Gott nimmt alle an, die einzig und allein ihm vertrauen 

 

Hallo Du,

mit dem Vertrauen ist das so eine Sache:

Wenn ich jemandem nicht vertraue, glaube ich ihm nichts

und wahrscheinlich halte ich auch nichts von ihm.

Vielmehr meide ich ihn und lehne ihn innerlich ab.

Er ist mir nicht ganz geheuer.

Ich gebe ihm nicht einmal den kleinen Finger, weil ich befürchte,

dass er dann die ganze Hand nimmt – und vielleicht sogar noch mehr.

Ich befürchte,

dass er mein gutgläubiges Vertrauen missbraucht und mich hintergeht,

dass er mich ausnutzt und verletzt,

dass er mich belügt und sich gegen mich wendet.

 

So jemand ist bei mir unten durch, für immer und ewig!

Mit so jemandem gibt es keine Gemeinschaft.

Die lasse ich nicht zu.

Mit so jemandem möchte ich nichts zu tun haben.

 

Weshalb vertraue ich diesem Menschen nicht?

Er ist ein komischer Typ. Er benimmt sich seltsam.

Er macht, was er will.

Das alles bin ich auch. Aber:

Bei dem Anderen habe ich schlechtes Gefühl.

Oder, von dem wurde mir gesagt, er sei unzuverlässig,

unordentlich, …

 

Kenne ich den anderen wirklich?

Wenn ich ehrlich bin,

weiß ich kaum etwas von ihm und das bisschen,

was ich weiß, habe ich mir aus wenigen Einzelheiten

und vom Hörensagen zusammengereimt.

 

Darf ich jemanden, von dem ich kaum etwas weiß,

so hart verurteilen?

Habe ich mich bemüht, mehr von ihm zu erfahren?

Habe ich eigene, schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht?

Habe ich ihm die Chance gegeben, das für mich

‚Komische‘ zu erklären?

 

Könnte unser Missverhältnis auf Missverständnis

und Misstrauen beruhen?

Könnte sein ‚Komisch sein‘ auf meiner Ablehnung

ihm gegenüber beruhen?

 

Vertraue ich denn mir?  –  Was traue ich mir zu?

Kenne ich mich denn selbst gut genug?

Oft kennen die anderen mich besser als ich mich selbst,

besonders dann, wenn ich in manchen Situationen

befangen und damit blind bin.

Dann trüben meine Absichten, Erwartungen und

Gefühle mein Sehen.

 

Wie würde ich reagieren,

    wenn mir jemand nicht vertraut?

Ich würde gerne wissen, weshalb.

Ich wäre durch das Misstrauen und die damit

verbundene Ablehnung stark irritiert und

wahrscheinlich auch verletzt.

Wenn es einen schwerwiegenden Grund gäbe,

sollte ich den kennen. Das würde mir helfen,

mich zu verändern und ich könnte ihn um

Entschuldigung bitten.

Ich hätte gerne eine zweite Chance.

 

Vertrauen ist wie eine Tür.

Bleibt sie verschlossen, komme ich mit den anderen

nicht in Kontakt. Gemeinschaft bleibt unmöglich.

Ist sie jedoch geöffnet, dann kann ein Gespräch zum

‚Kennenlernen‘ und zum ‚Miteinander vertraut

werden‘ zustande kommen. Vorurteile können

abgebaut werden und Vertrauen kann wachsen.

 

Und ich habe festgestellt,

dass eigener Vertrauensvorschuss einem anderen

gegenüber mit Vertrauen beantwortet wird.

Vertrauen ist gegenseitig!

Wenn ich jemanden in mich hineinsehen lassen,

dann wird der andere das höchstwahrscheinlich

auch so zulassen. Und das sind die schönsten und

spannendsten Gespräche, bei denen man sich in

der unzulänglichen Menschlichkeit trifft.

Gar manche dauerhaften Freundschaften sind so

entstanden.

 

Es gibt keine Alternative zu Vertrauen!

Selbst wenn ich tatsächlich einmal oder mehrmals

getauscht und enttäuscht worden bin, jeder Mensch

ist anders und in Kontakt mit ihm komme ich nur

durch Vertrauen. Ich muss es wagen, mich auf ihn

einzulassen und meine Erfahrungen mit ihm zu

machen.

Ich muss jedem die Chance geben zu zeigen,

wer und wie er ist. Dann erst wird mir bewusst,

dass jeder seine Stärken und Schwächen hat,

auch ich.

 

Ich vertraue auf die Stärken des Anderen und

ermutige ihn dadurch.

Ich toleriere den anderen so, wie er gerade ist.

Mir ist bewusst, dass nur er selbst sich verändern

kann und das nur, wenn er es auch will.

Mir ist bekannt, dass jede Veränderung seine Zeit

braucht und dass ich den anderen dabei nur durch

Zuhören, Dasein, Geduld und Liebe unterstützen

kann.

Ich lasse dem anderen die Möglichkeit, mit eigener

Geschwindigkeit seine Stärken weiterzuentwickeln

und an seinen Schwächen zu arbeiten.

Ich dränge mich nicht auf.

Wenn meine Hilfe erwünscht wird, bin ich da.

Ich sage, was ich erkenne, doch mir ist bewusst,

dass das meine Sichtweise ist und dass ich mich

irren kann.

 

Das Gleiche erhoffe ich mir vom anderen.

 

Gott nimmt alle an,

    die einzig und allein ihm vertrauen (Röm 10,4)

Gott ist mein Schöpfer und mein himmlischer Vater.

Deshalb kann ich mir auch sicher sein, dass er mich liebt,

so, wie jeden anderen auch.

Und weil er mich erschaffen und gewollt hat,

kann ich ihm vertrauen.

Und weil ich ihm vertraue,

lasse ich ihn jederzeit bei mir ein

und bin auch bereit, jederzeit auf ihn zu hören,

von ihm zu lernen und auch unangenehme

Wahrheiten zur Erkenntnis von ihm anzunehmen.

 

Ihm traue ich alles zu.

Auf ihn baue ich besonders in den Situationen, die mir

über den Kopf wachsen. An ihm erkenne ich meine

Begrenztheit und mein angewiesen sein auf sein

Dasein, auf seine Geduld und auf seine Liebe und

barmherzige Gnade.

 

Meinen Vater kann ich mir nicht aussuchen.

Da ich von ihm abhängig bin, muss ihm wohl oder

übel vertrauen. Gott, dem himmlischen Vater sowieso.

Viele Menschen suchen sich Nebengötter, auf deren

Wunscherfüllung sie hoffen und von denen sie sich

dadurch abhängig machen.

Das zeigt Misstrauen und Ablehnung gegenüber

dem einzig wahren Gott.

Wir verschließen ihm dadurch unsere Tür und

schaden uns selbst.

Unser Gott ist nicht gekränkt dadurch, sondern

unsagbar traurig, dass wir uns das selbst antun.

 

 

Dabei hat Christus das Gesetz doch erfüllt,

und somit ist es nicht mehr der Weg, um

Annahme bei Gott zu finden.

Wer Christus vertraut, wird von aller Schuld

freigesprochen. (Röm 10,4;HfA)

 

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