Immer wieder Angst
Hallo Du,
gestern hat mir ein 14-jähriger Teenager erzählt,
dass sie immer wieder Angst hat. Das hat mich
erschreckt. Da kann sie ja gar nicht froh und frei
und unbelastet sein. Da ist sie ja immer vorsichtig,
zurückhaltend und gehemmt. Da versteckt sie sich
lieber und traut sich nichts zu. Und das alles ist auf
Dauer nicht gut und hält sie bestimmt auch nicht
gesund.
Natürlich hat das Ursachen, aber die kann man
überwinden. Angst an sich ist nichts Schlechtes.
Angst weist darauf hin, dass etwas nicht stimmt,
dass vielleicht Gefahr droht.
Wenn ich das näher betrachte, dann erkenne ich,
dass die Angst immer dann kommt, wenn man sich
nicht sicher ist und/oder sich nicht sicher fühlt.
Angst hat man auch, wenn etwas unklar ist, wenn
man über etwas nicht genug weiß, wenn man zu
träge ist, einem Problem auf den Grund zu gehen.
Hierzu ein Beispiel:
Ich hatte als Schüler in der Mittelstufe immer Angst,
am Anfang der Stunde bei der Wiederholung dran
zu kommen, geprüft zu werden und vor der Klasse
zeigen zu müssen, ob ich alles aus der letzten Stunde
noch weiß und richtig verstanden habe.
Wenn nicht, gab es nicht nur eine schlechte Note,
sondern auch noch die hämische Schadenfreude der
Mitschüler*innen.
Irgendwann war mir das zu blöd. Ich habe darüber
nachgedacht und die Ursache für meine Angst
erkannt: Meine Faulheit. Das war die Wende.
Angst ade! Seitdem habe ich zuhause für den
nächsten Unterricht gelernt. Ich habe mir meine
Mitschrift durchgelesen und die entsprechenden
Seiten im Schulbuch.
Ich gab der Angst keine Chance mehr.
Am Unterrichtsbeginn habe ich mich dann freiwillig
gemeldet und den Lehrer damit ziemlich überrascht.
Das kannte er von mir nicht. Ich hatte mich bisher,
wie die anderen, klein gemacht, versteckt und so
getan, als wäre ich gar nicht da.
Und: Der Lehrer hat mich drangenommen. Er wollte
prüfen, ob mein Melden ein Trick ist.
Aber, ich wusste alles.
Ich erhielt eine gute Note und was noch wichtiger
war, eine große Freude und einen motivierenden
Triumpf über mein altes Verhalten.
Seit dem Tag habe ich das in allen Fächern gemacht.
Ich habe meine Angst bei den Hörnern gepackt und
die Ursachen dafür, nämlich Trägheit, Faulheit und
Unwissenheit, überwunden.
Ich wurde ein richtig guter und selbstbewusster
Schüler! Und weil ich mich nun immer freiwillig
gemeldete, wurde ich immer seltener drangenommen,
denn die Lehrer wussten jetzt, dass ich gut vorbereitet
war und suchten lieber Schüler aus, von denen sie
dachten, dass sie den Unterrichtsstoff nicht verstanden
hatten. Und die fürchteten sich weiter vor den Lehrern,
vor schlechten Noten, eigentlich vor sich selbst.
Ein anderes Beispiel:
Wenn ich als Kind ein schlechtes Gewissen hatte, habe
ich mich auch vor Gott versteckt, denn mir wurde
eingetrichtert, dass Gott das Böse bestraft, sofort
oder später! Das hat er zwar nie getan, aber ich konnte
nicht sicher sein, dass das so bleibt. Von meinem
Stiefvater dagegen war die Bestrafung sicher.
Aus dieser Zwickmühle bin ich erst viel später heraus-
gekommen, nämlich als ich ganz bewusst Christ wurde
und Gott (durch Jesus) besser kennengelernte.
Aus der Bibel und von freundlichen Christen habe ich
gelernt, was Lieben und Vergeben wirklich bedeutet
und an mir vermag.
Gott weiß, wie unvollkommen ich bin (wir alle sind).
Und er weiß auch warum. Deswegen steht bei ihm
nicht die Strafe im Vordergrund, sondern unser
freiwilliges Dazulernen.
Das Annehmen der ehrlichen und kritischen Hinweise
von Menschen, bei denen ich sicher bin, dass sie mir
nicht schaden wollen. Deren wohlmeinende Argumente
sind hundertmal sinnvoller als eine Ohrfeige.
Und eine verständnisvolle Umarmung ist tausendmal
effektiver, als überstrenges, erbarmungsloses Verprügeln.
Als Christ brauche ich keine Angst mehr zu haben,
weil ich gelernt habe, das Richtige zu denken und zu tun.
Trotzdem mache auch ich manchmal noch das Falsche,
selten absichtlich, häufiger unbeabsichtigt. Doch dann
verstecke ich mich nicht. Ich lasse mich auch nicht
mehr von einem schlechten Gewissen quälen, sondern
bekennen das Falsche offen und ehrlich im Gebet.
Ich übernehme die Verantwortung dafür, bereue es
und bitte Jesus um Hilfe, dass ich es künftig nicht
mehr tue.
Es ist unglaublich, er hilft tatsächlich, irgendwie,
immer wieder. Nicht so, wie ich es vielleicht hoffe,
aber immer so, wie es für ihn richtig ist. Ich kann
immer wieder nur über seine Weisheit und Weitsicht
staunen, dazulernen und ihm danken.
Mehr noch: Er vergibt immer wieder, wenn ich Fehler
vor ihm zugebe und sie ehrlich bereue. Er vergibt, weil
er wirklich liebt und weil er schädigende Ängste
verhindern möchte. Er vergibt, damit wir gerne auf
ihn hören, allmählich liebevoller werden und uns
seiner Liebe, Hilfe und Unterstützung sicher sind!
Und tatsächlich:
Er ist immer da. Er passt immer auf uns auf.
Und das, macht uns sicher, froh und zuversichtlich.
Auf ihn ist Verlass. Deswegen bin ich gerne Christ!
Wo die Liebe regiert, hat die Angst keinen Platz;
´Gottes` vollkommene Liebe vertreibt jede Angst.
Angst hat man nämlich dann, wenn man mit einer
Strafe rechnen muss. Wer sich also noch ´vor
dem Gericht` fürchtet, bei dem ist die Liebe noch
nicht zum vollen Durchbruch gekommen.
(1.Joh 4,18; NGÜ)
