Ich bin schuld!
Hallo Du,
hast du schon einmal zu dir selbst oder zu anderen gesagt: „Ich bin schuld!“
Das sagt sich nicht leicht und wenn ich es sage, zeigt es,
dass mich etwas belastet,
dass etwas geschehen ist,
was ich gerne rückgängig machen würde, was aber nicht mehr rückgängig zu machen ist, weil bereits unangenehme Folgeereignisse eingetreten sind.
Oh wie peinlich!
Ich habe einen folgeschweren Fehler begangen, der anderen oder mir selbst deutliche Nachteile bringt; der sie und mich ins Unglück stürzt.
Die Erkenntnis: „Ich bin schuld!“ zeigt aber,
dass man die Schuld nicht ganz selbstverständlich auf andere schiebt,
dass man noch Anstand hat,
dass man ein funktionierendes Gewissen hat,
das man seinen Fehler bereut,
dass man diesen Fehler durch das Schuldbekenntnis ausgleichen möchte,
dass man sich ändern möchte,
dass man dafür die Verantwortung zu tragen bereit ist.
Schlimm wäre es,
wenn sich solche Schuldgefühle ansammeln,
wenn sie verunsichern, Entscheidungen hemmen und mutiges, bewusstes Weitergehen verhindern,
wenn Sie dazu führen,
dass Menschen schlecht von sich denken und sich schlecht fühlen;
dass sie Menschen klein, ängstlich und unselbständig machen.
Ursache für die Schuldfeststellung ist doch nur ein Fehler gewesen und jeder Fehler hat folgen, muss Folgen haben, damit wir lernen.
Jeder Mensch macht Fehler; es gehört also zum Menschsein dazu.
Warum machen wir Fehler?
Z.B. aus Unkenntnis, aus Vergesslichkeit, aus Unsicherheit oder aus Angst; nur ganz selten absichtlich oder böswillig.
Die besten Folgen von Fehlern sind,
dass man daraus lernt,
dass sie zu Erkenntnissen führen, die man ohne sie nicht gehabt hätte,
dass sie Menschen sensibilisieren und zu Verhaltensänderungen führen, die fest mit der Persönlichkeit verbunden werden.
Nur wer Fehler macht, lernt dauerhaft, lernt aus eigener Erfahrung.
Nur wer Fehler machen darf, riskiert etwas und kann dadurch selbstbewusst und selbstsicher werden.
Wer keine Fehler macht, bleibt ängstlich und lernt auch nichts dazu. Der ist der eigentlich Gestrafte.
Nur wer anderen Fehler zugesteht und sie als notwendig erachtet, der achtet andere und trägt eventuelle Folgen klaglos mit; genauso, wie andere seine Fehlerfolgen mittragen.
Das Leben beinhaltet eine Aneinanderreihung von Fehlern, die aus jeweils neuen Situationen, den individuellen Sichtweisen und der Entscheidungsfreiheit des Menschen entstehen. Man könnte sich darüber aufregen, sich ärgern oder sogar den Verfall von Kultur und Sitten beklagen, doch niemand ist davon ausgenommen. Wir machen alle Fehler und müssen uns an der eigenen Nase ziehen.
Es geht darum,
menschlich, liebevoll und geduldig damit umzugehen, den Weg zur Nächstenhilfe, der Hilfe zur Selbsthilfe, zu finden, Fehler verständnisvoll zu akzeptieren und zu verzeihen, sich am inneren Wachstum der Menschen zu erfreuen und dabei den eigenen Frieden zu finden.
Es geht darum,
sich selbst seine Unvollständigkeit zu vergeben,
sich von Schulgefühlen freizuhalten,
die Vergebung Gottes durch Jesus Christus für sich in Anspruch zu nehmen,
in sich selbst das Gute zu finden und es zu verstärken, in sich selbst das
Göttliche zu finden und es in sein Denken und Verhalten einzubauen.
Es geht auch darum,
im anderen das Gute und Göttliche zu hervorzusehen,
ihn liebevoll zu ermutigen und von Belastungen freizusprechen
und sich mit ihm im Guten zu verbinden.
Das ist wahre Begegnung.
Das ist liebende Beziehung.
Das ist gelingende Gemeinschaft.
Du regst dich auf über die kleinen Schwächen deines Bruders und erkennst nicht deine eigene, viel größere Schuld. Du sagst: ‚Mein Freund, komm her! Ich will dir die Augen für deine Fehler öffnen!‘ Dabei bist du blind für deine eigene Schuld. Du Heuchler! Kümmere dich zuerst um deine Fehler, dann versuche, deinem Bruder zu helfen. (Mt 7,3-5)
