Nagende Zweifel
Sie müssen Gott aber in festem Vertrauen bitten
und dürfen nicht zweifeln. Wer zweifelt, gleicht
den Meereswogen, die vom Wind gepeitscht
und hin und her getrieben werden. (Jak 1,6)
Hallo Du,
warum nur habe ich immer wieder diese Zweifel?
Warum quälen mich Vorbehalte und Bedenken?
Warum befinde ich mich immer wieder
in schwankender Ungewissheit darüber, ob ich
etwas glauben kann oder ob etwas richtig ist?
Was stimmt nicht mit mir?
Nun, die Antwort findet sich bereits in den
ersten fünf Zeilen.
Jede „Warum-Frage“ ist eine Kopf-Frage,
eine Frage des Denkens. Der Verstand möchte
verstehen, was richtig ist,
auch wenn es kein ‚richtig‘ gibt,
auch wenn es nichts zu verstehen gibt.
Der Verstand steht mir im Weg, weiter zu kommen.
Der Verstand steht und kreist um unlösbare Fragen.
Der Verstand sieht Umstände, die im Weg stehen,
die mich verunsichern und verängstigen,
die auch mich stehen bleiben lassen,
die mich davon abhalten, etwas zu wagen.
Ich würde so gerne
· das Offenbare und Wirkliche sehen,
· ganz selbstverständlich an das Gute glauben,
· vertrauensvoll ins Ungewisse gehen,
· mutig und gewiss auf meine Stärken bauen,
· zweifellos Geschehnisse und Dinge akzeptieren,
· offen und natürlich an Dinge herangehen
und im Vertrauen auf Gott mir dabei sicher sein,
· bestimmt und meiner selbst bewusst
spontan aus dem Herzen heraus handeln.
Aber,
irgendetwas hemmt mich, bremst mich und behindert mich;
irgendetwas habe ich falsch gelernt und verstanden;
irgendetwas macht mich vorsichtig, misstrauisch und ängstlich.
Ja ich bemerke es:
Hinter meiner Unsicherheit steht Furcht,
– die Angst etwas nicht zu wissen oder zu können,
– die Angst etwas falsch zu verstehen oder zu machen,
– die Sorge, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein,
– die Besorgnis, dass andere nicht mit mir zufrieden sind,
– die verunsichernde Annahme, dass andere eine Aufgabe
schneller und besser machen könnten,
– der Verdacht, dass ich nicht gut genug bin.
Ich habe nie die Fragen für mich geklärt,
wer ich bin und welche Stärken ich habe,
was andere an mir bewundern und mögen,
welche Lebensaufgabe ich habe.
Deswegen stehe ich wie im Nebel
und sehe die Wirklichkeit nicht.
Deswegen sehe ich Hindernisse
und Mauern, wo keine sind.
Deswegen habe ich Fragen,
wo keine angebracht sind.
Weil ich in meiner Unsicherheit und Verunsicherung
glaube, alles superkorrekt machen zu müssen,
denke ich viel zu lange darüber nach
und meine Energie und Tatkraft schwinden dabei.
Ich bleibe in der Theorie stecken.
Ich bleibe im Zweifel stecken.
Ich bleibe im Unglauben an meine Fähigkeiten
und an Gottes Fähigkeiten stecken.
Ich vertrauen mir nicht.
Ich vertraue Gott nicht.
Ich traue mich nicht seiner gnädigen
und liebevollen Führung an.
Ich vermeide den Schritt in die Ungewissheit und
damit den Glaubensschritt im Vertrauen auf Gott.
Im Zweifel gebe ich den Versuchungen
des teuflischen Versuchers nach,
der mich klein, unselbständig und abhängig,
der mich unsicher und ungläubig haben möchte.
Im Zweifel lasse ich mir Sand in die Augen streuen,
der mich blind macht,
der alles bedenklich bedenkt,
der alles fragwürdig in Frage stellt,
der alles verzweifelnd in Zweifel zieht,
der alles obskur, ominös
und problematisch betrachtet.
So kann man nur unentschieden und zögerlich sein.
So kann man nur unbestimmt und fremdbestimmt sein.
So kommt man aus dem Anzweifeln, Bezweifeln,
und Verzweifeln nicht mehr heraus.
Letztlich zweifelt man an seiner eigenen Stärke,
daran, geliebt und gebraucht zu werden,
daran, nützlich zu sein,
daran, lieben zu können.
Letztlich zweifelt man an seiner Daseinsberechtigung,
an seinem Verstand, seinem Können
und seinem Glauben, an seinem gesamten Wesen.
Wer zweifelt, traut Gott nichts zu!
Wer zweifelt, hat kein Vertrauen zu Gott!
Wer zweifelt, misstraut Gott!
Alles liegt in seinen Händen.
Alles ist gut so, wie es ist,
weil es nur dadurch besser werden kann,
weil es nur dadurch, durch uns – dich und mich –
und seine Unterstützung, besser werden kann.
„Der Teufel fügt zu seinen Sünden Rebellion;
in unserer Mitte sät er Zweifel aus und häuft
die bösen Worte gegen Gott.“ (Hiob 34, 37)
„Tut das alles ohne Murren und ohne
langes Hin– und Her reden!“ (Phil 2,14)
Das sollst du lehren und allen nachdrücklich
klarmachen: An der Ernsthaftigkeit deiner
göttlichen) Worte darf es keinen Zweifel geben.
(Tit 2,15)
Jesus sagt: Ich versichere euch: Wenn jemand
zu diesem Berg sagt: Auf, stürze dich ins Meer!,
und hat keinerlei Zweifel, sondern vertraut fest
darauf, dass es geschieht, dann geschieht es
auch. (Mt 11,23)
