Menschliche Schmarotzer – Teil 2

 

Ausgenutzt werden

 

Hallo Du,

müsste die Überschrift nicht anders lauten,

z.B.: ‚Ich werde ausgenutzt!‘ oder

‚Ich fürchte, ich werde ausgenutzt.‘ oder

‚Hilfe! Ich weiß nicht weiter‘.

Vielleicht aber auch als Frage:

‚Werde ich ausgenutzt?‘ oder

‚Warum kann man mich ausnutzen? ‘

oder spitz formuliert:

‚Wird meine Liebe/Gutmütigkeit missbraucht?‘.

 

Im Jahr 2004 schrieb ich einen Beitrag über

‚Menschliche Schmarotzer‘.

Was ich damals nicht ahnen konnte war, dass es

so viele Menschen mit ähnlichen Erfahrungen

gibt, die darunter leiden und die damit nur schwer

zurechtkommen, denn seitdem wurde dieser Text

rund 20.000-mal angeklickt! (Stand 10/2022)

Das ist ein guter Grund, diese Problematik noch

einmal genauer zu betrachten.

 

Als Einstieg stelle ich folgende Fragen:

Wie kommst du zu deinem Verdacht,

zu dieser Feststellung,

zu dieser Einschätzung?

Was lässt dich das vermuten?

Was regt dich dabei auf?

Darf man so etwas als Christ/Christin

überhaupt denken, fragen, empfinden?

Was stimmt nicht mit den Ausnutzern und mit mir? 

Gehen wir es an.

 

1. Liebe und Nächstenliebe

In 1. Kor 13, 4-7; beschreibt Paulus die Liebe Gottes/Jesu

und macht uns deren Größe und Wichtigkeit bewusst, ja,

er bezieht sie sogar auf sein und aller Einstellung und

Verhalten:

Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen

Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist nicht eingebildet.

Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen

Vorteil, sie verliert nicht die Beherrschung, sie trägt

keinem etwas nach. Sie freut sich nicht, wenn Unrecht

geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit.

Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie,

allem hält sie stand. (NGÜ)

 

Wenn wir das Wort ‚Liebe‘ durch ‚Jesus‘ bzw. ‚Gott‘ ersetzen,

dann verstehen wir auch den letzten Satz, der uns Menschen

so schwerfällt:

Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie,

allem hält sie stand.   

Die Beiden können das!

 

In Phil 1,9 schreibt Paulus sehr realistisch:

Und das ist meine Bitte an Gott: dass er eure Liebe,

verbunden mit der rechten Erkenntnis und dem nötigen

Einfühlungsvermögen, immer größer werden lässt. (NGÜ)

 

Er weiß: Die meisten Menschen haben diese Gottesliebe

noch nicht. Sie sind noch zu sehr dem ‚normalen‘, weltlichen,

selbstbezogenen Denken und Verhalten verhaftet.

Und er weiß auch, dass es ihnen schwerfällt, dass es

unmöglich ist, dieses Idealbild von Liebe aus eigener Kraft

zu erreichen und zu leben. Deswegen bittet er Gott, dass

der ‚nach und nach‘, durch Einsicht und mit der Hilfe des

Heiligen Geistes, das in ihm/uns bewirkt. Möglich ist das

aber nur, wenn wir das auch wollen und zulassen; nur,

wenn wir die vielfältige Liebe Gottes und die seines Sohnes

selbst erlebt haben und uns davon gerne ändern lassen.

Dieses ‚immer größer werden‘ bedeutet, dass wir uns

irgendwo zwischen 0 und 100 befinden, dass wir noch

manches zu lernen und zu verstehen haben, dass unsere

Nächstenliebe noch Grenzen hat, dass uns große Heraus-

forderungen noch überfordern.

Für einen, der zu wenig Liebe bekam, kann schon ein

bisschen gegebene Liebe viel Liebe sein. Gott weiß das!

Er liebt uns trotzdem.

 

1.Joh 4,16 Und ´noch etwas gibt uns die Gewissheit, mit

Gott verbunden zu sein`: Wir haben erkannt, dass Gott

uns liebt, und haben dieser Liebe unser ganzes Vertrauen

geschenkt. Gott ist Liebe, und wer sich von der Liebe

bestimmen lässt, lebt in Gott, und Gott lebt in ihm. (NGÜ)

 

2. Leben in einer Gemeinschaft

Jede Gemeinschaft lebt und wird erhalten durch gegen-

seitige Verbundenheit, durch gegenseitigen Respekt und

durch gegenseitige Unterstützung, durch gemeinsames

Handeln fürs gleiche, übergeordnete Ziel.

Oberstes Ziel ist das Wohl und die Weiterentwicklung jedes

Einzelnen zum Wohl aller. Dazu bringt jedes Mitglied seine

ganz persönlichen Fähigkeiten zum Nutzen der Gruppe

aktiv ein. Jeder muss/darf/soll dabei mithelfen. Jeder hat

in der Gruppe seine Pflichten und Mitverantwortung für

die Anderen. Wer dagegen verstößt, stellt sich gegen die

Gruppe und deren Werte und Ziele und schließt sich damit

selbst aus.

 

Jegliche Form von destruktivem Egoismus, von selbst-

bezogener Trägheit, von Bequemlichkeit oder Faulheit

geht zu Lasten von Anderen und darf nicht geduldet

werden.

Auf Kinder bezogen, ist das ja noch verständlich.

Kindliches Verhalten lotet Grenzen aus. Werden ihnen

keine Grenzen gesetzt, entwickeln sich kleine Despoten.

Auf Erwachsene bezogen, ist das jedoch fatal.

 

3. Erziehung mit Liebe, Verständnis und Nachsicht,

aber auch mit Konsequenz

Der Mensch hat keine angeborene Lebenstüchtigkeit.

Als Kind ist er weitgehend hilflos. Durch Lernen findet

er sich in die jeweils gegebene Lebenssituation ein.

Das sorgt für sein Überleben. Dazu braucht er zunächst

die elterliche Erziehung, deren Liebe, Fürsorge und

Führung, deren Lebenserfahrung und Lebensweisheit.

Die gibt ihnen  Wegweisung, Halt und Orientierung.

Die geben ihnen Sicherheit, ein Lebensfundament

und Überlebensfähigkeit. Keine Erziehung wäre grausam,

wäre gleichgültige Lieblosigkeit, ließe im Unklaren und in

Unsicherheit, bedeutete lebenslang Schwierigkeiten

durch unangemessenes, überzogenes oder verunsichertes

Denken, Verhalten und Handeln, erzeugt zu kurz gekommene

und ausnutzende Menschen.

 

Eltern haben, wie jeder andere auch, eine individuelle

Lebenssicht, die aus ihrer eigenen Erziehung und ihren

Erlebnissen entsteht. Sie muss nicht richtig sein.

Deswegen nehmen auch noch andere Menschen Einfluss

auf die Erziehung, z.B. im erweiterten Familienkreis, im

Kindergarten, in der Schule, bei der Arbeit oder im

Freundeskreis. Immer sollte Erziehung mit Wohlwollen

und Zuneigung, mit Anerkennung, Wertschätzung, Respekt

und Lebensmut verbunden sein.

 

Erziehung hat ein Ziel. Dieses Ziel ist der mündige, lernbereite,

verantwortungsbewusste, anständige und lebensbewältigende

Mensch. Erziehung soll dem Menschen förderlich sein und in

ihm Gutes bewirken. Deswegen geht sie auf seine individuellen

Gegebenheiten ein, zeigt ihm seine Möglichkeiten auf, fördert

dessen Begabungen, setzt ihm aber auch Grenzen in

gefährlichen Bereichen, z.B. bei ungezügelten Wollen, bei

überstarker Selbstbezogenheit und bei jeglichem unsozialem

Verhalten (z.B. bei Ungehorsam, Lüge, Täuschung, Betrug,

Unbeherrschtheit, Gewalt oder Rücksichtslosigkeit).

In allen Bereichen, die für seine spätere soziale Akzeptanz

und Eingliederung in die Gesellschaft, in eine Gemeinschaft

wichtig sind. Gerade die Anerkennung von Autorität und von

gemeinnützigen Regeln und Gesetzen sind hier zu nennen.

 Anerkennung, Lob und Bestätigung, wie auch Tadel oder

Strafe sind Hilfsmittel, das erwünschte Erziehungsziel zu

erreichen. Sie wirken aber nur bei angemessener,

einfühlsamer und wohldosierter Anwendung, ansonsten

führen sie evtl. zu Widerstand oder gar Rebellion.

 

Erziehung ist nicht immer leicht und deswegen oft auch

unbequem. Der unerfahrene und hartnäckige Wille von

kleinen und großen Kindern (und auch von unreifen

Erwachsenen) kann ganz schön nerven. Bei Kindern gehört

er zum Lernspiel. Er lotet die gesetzten Grenzen aus und

überschreitet sie auch mal gerne, um deren Wichtigkeit

und Sinnhaftigkeit zu prüfen und die Folgen und eigenen

Möglichkeiten auszutesten. Konflikte mit anderen gehören

dazu, denn in diesen Situationen ist der Lerneffekt am

Größten.

Die Konflikte sind jedoch geringer, je früher man liebevoll

und konsequent erzieht. Doch manche Eltern möchten sie,

nervensparend, lieber vermeiden, vielleicht aus falsch-

verstandener Liberalität, aus Bequemlichkeit, aus Verdruss,

aus Überforderung oder aus Zeitmangel. Wie auch immer,

die Spätfolgen sind für viele fatal. Ist das wollende,

ichbezogene Auslotspiel immer mal wieder erfolgreich,

dann verfestigt es sich als erfolgreiche Methode.

Jedes weiter ‚Bekommen-Wollen‘ wird dann ganz bewusst

durch hartnäckiges und nervendes, mehr oder weniger

aggressives Erwarten, Bitten, Betteln oder Fordern begleitet,

evtl. verfeinert durch Scheinversprechen, Schmeicheleien

oder durch ständiges Maulen, Nörgeln oder Schmollen.

Der Bekomm-Kampf wird immer dreister. Die Kinder bzw.

Jugendlichen werden immer raffinierter.

Die Beziehung zueinander immer zerrütteter, verkrampfter

und unhaltbarer.

 

Weshalb sollten Kinder solche Erfolgserlebnisse dann später

als Erwachsene aufgeben? Sie denken sich:

‚Es lebt sich doch schön bequem auf Kosten von anderen

und die sind ja selbst daran schuld, wenn sie nachgeben

und auf meine ‚Versuche‘ reinfallen‘.

Und vielleicht auch:

‚Vor solchen Menschen habe ich keine Achtung. Mit mir

lasse ich so etwas nie machen.‘

Das bedeutet leider aber auch, dass Ausnutzer, Schmarotzer,

immer Menschen suchen und finden, die sich ausnutzen

lassen. Sei es aus deren Liebe, Gutmütigkeit, Schwäche,

Dummheit oder Sonstigem.

 

Erziehung hat viel mit Vertrautheit und gegenseitigem

Vertrauen zu tun. Hat man viel Zeit mit dem Anderen

verbracht und ihn dabei schätzen und achten gelernt?

Fragen wir uns nicht auch: Vom wem lasse ich mir sagen

lassen, was für mich richtig oder falsch ist?

Was für mich unbequem ist?

Mag ich den überhaupt?

Wie geht denn der mit mir um?

Mag der mich? Schätzt der mich?

Bin ich ihm wichtig? Geht der auf mich ein?

Will der mich zu etwas bringen/zwingen,

was der will, ich aber vielleicht nicht möchte

oder meint er es gut mit mir,

erklärt und begründet seine Vorschläge?

 

Zwang führt immer zu Widerstand und vernichtet Vertrauen.

Zwang ist kontraproduktiv. Verständnisvolles Gespräch,

verbunden mit Erklärungen dagegen, beinhalten Würdigung,

Mitmenschlichkeit, Verständnis und Einsicht, auch Liebe,

Vertrauen und Zuwendung.

Konsequent und streng zu sein bedeutet nicht, hart und/oder

herzlos zu sein, sondern nur:

In bestimmten, wichtigen und folgenschweren Bereichen

keine Ausnahme zu dulden, bestimmt zu bleiben und

nicht nachzugeben.

Es bedeutet, jemanden verantwortungsbewusst

zu führen und zu bewahren.

Es bedeutet nicht, den Willen des Anderen zu brechen,

um es dann leichter mit ihm zu haben.

 

Dazu einige Bibelzitate nach der Bibelübersetzung ‚Hoffnung für alle‘:

Ein Kind steckt voller Dummheiten, aber eine

strenge Erziehung treibt sie ihm aus.  (Spr 22,15)

 

Denn was du durch ihre Erziehung lernst, verleiht

dir Würde und Anerkennung, ja, es schmückt dich

wie eine schöne Halskette oder ein prächtiger

Kranz. (Spr 1,9)

 

Denn die Erziehung deiner Eltern ist wie ein Licht,

das dir den richtigen Weg weist; ihre Ermahnungen

eröffnen dir den Zugang zu einem erfüllten Leben.

(Spr 6,23)

 

Wer seinem Kind jede Strafe erspart, der tut ihm

damit keinen Gefallen. Wer sein Kind liebt, der

erzieht es von klein auf mit Strenge. (Spr 13,24)

 

Erzieh deine Kinder mit Strenge, denn so kannst

du Hoffnung für sie haben; lass sie nicht in ihr

Verderben laufen! (Spr 19,18)

 

Erziehe dein Kind mit Strenge! Dann wird es dir

viel Freude machen. (Spr 29,17)

(Siehe dazu auch den Beitrag: ‚

Konsequente Erziehung‘, Juli 2020)

 

4. Was akzeptiere ich als Erwachsener,

als Elternteil oder Partner/in?

Kinder sind auf ihre Eltern angewiesen. Sie brauchen sie.

Deswegen akzeptieren sie Vieles, auch manches, was

ihnen auf Dauer nicht Guttut.

Aber was akzeptiere ich als Erwachsene/r von anderen

und warum? Weshalb akzeptiere ich etwas?

Was sind meine Stärken bzw. meine Schwachpunkte?

Wieviel bin ich bereit hinzunehmen? Was zu geben,

um etwas zurückzubekommen, vielleicht

‚Gebraucht werden‘, ‚Geliebt werden‘ oder

‚Anerkannt werden‘?

Ist es liebevoll und gesund, immer wieder die eigenen

Bedürfnisse zu ignorieren, sich nicht zu behaupten und

sich immer wieder entwürdigen und entkräften zu lassen?

 

Die Bibel sagt:

‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.‘

(Mt 19,19; 3.Mose 19,18; L)

 

Sie geht davon aus, dass wir uns selbst lieben, also für

unser Wohlergehen sorgen, uns gesund, ausgeglichen

und bei Kräften halten, um auch andere zu lieben, wie

wir uns selbst lieben.

Und ‚lieben‘ bedeutet, innige Zuneigung zu jemandem

zu haben, ihn zu trotz Widrigkeiten zu mögen, ihm zu

vertrauen, für ihn da zu sein! Wie soll das in einem

zerrütteten Verhältnis möglich sein?

Wie kann das Gelingen, wenn man Schlechtes vom Anderen

denkt und ihn innerlich oder offen kritisiert oder gar ablehnt?

Oder, wie soll ‚lieben‘ gelingen, wenn man sich selbst nicht

liebt, vielleicht echte Liebe nicht kennt, weil man sie nie

bekommen hat?

Richten wir unser Denken und Fragen doch nicht nur auf

die vermeintlichen Bösewichte, sondern auch mal auf

uns selbst. (Au).

Was habe ich dazu beigetragen, falsch gemacht, dass es

zu meinem ‚Ausgenutzt worden sein‘ überhaupt kommen

konnte?

Suchen wir dabei nicht nach Schuld, sondern nach den

Ursachen. Die Suche dient nicht dazu, uns zu geißeln,

sondern die eigenen Schwächen zu überwinden und

stark zu werden.

(Siehe dazu auch den Beitrag:

‚Akzeptiere oder Ändere!‘, August 2020)

 

5. Empfinden, Denken, Tun.

Die Bibel berichtet in 2.Samuel 11,2-4; HfA:

Eines frühen Abends stand [König] David auf, nachdem er

sich eine Weile ausgeruht hatte, und ging auf dem flachen

Dach seines Palasts spazieren. Da fiel sein Blick auf eine

[verheiratete] Frau, die im Hof eines Nachbarhauses ein

Bad nahm. Sie war sehr schön. David wollte unbedingt

wissen, wer sie war, und schickte einen Diener los, der

es herausfinden sollte. … David sandte [dann] Boten zu

ihr und ließ sie holen. Batseba kam, und er schlief mit ihr.

 

König David bekam in einem schwachen Moment einen

starken Reiz/Anreiz von außen, der in ihm arbeitete, der

ihn begehren ließ, der seine Gedanken beherrschte und sein

Wollen auf Handeln und Tun und Erleben ausrichtete.

Er wollte diese schöne und anmutige und begehrenswerte

Frau unbedingt haben und ließ sie kommen.

Dem König konnte sie nicht absagen. Sich auch nicht seinem

Begehren verschließen. Sie ließ sich auf ihn ein und das

hatte Folgen. Sie wurde schwanger. Und sein Begehren nach

ihr wurde größer und größer und schließlich sorgte er dafür,

dass ihr Mann, das Hindernis, im Krieg umkam.

 

So ist das mit den Reizen, wenn sie auf innere Bereitschaft

treffen. Wir lassen sie gern zu und beschäftigen uns mit ihnen.

Immer wieder denken über sie nach und malen uns vielleicht

aus, welche angenehmen Gefühle, schöne Erlebnisse oder

befriedigende Erfüllung wir bekommen können. Der Reiz

formt die Gedanken und fokussiert sie.

Die Gedanken manifestieren sich zum unbedingten Wollen

und das Wollen bewirkt dann das Tun, das Verwirklichen.

 

In Mt 5,27 sagt Jesus, vielleicht auch in Bezug auf David:

Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon

mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.

Das bedeutet im Klartext:

Nicht nur das Tun, sondern bereits ein schlechtes Denken,

ist Sünde.

 

Im Einstieg in diesen Beitrag hatte ich hinterfragt:

Darf man als Christ/Christin überhaupt denken:

„Ich werde ausgenutzt!“

Liegt darin nicht schon der Keim von Aufregung, Wut,

Eskalation und Ablehnung in der Beziehung?

Die Gefahr besteht, besonders, wenn dieser Gedanke

überstark und beherrschend wird. Die Gefahr besteht

jedoch nicht, wenn der Gedanke nur eine Ahnung ist,

die durch sachliche Prüfung geklärt werden kann, die

als bestätigt oder als ‚undenkbar‘ erledigt wird.

 

Wir sollten wissen: Alle Reize, Impulse, Erlebnisse von außen,

wollen in uns ein Echo im Fühlen und Denken auslösen und

unser weiteres Handeln beeinflussen. Es kommt darauf an,

mit welcher Bereitschaft wir diese Einflüsse zulassen,

ihnen Raum geben und sie damit in uns verankern.

Die Reize sind wichtig und müssen, dürfen und sollen sein.

Es kommt darauf an, wie wir damit umgehen, welche wir

uns reizen lassen, berühren lassen, welche unser Leben

und unser Wesen und unsere Persönlichkeit bestimmen

dürfen.

(Siehe dazu u.a. die Beiträge:

‚Achte auf deine Gedanken und Gefühle‘ (Juni 2009)

und ‚Jede Sinneswahrnehmung hat ein inneres Echo!‘,

Januar 2020)

 

6. Menschen ändern sich durch Erleben zum Schlechten

oder zum Guten

Im Laufe des Lebens gibt es immer wieder einschneidende

Vorkommnisse, Erlebnisse, die in eine Krise führen, die das

bisherige Sein, Fühlen, Denken und Handeln in Frage stellen,

die eine persönliche Veränderung notwendig machen,

die verändern und ein ‚So weiter!‘ nicht mehr zulassen.

Aber auch schöne, ermutigende, bestätigende und Hoffnung

machende Erlebnisse verändern. Davon möchte man mehr

haben. Dafür sucht man ähnliche Situationen und Menschen.

Dafür ist man bereit, Neues auf sich einwirken zu lassen

und Kräfte zu investieren.

 

Ein geliebter Mensch kann also ins Negative abrutschen

oder im Positiven wachsen. Das kann aber auch ein

ungeliebter Mensch. Er kann interessant, liebevoll

und ehrenwert werden, wenn er die Kurve kriegt,

wenn er aus dem Schleudern kommt, wenn er wieder

Halt und Sicherheit findet.

Es kommt halt darauf an, ob man sich verändern will

und Neues zulässt und erprobt oder ob man verunsichert,

enttäuscht, und verbittert zurückblickt und in seiner Krise

verharrt oder verharren möchte. Wut, Zorn, Selbstmitleid

und Vorwürfe sind schlechte Ratgeber. Sie verstärken den

Schmerz und verlängern die Krise. Hoffendes ‚Nach vorn

blicken‘, den eigenen Acker pflügen und neue Saat säen,

das hilft und heilt, das erneuert. Uns wird, wohin, worauf,

wir sehen! Diese Weisheit ist uralt.

 

Jesus sagt in Lk 9,62; NGÜ:

»Wer die Hand an den Pflug legt und dann

zurückschaut, ist nicht brauchbar für das

Reich Gottes.«,

also für die erfolgreiche Zukunft.

 

Und in 1.Mo 19,26 ist der Blick nicht nur auf den

neuen Lebensweg vorn gerichtet, sondern auch zurück.

 

‚Lots Frau drehte sich auf der Flucht [aus dem Elend] um

und schaute zurück. Sofort erstarrte sie zu einer Salzsäule‘.

 

Ja, bei einem Neuanfang kennt man nicht das Wie und das

Wohin und auch nicht, ob er gut werden wird. Das kann

man auch nicht wissen. Wichtig ist allein, es zu tun.

Das Weitere findet sich dann.

Es gibt immer eine neue Chance. Ein neues Leben.

Für jeden. Durch ein ‚Sich bewegen‘.

Durch ein ‚Sich überwinden‘.

Nicht im alten Trott, im Gewohnten, Bequemen,

sondern im aufmerksamen Dazulernen, im aktiven

Erkunden, im Suchen und Finden und Prüfen.

Entweder man handelt dabei nach dem mühsamen

Prinzip von ‚Versuch und Irrtum‘, das bedeutet,

so lange zu suchen und auszuprobieren, bis man

das ‚Richtige‘ gefunden hat oder, man lässt sich von

vertrauenswürdigen und lebenserfahrenen Menschen

beraten oder, man versucht es auf einem vielfach

erprobten und bewährten Weg, beispielsweise

dem Glaubensweg.

 

7. Gott liebt den Sünder, aber nicht seine Sünden

Wie also sollten wir mit Schmarotzern und Ausnutzern

umgehen?

1. Wir prüfen unseren Verdacht und uns selbst.

2. Wir sprechen mit dem/den Betroffenen darüber und

     schildern auch unser Empfinden und unseren Schmerz.

3. Wir vereinbaren einvernehmlich eine neue, gerechte

    Aufgabenverteilung, klären deren Gewichtung und die

    Verantwortlichkeit dafür. Helfen einander, die Lasten

    zu tragen!

4. Wöchentlich tauschen wir uns sachlich und vorwurfsfrei

    über deren Einhaltung aus.

5. Bei Erfolg freuen wir uns über das erneute

    Zusammenwachsen und unternehmen etwas Schönes.

6. Bei Misserfolg suchen beide Seiten nochmal eine

    neue Chance.

7. Dauerhaftes Nichteinhalten von Aufgaben muss,

    zur allseitigen Gesundung, Konsequenzen haben.

    Die sind anzukündigen und bei Bedarf auch

    zu vollziehen. Erst leichte, dann schwerere.

8. Und wenn auch die Konsequenzen nicht wirken,

     bedeutet das: Ein ‚Sich nicht um Einigung bemühen‘,

     heißt nicht wollen! Dann kann es kein ‚Weiterso‘ geben.

     Es gilt also für jeden Beteiligten, neue eigene Wege

     zu finden. Ein Sünder, der seine Sünde beibehalten will,

     ist für sein weiteres Schicksal selbst verantwortlich.

     Auch Gott lässt Menschen eigene Wege zu, in der

     Hoffnung, dass sie auf ihren Umwegen zu ihm finden.

9. Danach gilt, trotz Schmerz: Vorwärtsgehen und sich nicht

    mehr umdrehen. Und, die gleichen Fehler nicht mehr

    zu wiederholen.

 

 Tragt die Lasten gemeinsam! Brüder und Schwestern,

wenn sich einer von euch zu einer Verfehlung hinreißen

lässt, sollt ihr, die ihr von Gottes Geist geleitet werdet,

ihn liebevoll wieder zurechtbringen. Seht aber zu, dass

ihr dabei nicht selbst zu Fall kommt. Jeder soll dem

anderen helfen, seine Last zu tragen. Auf diese Weise

erfüllt ihr das Gesetz, das Christus uns gegeben hat. 

Wer sich jedoch einbildet, besser zu sein als die anderen,

der betrügt sich selbst.  Darum soll jeder sein Leben

genau prüfen. Dann wird er sich über seine guten Taten

freuen können, aber keinen Grund zur Überheblichkeit

haben. (Gal 6,1-4; HfA)

 

Zu seinem Dienst für Gott sagte Jesaja:

Ich aber dachte: »Vergeblich habe ich mich abgemüht,

für nichts und wieder nichts meine Kraft vergeudet.

Dennoch weiß ich, dass der HERR für mein Recht sorgt,

von ihm, meinem Gott, erhalte ich meinen Lohn.

(Jes 49,4; HfA)

 

 

(Siehe dazu auch die Beiträge:

‚Menschliche Schmarotzer‘ Teil 1 – September 2004

 ‚Konsequente Erziehung‘, Juli 2020

 ‚Akzeptiere oder Ändere!‘, August 2020)

 ‚Achte auf deine Gedanken und Gefühle‘ (Juni 2009)

‚Jede Sinneswahrnehmung hat ein inneres Echo!‘ (Januar 2020)

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