Glaube – Hoffnung – Liebe 

 

Was für immer bleibt, sind Glaube, Hoffnung und Liebe,

diese drei. Aber am größten von ihnen ist die Liebe.

(1.Kor 13,13)

 

Hallo Du,

weshalb werden diese drei Begriffe am Ende dieses

wunderschönen und klärenden Textes besonders

hervorgehoben?

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen ihnen?

 

Durch einem Moment der Erleuchtung

sehe ich etwas klarer.

Gott sei Dank.

 

• Liebe

Die Liebe ist das Zentrale. Ohne Liebe ist alles nichts.

Ohne die Liebe Gottes kann die Welt und das Leben

in ihr nicht bestehen.

Gott, unser Schöpfer und Vater, ist reine Liebe.

Aus Liebe hat er das Universum erschaffen

und seine Liebe erhält es.

Seine Liebe ist nicht nur so, wie wir sie gern sehen wollen,

nämlich ganz auf uns persönlich gerichtet, sondern

Gottes Liebe hat immer das Ganze im Auge,

das Sein von allen und allem, und damit auch

von unseren Nächsten und Übernächsten.

 

In dieser Liebe sind Polaritäten

wie Werden und Vergehen als ewiger Wandel,

sind Gut und Böse als sozialmoralische Instanz

oder die Andersartigkeit zwischen Mann und Frau

als gewollt und richtig enthalten.

Diese Polaritäten sorgen für

Veränderung und Wachstum,

für Anpassung und Ausgleich

und damit

für Ausgewogenheit, Vollkommenheit und Schönheit.

Sie sind kreative Bestandteile des Lebens,

in denen sich das Unterschiedliche zu einer

Einheit ergänzt und zusammenfügt.

 

Diese Liebe Gottes ist unbegrenzt

und ewig wie das Universum.

Sie kennt keine Wertung.

In ihr dient alles der Vollkommenheit.

Leben oder Tod, Gut oder Schlecht werden

vom Menschen subjektiv bewertet.

Diese Bewertung zeigt,

was uns gefällt oder nicht gefällt,

was wir mögen und schätzen oder

was wir nicht mögen und ablehnen.

Unsere Bewertung und Betrachtungsweise

ist aber zu subjektiv und zu begrenzt

und damit, universal gesehen, zu einseitig.

 

Die menschliche Liebe ist ein Teil der Liebe Gottes.

Er hat die Liebe des Schöpfers zu seinen Geschöpfen

in uns gelegt.

Aus dieser Liebe lieben wir und seine gebende Liebe

erzeugt in uns eine vertrauende Beziehung zu ihm.

Sie drückt sich in Freude und Dank, Achtsamkeit

und Achtung gegenüber aller Schöpfung u

nd dem Schöpfer aus.

Gott zu lieben bedeutet, sich mit den von ihm gegebenen

Fähigkeiten und Gaben als ein Teil vom Ganzen

in diese natürliche Vollkommenheit einzugliedern

und sie nach bestem Wissen und Gewissen

zu fördernd, zu entwickeln und zu erhalten.

 

Der Mensch ist, ob seines Bewusstseins, ein kreatives

Element in dieser großen Verbindung. Er trägt eine

stellvertretende Verantwortung für die Schöpfung

und die Geschöpfe, doch oft genug sieht er nur sich selbst

und seinen eigenen Vorteil.

 

Du und ich, wir sind aus Liebe erschaffen

und wir leben aus dieser Liebe heraus.

In dieser Liebe sind wir versorgt und geborgen.

In dieser Liebe reifen und wachsen unsere Fähigkeiten

und unsere Kräfte.

In dieser Liebe überwinden wir Polaritäten und

erreichen wir die Erkenntnis, dass diese Liebe

mit all ihren Ausprägungen das Verbindende

von allem ist.

 

Bekommen oder haben wir keine Liebe,

dann geht es uns schlecht,

dann sind wir aus dem Gleichgewicht und kraftlos,

dann werden oder sind wir krank.

Also: Liebe ist und muss sein.

Sie ist das Zentrale und Elementare;

sie ist Sinn und Geist und Bindemittel.

 

• Glaube

Glaube wird oft als eine religiös-nebulöse Einstellung

oder Haltung gesehen. Er ist jedoch kein abstrakter

Begriff, sondern er muss gelebt werden, sonst ist er

wirkungslos. Seine Bedeutung ist eindeutig definierbar.

Menschlich gesehen ist Glaube eine gefühlsmäßige,

nicht von Beweisen abhängige Gewissheit,

dass etwas noch unerkennbares und unsichtbares

bereits ist oder noch wird.

Auch zeigt er, was man für wahr und richtig hält.

Geistlich gesehen ist Glaube eine religiöse Überzeugung,

mit der man sich zu Gott und seinem Wesen bekennt

und auf seine Allmacht, Liebe, Güte und Gnade vertraut.

 

Wenn ich das glaube, was die Bibel über Gott sagt

und was Jesus uns über Gott zeigt,

und darauf baue und vertraue,

dann habe ich Glauben, dann glaube ich.

 

Ob viel oder wenig Glaube, spielt keine Rolle, nur,

ob er fest oder zweifeld ist.

Diese Darstellung ist aber sehr abstrakt.

Deswegen das Ganze nun etwas konkreter:

Der Mensch ist ein Gruppenwesen.

Er braucht Beziehung und Gemeinschaft,

um sich zu entdecken, um zu lernen,

um zu wachsen und sich zu entwickeln.

Als Baby und Kleinkind ist er vollkommen vom Schutz

und von der fürsorglichen Zuwendung der Eltern abhängig.

Die tun das für das Kind Notwendige,

aus Liebe und Verantwortung.

Daraus erwächst im Kind ein Urvertrauen

in die Liebe und Güte der Eltern.

Es ‚weiß‘, es ist sich ganz sicher, es sich gewiss,

dass die Eltern für es da sind und ihm beistehen,

wenn sie gebraucht werden.

Diese Glaube, dieses Vertrauen in das Gute in den Eltern,

wird entwickelt aus der liebenden und verlässlichen

Zuwendung und dem damit verbundenen Wohlwollen.

Das heranwachsende Kind braucht Vorbilder und einen

stabilen Orientierungsrahmen, an dem es sich messen

kann und an dem es gemessen wird.

Sich in das Familiengefüge einpassen und es sinnvoll

zu ergänzen bringen Anerkennung, Bestätigung und

damit auch gefühlsmäßige Stärke und Verhaltenssicherheit.

Das ist Erziehung.

Im Nachahmen, Nacheifern und Ausprobieren von

Vorbildern – oder auch vom Gegenbildern –

werden Erfahrungen gesammelt, die den elterlichen

Rahmen überragen und lebensbestimmend werden.

 

Genauso geht es uns mit Gott. Er ist unser Schöpfer.

Aus seiner Liebe sind wir und in seiner Schöpfung l

eben wir. Seine Natur gibt uns Nahrung.

Er ist uns Liebe, Schutz, Zuwendung und Güte.

Seine Gebote geben uns soziale Orientierung.

Indem wir uns an ihnen messen, lernen wir, was

uns und anderen guttut und was nicht.

Daraus entwickelt sich unsere Grundstufe von

Vertrauen und Glaube, sozusagen unser Urglaube.

 

Auf dem Weg des geistlichen Wachsens lernen wir,

dass Gott seine Zusagen und Versprechungen

(biblische Verheißungen) immer einhält und dass sein

Wort verlässlich ist. Das ist kein blindes, träumerisches

Gottvertrauen, sondern ein ‚Sich auf ihn verlassen‘

und ein ‚Sich seiner Liebe gewiss sein‘.

Dieser Abschnitt ist schwierig, weil unsere Bitte um

Verwirklichung (Gebet) und Gottes folgende Ausführung,

oft nicht unmittelbar aufeinanderfolgen.

Gott gibt und erfüllt nach seinem Zeitplan und

wahrscheinlich auch nach unserem jeweiligen Reifezustand.

Er gibt gerade so viel, wie wir ertragen können und dann,

wenn wir es verkraften können.

Nur im Rückblick erkennen wir seine

Zuverlässigkeit und Weisheit.

Hier lernen wir auch, dass Gott uns vertraut

und dass wir (wie er) für unser Denken, Handeln

und Verhalten verantwortlich sind.

 

Indem er uns vertraut und uns Verantwortung

für die Schöpfung und für das Leben überträgt,

sind wir dem Ganzen gegenüber (in dem wir leben)

und unseren Nächsten gegenüber (mit denen wir leben),

verpflichtet.

 

Im weiteren Prozess des Wachsens gibt Gott uns mit

Jesus Christus ein konkretes Vorbild seiner Liebe und

seines Wesens.

Er kommt uns entgegen und wird selbst zu einem

leidenden Menschen.

Aber Jesus zeigt und sagt uns auch, wer Gott ist

und was er für uns tun kann, tut und tun möchte.

 

Jesus nachzu folgen und von ihm zu lernen bedeutet auch,

seinem Beispiel folgen und Gott gegenüber gehorsam

werden und sein.

Je mehr wir eigenes, egoistisches Wollen ablegen

und uns in den Willen Gottes einfügen,

desto mehr wird seine Liebe und werden seine Segnungen

für uns Wirklichkeit; desto mehr werden wir verwandelt

zu seinen Kindern und Erben.

 

Die letzte Stufe im Prozess der Glaubensentwicklung

ist der Glaube, die innere Gewissheit,

dass Gott liebender ist, als menschliche Vorstellen

es fassen und zulassen kann,

dass seine Liebe größer ist, als menschliches Denk-

vermögen es sich vorstellen kann

und mächtiger ist, als die uns begrenzenden Naturgesetze.

In Jesus geht er liebend auf uns zu, um durch dessen

Kreuzestod uns unsere Sünden zu vergeben,

damit wir wieder eine heilende und heilige Gemeinschaft

mit ihm haben.

In der Gemeinschaft mit Gott finden wir unseren Weg

und unsere Bestimmung,

den Sinn unseres Seins und Lebens.

Diese Form von Glaube ist ein ‚Sich verlassen auf das,

was man nicht sehen und verstehen kann‘,

ein ‚Für möglich halten, was unvorstellbar ist‘

und ein ‚Darauf vertrauen, dass Gott auch das Schlechte

zum Guten wenden kann und wird‘.

 

Was Gott von uns dafür braucht, ist unsere Zuwendung

zu ihm und unsere Öffnung für ihn.

Er zeigt sich nur dann in unserem Leben, wenn dies

wollen und zulassen. Weil er uns und die von ihm

gegebene Selbstverantwortung achtet, mischt er sich

nicht in unsere Eigenständigkeit und Eigenwilligkeit ein,

vielmehr hofft er und gibt er uns immer wieder neue

Gelegenheiten, dass wir den Weg zu ihm finden.

 

• Hoffnung

Kinder gehen nicht mit Anliegen, Bitten oder Hoffnungen

zu ihren Eltern, wenn sie nicht davon ausgehen, dass die

ihnen helfen werden.

Und helfen kann nur, wer eingebunden, gebeten und

zugelassen wird.

Auf Erhörung hoffen kann nur, wer glaubt und vertraut,

wer sich vertrauensvoll und bittend an jemanden wendet.

Glaube ist Voraussetzung für ein sich erfüllendes Hoffen.

Ein Hoffen auf den Zufall ist wie bauen auf Sand.

Dieses glaubendes Hoffen auf Gott versetzt die Berge,

die uns im Weg stehen.

 

Unser Glaube öffnet ihm die Tür,

damit er unsere Hoffnung erfüllen kann.

Unser Glaube ist wie ein Pferd,

auf dem die Hoffnung zur Erfüllung reitet.

Unsere Hoffnung in Gottes Liebe, Gnade und Güte

und in sein allmächtiges Vermögen,

unsere Zuwendung und Ausrichtung allein auf ihn

und unser kindliches Vertrauen in ihn und zu ihm,

unseren Schöpfer und himmlischen Vater,

rührt seine Liebe und sein Erbarmen.

 

Im Glauben richten wir uns aus auf das, was wir Hoffen.

Im Hoffen wird wirklich, was wir aus Gottes Sicht

tatsächlich brauchen.

Deshalb sagt Jesus oft nach einer Heilung:

Dein Glaube hat dir geholfen!

 

• Worauf hoffen wir?

In dieser gefallenen Welt denken die meisten Menschen

nur an sich selbst. In einem Klima von Leistung,

Konkurrenz und Wettbewerb wird das verschärft.

Das eigene Wohlergehen und Fortkommen und das

Streben nach finanzieller Sicherheit führen zu einer

sich steigernden Gier nach Geld, Gut, Erleben und Leben.

Egoistische Menschen leben in blindem und

selbstsüchtigem Ehrgeiz und neigen zu selbstgerechter

Abgrenzung und zum Übergehen und ablehnen anderer,

zu deren Zurückweisung und Missachtung.

Und die reagieren mit Neid, Streit und Feindschaft,

Aggressivität, Wut, Zorn oder gar Hass.

In einem solchen Stressklima fühlt sich niemand wohl.

 

Deshalb hoffen wir alle auf die Liebe Gottes und die,

der Menschen um uns.

Und, wir hoffen auf das Gute,

auf Gott in uns und in den anderen Menschen.

Wir hoffen auf eine Liebe, die uns so annimmt wie wir sind

und die im Gegenzug nichts von uns will.

Wir hoffen auf eine Liebe, die das Besondere und

Liebenswürdige in uns sieht und würdigt.

Wir hoffen auf eine Liebe, die einfühlsam, freundlich,

geduldig und anhaltend auf uns eingeht,

die uns ermutigt, unterstützt und beisteht,

die uns Fehler vergibt und zu uns steht.

Wir hoffen auf eine aufmerksame Liebe,

die uns wahrnimmt, achtet, ernst nimmt und würdigt

und die das Gute in uns sieht und ermöglicht.

Wir hoffen auf eine Liebe voller Güte, Treue und

Besonnenheit, voller Rücksichtnahme,

Verständnis und Nachsicht.

Wir hoffen auf eine Liebe, die sich uns zuwendet

und uns Gemeinschaft, Wärme und Nähe schenkt,

die uns in Schwäche, Krankheit und Not beisteht,

die in Trauer und Leid mit uns fühlt und tröstet,

eine Liebe,

in der unsere empfindsame und gestresste Seele

sich entspannen und genesen kann.

Wir hoffen auf eine fürsorgende, versorgende,

schützende, bewahrende und erhaltende Zuwendung

von Gott und von Menschen,

vielleicht auf das Paradies unserer Kindheit.

Wir hoffen auch auf die Liebe Gottes, darauf,

dass er uns eine neue Orientierung gibt,

uns darin begleitet und uns in ein neues, besseres Leben

mit einem neuem Geist führt; in ein Leben, in dem Freude,

Freundlichkeit, Leichtigkeit, Güte und Barmherzigkeit

aus uns herausfließen und wir anderen das geben,

auf das wir selbst hoffen.

In unserem vielseitigen Hoffen erkennen wir unsere

eigene Begrenztheit und Unvollständigkeit

und unsere Sehnsucht nach einer gelingenden

Gemeinschaft mit Gott und mit den Menschen.

Wir erkennen aber gleichzeitig auch unsere

Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen.

Auch sie brauchen Liebe, die von Gott – und die von uns.

Wie wir auf Liebe hoffen, so hoffen auch sie darauf.

Wie wir sie brauchen, so brauchen auch andere sie.

Auch wir können sie geben, damit andere wachsen

und gedeihen – und sei es noch so wenig.

 

Besonders im Geben und in den dankbar leuchtenden

Augen der Empfangenden zeigt sich uns der Reichtum

der Liebe.

Gutes zu denken und zu tun ist uns Dank und Erfüllung.

Diese neue Perspektive der Liebe weist über uns selbst

hinaus und führt uns aus unserer ängstlichen,

selbstbezogenen Enge und Kleinkariertheit.

Sie gibt uns und unserem Leben Sinn und Erfüllung.

Darin finden wir unseren Platz im Leben und,

aufbauend auf unseren besonderen Fähigkeiten

und Gaben, unsere Lebensaufgabe.

In diesem anderen Leben finden wir Kraft und Stärke,

Gelassenheit, Ausgeglichenheit, Selbstbeherrschung

und inneren Frieden.

Indem wir uns selbst nicht mehr für so wichtig nehmen,

überwinden wir unsere begrenzte Wahrheit mit Selbstlüge

und Selbstgerechtigkeit und wir werden gelöst und erlöst

von falscher Einstellung, Erwartung und Bindung.

Wir werden heil in der Seele, im Geist und im Körper.

Wir werden geläutert und gereinigt, ehrlich und echt,

wahr und wahrhaftig, zum strahlenden Abbild Gottes.

Wir werden mit ihm in Liebe und Dankbarkeit dauerhaft

verbunden, zuversichtlich ihm vertrauend und uns gewiss

in seine Liebe und Kraft. In der Veränderung erkennen wir

seine Gnade, Vergebung, Gerechtigkeit und Weisheit und

unser Glaube wird bestätigt und gefestigt.

Wir erhalten Erkenntnis und Erleuchtung über seine

Liebe und sein Wirken,

der Grundlage für unsere Heilung und Heiligung.

Ist das nicht eine verlässliche Grundlage für Glaube,

Zuversicht und Gewissheit in diesen liebenden und

gerechten Gott?

 

Ohne Glaube keine Hoffnung und ohne Hoffnung keine

Erfüllung und keine Zuversicht.

Gottes Liebe macht uns das Unmögliche möglich.

Sie erweicht Steine und Herzen, sie ist barmherzig.

 

Ihr Lieben, lasst uns einander lieben;

denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt,

der ist von Gott geboren und kennt Gott.

(1.Joh 4,7)

 

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