin nun verlassen und weiß nicht, wem

ich meine Liebe schenken kann.

Ich werde zornig auf ihn, wenn mir sein

Unrecht durch den Kopf geht.

Ich werde wütend auf mich und ihn, wenn ich

an diese Beziehung denke.

Ich hasse ihn, weil er mich zurückgewiesen,

belogen und betrogen hat.

Ich möchte es ihm mit meiner Rache heimzahlen!

Aber was eigentlich?

 

Ich bemerke,

dass mir diese negativen Gefühle

überhaupt nicht gut tun,

dass ich in diesen Gefühlen jede

Orientierung und mich selbst verliere,

dass ich meine guten Seiten vergesse

und mein herzliches Wesen verleugne,

dass sich ein Schatten über meine

Freundlichkeit und Offenheit legt,

der mein Leben verdunkelt und mich

des Lebens beraubt.

 

Stelle ich hier mein Ego nicht zu stark

in den Vordergrund?

Wurden meine Würde oder meine Eitelkeit

und mein unerfülltes Wollen verletzt?

War meine Liebe wirkliche Liebe?

Kann dieser Mensch nicht tun und lassen

was er für richtig hält, auch wenn es in

meinen Augen falsch, verantwortungslos

und unehrlich ist?


Gnädiger Gott, ich bin hier

an eine Grenze gekommen, die ich in

meiner emotionalen Befangenheit

nicht aus eigener Kraft und Einsicht

überwinden kann.

 

Schenke Du mir die Gnade der Vergebung,

damit ich nicht länger an mir selbst zweifle

und damit ich diesem Menschen

nichts mehr nachtrage,

ihm gegenüber, keine Schadenfreude empfinde,

ihm nicht schade

und ihn seinen eigenen Weg gehen lasse.

 

Gebe mir bitte die Gnade,

dass ich meine eigenen Schwächen

erkenne und dazu stehe,

dass ich sie als Entwicklungschancen

nutze und daran arbeite,

und dass ich aus dieser schmerzlichen

Liebeserfahrung lerne,

damit ich wieder beziehungsfähig werde

und vertrauensvoll in die Zukunft gehe.

 

Barmherziger Gott, ich danke Dir,

dass Du diese ungute Beziehung beendet hast,

denn dadurch hast Du mich

vor Schlimmerem bewahrt und mir Deinen

Willen und meine Grenzen bewusst gemacht.

 

Du hast mir Gelegenheit gegeben,

meine Einstellungen, Vorstellungen

und Erwartungen zu verändern,

meine Liebe und Warmherzigkeit

neu zu entdecken

und mein Dasein neu zu verstehen.

 

Du hast mir gezeigt, dass ich nichts

erzwingen kann und dass mein Wille

nicht maßgeblich ist

sondern,

dass alleine Dein Wille zählt,

dass Du es immer gut mit mir meinst,

dass ich Dir mein Leben sorglos

anvertrauen kann,

dass ich alles dankbar annehmen darf,

was Du geschehen lässt,

und dass ich es Dir überlassen muss,

was Du mit mir tust,

was Du in mir und durch mein Wesen

bewirken willst, und wie lange Du mich

für Dein Werk benötigst!

 

 

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