Ich – der Zehnte, stelle mich dir vor
Hallo DU,
in der jüdisch‑christlichen Tradition sah man mich als eine freiwillige oder verpflichtende Abgabe von 10 % des Einkommens oder Ertrags, das er für religiöse, soziale oder gemeinschaftliche Zwecke jährlich abzugeben war und gleichzeitig auch Dankbarkeit und Vertrauen ausdrückte.
Ich bin die soziale Einstellung in dir, die bewusst zurückgibt und anerkennt, dass nicht alles nur für ‚dich‘ ist, die dein Loslassen einübt und die sich an etwas Größerem beteiligt, das dich überragt, das die Gemeinschaft betrifft.
Deswegen stelle ich mich dir persönlich vor:
„Ich bin der Zehnte.
Ich wachse leise in euren Feldern,
in euren Händen, in eurer Arbeit.
Ich bin der Teil,
den ihr nicht für euch behaltet –
und gerade darum werde ich fruchtbar.
Ich bin der Teil, der euch erinnert:
Segen ist kein Besitz.
Segen ist ein Strom.
Wenn ihr mich beiseitelegt,
dann trennt ihr mich nicht
von eurem Leben –
ihr öffnet mich
für ein größeres Leben.
Ich werde frei, um zu wandern:
zu denen, die keine Felder haben,
zu denen, die keine Sicherheit kennen,
zu denen, die nur hoffen können,
dass jemand an sie denkt.
Ich bin der Zehnte –
und ich bin nicht Verlust,
sondern Verwandlung.
In euren Händen bin ich Ertrag.
In Gottes Händen werde ich Segen.
Ich werde zu Brot, das stärkt,
zu Gemeinschaft, die trägt,
zu Gerechtigkeit, die atmet.
Wenn ihr mich gebt,
dann gebt ihr nicht weg.
Ihr gebt weiter.
Ihr gebt weiter, –
was ihr selbst empfangen habt.
Und während ich gehe –
zu Bedürftigen –
kehre ich zu euch zurück.
Nicht als Geld, nicht als Ernte,
sondern als Frieden im Herzen,
als Weite im Blick,
als Dankbarkeit im Leben.
Ich bin der Zehnte.
Ich bin der stille Beweis,
dass Segen sich vermehrt,
wenn man ihn loslässt.
