Habsucht – Gier nach Besitz
Hallo Du,
Ich bin die Habsucht, die Gier nach Besitz,
die Sucht, viel mehr haben zu müssen,
als Du jemals brauchst.
Ich weiß nicht, ob Du mich kennst, aber wenn ja,
dann bin ich Deine Geißel,
Dein ganz persönlicher Prüfstein.
Durch mich sollst Du reifen und wachsen,
solange,
bis Du mich überwunden hast.
Ich komme zu Dir über den normalen Wunsch,
etwas besitzen zu wollen, um dadurch
Selbständigkeit, Freiheit und Sicherheit zu erhalten.
Dieser Wunsch ist Dir nicht so bewusst,
vielmehr übernimmst Du ihn unkritisch
aus Deiner Umwelt.
Du siehst, was die anderen tun und haben
und folgerst daraus,
dass die, die mehr haben, es besser, leichter
und schöner haben im Leben,
dass sie mehr sind als die Besitzlosen.
Dieser Irrtum wird für Dich zum Ziel, zur fixen Idee,
an der Du Dein Streben, Dein ‚Haben wollen’
und ‚Haben müssen’ ausrichtest,
für die Du lebst,
aus der Du Selbstbestätigung ableiten möchtest.
Ich überhöhe diese Sucht für Dich,
um Dir zu zeigen, was bei Dir nicht stimmt
und um Dir die Chance zu geben,
Deine Sucht zu überwinden und Deine widersinnige
Suche nach immer mehr zu beenden.
Du bist in der heutigen Leistungsgesellschaft
kein Einzelfall und da in ihr Besitz und Wohlstand
den Status bestimmen,
möchtest auch Du etwas Besseres sein,
fühlst auch Du Dich in Deinem Streben bestätigt,
wähnst auch Du Dich auf dem richtigen Weg
und merkst nicht, dass Du krank bist.
Vielleicht hast Du manchmal leise Zweifel am Sinn
Deines Besitzes, besonders dann, wenn Du feststellst,
dass vieles davon nutzloser Ballast ist, für dessen
Pflege Du immer mehr Zeit und Aufwand brauchst,
der Deine Kräfte bindet und Dich unfrei macht,
der in Dir Ängste vor Verlust, Beschädigung,
Zerstörung und Diebstahl erzeugt.
In diesen Momenten wird Dir deutlich,
dass Deine ursprüngliche Sehnsucht nach Ruhe
und einem sorgenfreien Leben gerade dadurch
nicht erfüllt wird,
dass aller Besitz kein Beweis für Deinen
wirklichen Wert darstellt,
dass Dein Sehnen nach Wichtigkeit und Dein
Wunsch, geachtet zu werden, trügerisch ist,
dass Deine falschen Vorstellungen Dich zur Sucht
nach Besitz, zur Habgier geführt haben.
Immer mehr haben zu wollen, immer besseres,
teureres, exklusiveres und auffälligeres zu haben,
kann nicht der richtige Weg sein,
kann kein Ersatz für Deine empfundene
Minderwertigkeit sein,
kann Dich im Vergleich mit anderen nicht
wirklich aufwerten.
Mehr haben zu wollen als andere,
sich an ihnen zu messen und sich mit ihnen
zu vergleichen ist ein falscher Ansatz.
Wir sind nicht vergleichbar,
jeder ist anders,
jeder hat andere Fähigkeiten und Begabungen,
jeder hat andere Startvoraussetzungen,
jeder hat ein anderes Beziehungsumfeld,
jeder hat andere Lebenserfahrungen,
deshalb hat jeder auch andere Träume,
Hoffnungen und Lebensziele.
Jeder geht seinen eigenen Weg,
unabhängig von dem des anderen.
Vergleichen,
macht uns nur unzufrieden, enttäuscht und verbittert,
macht uns hartherzig, geizig und krank,
gewinnt Macht über uns und macht uns abhängig.
Es ist nicht nur absolut unsinnig, sondern auch unnötig,
denn es kommt auf die eigenen Werte an,
die in uns liegen, auch in denen, die das noch nicht
wissen, die in sich noch nicht gesucht haben.
Nehme Dir doch Zeit und entdecke die Schätze
Deines Herzens, den Reichtum Deiner Gefühle
und die Bedeutung Deiner Seele.
Leuchte durch die Reinheit, Redlichkeit und Herzlichkeit
Deines Seins,
durch die Gaben, die Gott Dir in die Wiege gelegt hat,
durch Deine Dankbarkeit, Hilfsbereitschaft und Güte.
Lerne Dich zu begnügen mit dem,
was Du hast und was Du finden wirst,
was Du bisher vergeblich suchtest.
Suche nicht länger, sondern finde.
Dann werden sich Zufriedenheit, Demut, Achtung,
erfüllende Liebe und innerer Frieden von selbst einstellen.
Für Dich gibt es ein sehr schönes Gebet:
„Herr, nimm Du mir bitte all das weg,
was mich drückt und bedrängt;
all das, woran mein Herz noch hängt;
all das, womit ich mich unfrei mache.“
